VonChristina Jachert-Maierschließen
Auch ein Gespräch mit FW-Parteichef Hubert Aiwanger half nicht: FW und FWG marschieren im Landkreis Miesbach getrennt. Heißt: Zwei Freie-Wähler-Listen - und wohl auch zwei Landratskandidaten.
Landkreis –Auch ein Schlichtungsversuch von Hubert Aiwanger persönlich half nicht: Die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) im Landkreis hat sich vor der Kommunalwahl 2020 sehr klar von Aiwangers Partei Freie Wähler (FW) abgesetzt. Als Folge gibt es nicht nur zwei Freie-Wähler-Listen, sondern wohl auch zwei Kandidaten für das Amt des Landrats.
Dass die bunte Gemeinschaft FWG losgelöst von der im Landtag vertretenen Partei FW marschieren will, hatten die FWG-Mitglieder schon bei ihrer Hauptversammlung im September beschlossen (wir berichteten). Bis dahin war es der Wunsch beider Gruppierungen gewesen, wie bei der Kommunalwahl 2014 eine gemeinsame Kreistagsliste zu bilden. Doch nach etlichen Querelen kam es zum Bruch, der sich bei der FWG-Hauptversammlung in einem Beschluss manifestierte. Die – im Landkreis politisch stärkere – FWG wollte sich die Regie nicht aus der Hand nehmen lassen. Der Preis dafür: Während der FW die Liste 3 zusteht, muss die FWG im Landkreis mit Liste 7 vorliebnehmen.
Kommunalwahl 2020 Miesbach: Letzter Schlichtungsversuch zwischen FWG und FW gescheitert
Gespräche gab’s jedoch auch nach der FWG-Hauptversammlung im Agatharieder Staudenhäusl. „Wir haben die Türen auch fünf nach zwölf noch einmal weit geöffnet“, sagt die Waakirchnerin Gisela Hölscher, Vorsitzende der FW im Landkreis. Parteichef Hubert Aiwanger und FW-Fraktionschef Florian Streibl persönlich luden gemeinsam mit Hölscher die Vertreter der FWG im Landkreis zu einem Gespräch nach Weilheim ein.
„Aber bei dem Treffen wurde klar, dass es unheimlich schwierig wird, eine gemeinsame Liste zu bilden“, erklärt Norbert Kerkel, Sprecher der FWG im Landkreis. Zudem sei es schlicht zu spät gewesen, das Blatt noch einmal zu wenden. Kerkel erteilte der FW per E-Mail eine Absage. „Wir nehmen die Liste 7“, erklärt Kerkel.
Die FWG nominiert ihre Kandidaten für den Kreistag am Mittwoch, 27. November, im Agatharieder Staudenhäusl. Dort will die Gruppierung auch ihren Landratskandidaten küren. Wer es sein wird, ist laut Kerkel weiterhin offen. Man warte auf die Entscheidung von Warngaus Bürgermeister Klaus Thurnhuber, der sich nach einem Stierangriff derzeit in Reha in Murnau befindet. „Er hat sich noch Bedenkzeit erbeten“, erklärt Kerkel. Thurnhuber befinde sich auf dem Weg der Besserung. Unterdessen brodelt die Gerüchteküche. Wer tritt für die FWG an, wenn Thurnhuber abwinkt? Kerkel, zuvor selbst als möglicher Landratskandidat gehandelt, wurde inzwischen als Waakirchner Bürgermeisterkandidat nominiert. Als möglicher Anwärter im Gespräch ist auch der Valleyer Bürgermeister Andreas Hallmannsecker. In Valley steht die Kür des Bürgermeisterkandidaten noch aus.
Kommunalwahl 2020 Miesbach: Nach der FWG will die FW Landratskandidaten nominieren
Auch die Landkreis-FW hat jetzt einen Termin für ihre Nominierungsversammlung gesetzt: Sie findet Hölscher zufolge am Mittwoch 18. Dezember, statt. Auf die Auseinandersetzung mit der FWG will Hölscher nicht mehr eingehen. „Ich will, dass Frieden einkehrt“, sagt sie. Aktuell fänden viele Vorgespräche für die Kreistagsliste statt. „Wir werden auch einen Landratskandidaten aufstellen“, meint Hölscher. Zur Frage, ob sie selbst eine Kandidatur anstrebt, äußert sich Hölscher nicht. „Wir wollen uns jetzt ganz der Sacharbeit zuwenden.“
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