Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) ist mit überragender Mehrheit wiedergewählt worden. 62,15 Prozent lautet das vorläufige amtliche Endergebnis für den Amtsinhaber.
Geretsried – Damit hat er es im ersten Anlauf, weit entfernt von einer Stichwahl, geschafft. Für ihn sei es ein „Traumergebnis“, wie er nach der Auszählung kurz nach 20 Uhr im Alten Wirth freudestrahlend erklärt.
Müller feierte dort im kleinen Kreis mit der Familie – Sohn Markus und Ehefrau Daniela – sowie etwa einem Dutzend Parteifreunden. Verhaltener Jubel, keine Umarmungen oder Bussis für den Sieger. „Der Abend steht leider im Schatten des Coronavirus“, sagt Müller im Hinblick auf die diesmal nicht öffentliche Auszählung im Rathaus und abgesagte Wahlpartys. Normalerweise treffen sich in Geretsried alle Kandidaten und interessierten Bürger im Sitzungssaal, um auf einer großen Leinwand die Auszählung mitzuverfolgen. Die Stadt hatte entschieden, darauf zu verzichten.
Für Müller stellt das eindeutige Votum, mit dem er nicht gerechnet habe, wie er sagt, einen „überragenden Vertrauensbeweis“ dar. Es bestätige ihn darin, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen: „Die Bürger wollen, dass Geretsried voranschreitet“. Den Wahlkampf bezeichnet er im Großen und Ganzen als fair abgelaufen. Allerdings hätte er sich „mehr Inhalte und weniger Persönliches“ von den Gegenseiten gewünscht.
Der CSU-Ortsvorsitzende Ewald Kailberth bezeichnet das Ergebnis als „gigantisch“. Er habe bei vier Kandidaten mit etwas über 50 Prozent für Müller gerechnet. Aber die Bürger hätten gezeigt, dass sie mit dessen entschlossener Politik zufrieden seien. „Es geht etwas voran. Das Zentrum entwickelt sich zum Positiven und wir schaffen bezahlbaren Wohnraum.“ Auf die Frage, ob er sich für den Papa freue, meint Markus Müller lachend: „Auf jeden Fall. Er wird jetzt wieder entspannter sein.“
Zufriedenheit bei den Grünen
Entspannt zurücklehnen kann sich nach einem engagierten Wahlkampf auch Martina Raschke, die mehr oder weniger aus dem Stand 18,02 Prozent holte. Die Grünen haben sich zum zweiten Mal in Geretsried an einem Bürgermeister-Wahlkampf beteiligt. Gegen einen amtierenden Rathauschef und gegen zwei weitere Mitbewerber habe sie sich sehr gut geschlagen, findet Raschke. Die Spitzenkandidatin der Grünen-Liste hofft nun auf mehr als die bisherigen drei Stadtratssitze und eventuell auf einen Posten als stellvertretende Bürgermeisterin. Auch die Grünen stoßen nur im engen Kreis im „Akropolis“ in Gelting auf ihren Erfolg an. Der Ortsvorsitzende Michael Kling lobt den „fairen Wahlkampf“ und das „tolle Team“, das ihn geführt habe.
Mehr als die 11,83 Prozent hätte sich der Herausforderer von der SPD, Wolfgang Werner, erwartet. „Leider haben wir es zu dritt nicht vermocht, auch nur in die Nähe einer Stichwahl zu kommen“, kommentiert er Müllers Durchmarsch. Dennoch gratulierte er ihm kurz nach Bekanntwerden des Endergebnisses per Handy vom „Da Daniele“ aus, wo die Genossen sich getroffen haben. Müller habe „keine großartigen Fehler“ gemacht, muss Werner zugeben. Wie der wiedergewählte Bürgermeister blickt der Familienvater sorgenvoll auf die nächsten Wochen und Monate: „Wir müssen jetzt alle solidarisch zusammenhalten, um das Coronavirus einzudämmen“.
FDP-Kandiat hat viel gelernt
Für Larry Terwey schließlich sind die erreichten knapp 8 Prozent „okay“, wie er am Telefon sagt. „Unsere Strategie war es, Fraktionsstärke im Stadtrat zu erreichen und die wird hoffentlich aufgehen“, so der FDP-Kandidat. Er habe während des Wahlkampfs „super Gespräche“ geführt und „viel über Geretsried gelernt“.
170 Helfer waren am Wahlsonntag in Geretsried im Einsatz. Einige hätten wegen Krankheit oder auch aus Sorge vor Corona abgesagt, berichtete Stephanie Dickel vom Fachbereich Bürgerservice im Rathaus am Nachmittag. Doch man habe zum Glück auf einen Pool aus 20 Ersatzleuten zurückgreifen können. Die Briefwahlbeteiligung war wie berichtet diesmal höher als sonst. In den Wahllokalen gingen die Bürger entspannt mit der Situation um. „Manche brachten ihre eigenen Stifte mit. Die meisten nutzten das bereitgestellte Desinfektionsmittel, nachdem sie aus der Kabine kamen“, sagt Dickel. Auch sie bedauert, dass hinter verschlossenen Türen ausgezählt werden musste: „Aber uns ging die Sicherheit in diesem Fall eindeutig vor.“
Tanja Lühr
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