Vier Kandidaten bewerben sich am 15. März um die Nachfolge des Tölzer Bürgermeisters Josef Janker. Für die CSU geht Ingo Mehner ins Rennen.
Bad Tölz – Es ist 8.59 Uhr und klirrend kalt. Auf die Minute genau kommt Ingo Mehner zum Treffpunkt Kindergarten Kinderland in der General-Patton-Straße angeradelt. Zwei Erfolgsstorys und zwei Dinge zum Anpacken sollte er fürs Bürgermeisterkandidaten-Porträt nennen. Die Kinderbetreuung ist in seinen Augen ein Pluspunkt der Tölzer Stadtpolitik. „Das sah vor zehn Jahren noch anders aus.“ Der Vater von zwei Kindern zeigt auf das in der Morgensonne glitzerndernde „Kinderland“-Gebäude.
Wenn der Jahnschul-Kindergarten noch komme, sei man, was Kinderkrippen- und Kindergartenplätze betreffe, in Tölz gut aufgestellt. Der CSU-Bürgermeisterkandidat ist kein Ganztagsschulen-Fan, aber: Das Angebot müsse da sein und möglichst flexibel ausgebaut werden. „Bei vielen geht es arbeitsmäßig ja gar nicht anders.“ Gut findet er Initiativen des Turnvereins mit allerlei Sportcamps für die Ferienzeit. All das sei enorm wichtig, um junge Familien in Tölz zu halten.
Radwege: Da geht viel mit wenig Geld
„Mehr Radwege in Tölz, das wird jeder bejahen“, sagt der 41-Jährige. Er demonstriert, wie er es machen würde. Konkrete Fahrachsen definieren und dann umsetzen. Wir radeln gerade zum Wohngebiet Flinthöhe und von dort auf der Anton-Höfter-Straße in Richtung Altstadt. Aus einem anfänglichen Rad- und Gehweg wird ausgerechnet vor der Kurve am Eisstadion ein reiner Gehweg. Ein Bus kommt just in dem Augenblick entgegen und schneidet extrem die Kurve. „Für Kinder ist das gefährlich“, sagt Mehner und schlägt als Erstmaßnahme einen durchgezogenen Mittelstreifen und dann eine Fortsetzung des Radwegs bis zur B 472 vor.
So geht es bis in die Innenstadt weiter. Mehner hat allerlei seltsame offizielle Wegführungen in Tölz ausgemacht und schlägt kleine Verbesserungen vor. „Da geht auch mit wenig Geld viel.“ Und: „Es muss nicht immer gleich die 100-Prozent-Lösung sein. Die kann folgen. Hauptsache, man packt an.“ Der gebürtige Tölzer hält es übrigens für denkbar, dass die Salzstraße zur Einbahnstraße wird. „Dann hätte auch ein Radweg Platz.“
Bürger-Besuchesollen weitergehen
Die oft schlecht sichtbare Verkehrsführung für Radler in Tölz nimmt Mehner zum Anlass, auf sein vielleicht wichtigstes Anliegen zu sprechen zu kommen. Er habe schon rund 3000 Haushalte in Tölz besucht und ihm sei klar geworden, „dass Kommunikation alles ist“. Das Gespräch mit dem Bürger soll also weitergehen.
Er kündigt an, auch als Bürgermeister weiter Haushalte zu besuchen. Es werde auch nicht nur im Wahlkampf Stadtteilgespräche geben. Der Bürger müsse vor Projekten deutlich mehr einbezogen werden. Die Homepage des Rathauses soll politische Entscheidungen in Zukunft umfassender dokumentieren und infomäßig begleiten.
Der promovierte Jurist Ingo Mehner (Thema der Doktorarbeit: „Privatisierung von Kreiskrankenhäusern“) arbeitet bei einem Münchner Lebensversicherer. Das Recht zu kennen, eröffne ein größeres Instrumentarium bei Verhandlungen und Gesprächen, ist er überzeugt und nennt Bahnhof, Jod-AG-Flächen und Postareal als Beispiele, wo er künftig ansetzen will.
Wohnanlage an der Osterleite ist für Mehner ein Erfolgsprojekt
Nicht lange überlegen muss das seit dem 16. Lebensjahr eingeschriebene CSU-Mitglied für eine weitere Tölzer Erfolgsstory. Was die Stadt mit der Gemeinschaftsunterkunft auf der Flinthöhe (künftig einmal günstige Wohnungen) sowie der Wohnanlage an der Osterleite geschafft habe, sei „extrem gut gelungen“.
In einer Politik der kleinen Projekte mit unterschiedlichen Zielgruppen erkennt Mehner auch kurzfristig viel Handlungsspielraum der Stadt. Arzbacher Straße, Kohlstatt, Holzner-Haus, Jugendcafé nennt er einige Flächen für Wohnbauvorhaben. Er kann sich auch vorstellen, dass aus dem Parkplatz hinter dem Josefistift eine Tiefgarage wird und darauf Wohnungen entstehen. Apropos Josefistift: Er halte die Arzbacher Straße nach wie vor für den besseren Standort, akzeptiere aber die Stadtratsentscheidung für das Lettenholz. Er begrüßt den Vorschlag (der FWG), hier künftig alternative Wohnformen für Senioren anzubieten. Christoph Schnitzer
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