2014 wählte Murnau Rolf Beuting als Außenseiter zum Bürgermeister. Ein Teil des Erfolgsteams ist weggebrochen, für die Wahl 2020 nun auch Holger Poczka. Trotzdem wollen ÖDP und Bürgerforum noch besser abschneiden – unter anderem mit CSU-Überläufer Josef Gramer.
Murnau – Bei der ÖDP lernen sie nicht dazu. Schon den Bürgermeister-Kandidaten hatten sie vor einigen Wochen an einem Montag gekürt. Um das deutlich zu sagen: An einem Montag, am Ruhetag der Gaststätte im Kultur- und Tagungszentrum. Was für ein Malheur. Bedeutete kein Bier, kein Wein, kein Wasser. „Nichts zum Betäuben für einen trockenen Abend“, wie es Rolf Beuting formulierte.
Aber der Bürgermeister hatte vorgesorgt. Nicht, dass er selbst die Getränke anschleppte. Beuting schickte die Gäste recht flott nach Hause. Fotos, Formalien, Vorstellungsrunde, Wahl – was in kleinen Gemeinden gerne vier Stunden verschlingt, brachten ÖDP und Bürgerforum bei ihrer Aufstellungsversammlung in 120 Minuten unter. Das Hochgeschwindigkeits-Treffen funktionierte nur, weil Beuting und seine Helfer im Hintergrund Wochen vorher ihre Liste zusammengeschustert hatten. Bereits nach den Pfingstferien zog der Spitzenkandidat aus und sah sich nach Gefolgsleuten um. Den Rufen des Bürgermeisters folgte mancher doch lieber als dem Flirt der übrigen Parteien. Die CSU etwa klagte über Probleme bei der Kandidatensuche. Schuld daran: Beuting und das Klima im Gemeinderat, das sich doch keiner antun will. Dagegen beendete der Amtsinhaber seine Werbetour bereits eine Woche vor der Aufstellungsversammlung. Die Liste voll, der Bürgermeister angriffslustig. „Wir sind die Ersten: Das bedeutet auch, dass wir die geringsten Probleme hatten.“
Kommunalwahl 2020: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?
Beutings Unrast lässt sich auch anders interpretieren. Im Vergleich zu 2014 brechen dem Bündnis aus ÖDP und Bürgerforum für die Kommunalwahl 2020 drei der fünf besten Stimmenjäger (kumuliert 6339 Stimmen) weg. Guntram Gattner schmiss 2016 in der hitzigen Debatte um den Bürgerbeirat hin, Franz Englbrecht starb 2017, Holger Poczka tritt 2020 nicht mehr an. Parteifreunde wussten länger von seinen Plänen, sich nach zwölf Jahren aus dem Gemeinderat zurückzuziehen. Die Fraktion verliert ihren Strategen und Ideengeber, der jahrelang Gesicht der Partei in Murnau war. Solche Wähler-Magnete muss die Gruppierung erst einmal auftreiben. Beuting verweist auf die Konkurrenz, der es ähnlich gehe. Alexander Weinhart, den Stimmenkönig, den „Mehr Bewegen“ ersetzen muss, führt er an, auch die Freie Wähler und die CSU, bei der „unglaublich viele Stimmen“ wegbrechen. „Ich hoffe, dass wir unsere Abgänge leicht kompensieren können“, sagt der 52-Jährige. 22,46 Prozent stimmten vor knapp sechs Jahren für ÖDP und Bürgerforum. Die reichten für sechs Plätze. Beuting träumt davon, noch ein paar Prozent draufzupacken. Einen siebten Sitz hält er aber für unrealistisch, genauso wie die direkte Wiederwahl. Er stellt sich auf eine zweite Runde ein, auch wenn er auf Kommentare und Einschätzungen zu seinen Konkurrenten verzichtet. Sobald die Listen feststehen, „können wir gerne Wetten machen“, scherzt er.
Die ausgiebige Suche hat sich ausgezahlt. Mit Josef Gramer trieb er ein Schwergewicht auf, der aktuell als fraktionsloser CSUler im Gemeinderat sitzt. „Im Laufe der fünf Jahre haben wir einen Weg zueinander gefunden“, sagt Beuting. Zudem treten die Räte Anna Schlegel-Herz, Stefan Lechner, Sabine Pecher, Michael Manlik und Gabriele Lechner wieder an. 14 der 24 Kandidaten sind Neulinge. Die Liste habe Potenzial, sagt Beuting, weil sie so viele Strömungen abbildet: Grüne und Konservative, Junge und Alte, Erfahrene wie Politneulinge, Berufe aller Art. Alle eint die Sympathie für Beuting als Bürgermeister. Weit über die Hälfte erklärt bei ihrem Vortrag, dass sie „für den Rolf“ antreten. Beuting freut sich über die Unterstützung. Diesmal gehe er nicht als Angreifer in den Wahlkampf. „Wir verteidigen sozusagen das Rathaus.“ Und als Verteidiger müsse man viel aushalten und einstecken können.
Die Liste: 1. Rolf Beuting, 2. Anna Schlegel-Herz, 3. Simon Pittrich, 4. Stefan Lechner, 5. Sabine Pecher, 6. Michael Manlik, 7. Martin Hutter, 8. Gabriele Lechner, 9. Josef Gramer, 10. Christian Englbrecht, 11. Katrin Ecker-Eberl, 12. Michael Jungnitsch, 13. Michael Ledig, 14. Wolfgang Küpper, 15. Evi Schilberger, 16. Maxi Benn, 17. Daniel Konopczynski, 18. Andrea Grabs, 19. Markus Heberle, 20. Joachim Heinrichs, 21. Nikolaus Voss, 22. Corinna Lechner-Eder, 23. Helmut Lechner, 24. Raphael Mankau. Ersatz: Corinna Huber, Anton Pecher.
Andreas Mayr