VonAndreas Beschornerschließen
Die Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatts mit den sechs Neufahrner Bürgermeisterkandidaten bot zweieinhalb Stunden Hochspannung. Jetzt haben die Bürger die Qual der Wahl.
Neufahrn – Sechs Männer wollen Bürgermeister in Neufahrn sein. Sechs „gut aussehende Männer“, wie Redaktionsleiter Helmut Hobmaier bei der Podiumsdiskussion des Freisinger Tagblatts sagte. Auf dem Podium in der Aula des OMG hatte das Sextett am Donnerstag Platz genommen, um sich rund 600 Zuhörern zu präsentieren. Zweieinhalb Stunden lang wurde den Kandidaten auf den Zahn gefühlt. Am Ende wartete die ultimative Herausforderung auf sie.
Zwei Minuten – Redakteur Bastian Amann achtete mit Stoppuhr und Klingel auf die Einhaltung der Zeitvorgabe – hatten die Kandidaten zunächst Zeit, sich vorzustellen: Franz Bergauer (ÖDP), der Mann mit dem „sozialen Gewissen“; Marc Bosch (Bosch als Bürgermeister), der sich in seinem bisherigen Leben „verdammt nochmal alles selbst erarbeitet“ habe; Amtsinhaber Franz Heilmeier (Grüne), der in den sechs Jahren seiner Amtszeit schon „sehr viel vorangebracht“ habe; Maximilian Heumann (SPD), der zuhören, mit den Menschen sprechen und sie ernst nehmen könne; Ozan Iyibas (CSU), der wisse, wie man mit Finanzen umgeht und eine Verwaltung effektiv gestaltet; und Norbert Manhart (FW), der gemeinsam mit den Bürgern „die Goldenen 20er-Jahre für Neufahrn“ einleiten will.
Podiumsdiskussion in Neufahrn: Brennpunkt Ortsteile
Erster Fragenkomplex: ÖPNV und Ortsteile. Man habe in Sachen Busverbindungen schon einiges auf den Weg gebracht, so Bergauer, an den die erste Frage des Abends gerichtet war. Dass man noch mehr auf den Weg bringen könne, da war auch Heilmeier optimistisch, schließlich habe sich die Einstellung des Landkreises, auch kleinere Ortschaften anzubinden, geändert. Dass das auch passiert, dazu brauche man in der Verwaltung „zusätzliche Wadlbeißer“, so Bosch. Dass sich die nördlichen Ortsteile teilweise nicht beachtet fühlten, war die Analyse des Fürholzeners Heumann. Sein Rezept: „Nicht mal hier was, mal da was“, sondern ein Ortsteilentwicklungskonzept müsse her. Dass die CSU die Linie 692 initiiert habe, wie Iyibas gesagt hatte, wies Heilmeier später zurück: „Etwas mehr Bescheidenheit“ würde der CSU und Iyibas gut anstehen. Manhart will die Vereine fördern, damit die in die Wirtshäuser gehen, die dann wiederum überleben könnten und für die Ortsteile so wichtig seien. Und Bosch sagte, er wolle jedem Dorf seinen Charme lassen, „kein Neufahrn zwei“ oder „Neu-Neufahrn“ haben.
Kommunalwahl Bayern 2020: Der Wirtschaftskurs
Nächstes Thema: Wirtschaft und Gewerbe. Iyibas war sich sicher: „Neufahrn kann mehr.“ Um mehr Gewerbesteuereinnahmen zu generieren, würde er einen Wirtschafts- und Zukunftskongress einrichten. Manhart würde den ständigen Kontakt zum bestehenden Gewerbe halten. Er habe „viele Ideen“, wie man sich bei den Einnahmen aus der Gewerbesteuer dem reichen Nachbarn Hallbergmoos annähern könne. Heilmeier verwies auf die gelungene Nachnutzung des Avon- und Müller Brot-Geländes und darauf, dass seit 2015 die Gewerbesteuereinnahmen von 5,5 auf jetzt sieben bis zehn Millionen Euro angestiegen seien. Für Bosch wäre die erste Maßnahme Werbung. Für Neuansiedlungen wichtig wäre Flächenbevorratung, so Heumanns Credo. Dann müsse man, wenn ein Investor anklopfe, nicht erst „tapsen“.
Kommunalwahl in
Neufahrn: Bezahlbares Wohnen bei der Podiumsdiskussion
Beim Thema Wohnen – also bezahlbares Wohnen – waren sich alle sechs Kandidaten einig: Da müsse etwas geschehen. Das war es dann aber schon mit der Einigkeit. Während Heumann 200 neue Wohnungen in den kommenden sechs Jahren als Ziel auslobte und darauf setzte, dass die Gemeinde Grundstücke nur noch in Erbpacht vergeben solle, erschient Heilmeier dieses Ziel zu hoch. Ihm schwebten genossenschaftliches Wohnen im Hauptort und Einheimischenmodelle für die Ortschaften vor. Einen anderen Ansatz würde Iyibas verfolgen: Beim Baugebiet Neufahrn-Ost „endlich in die Puschen zu kommen“, das müsse nach 20 Jahren Planung Chefsache werden. Dort könne die Gemeinde dann sozialen Wohnungsbau realisieren, etwas für die Senioren tun, ein Mehrgenerationenhaus errichten und vielleicht auch eine neue Bleibe für das Jugendzentrum finden. Und Bosch? Man könne 500 oder 2000 Wohnungen bauen, den Siedlungsdruck aus München „bringen wir nicht weg“. Er würde den Bau von 100 Wohnungen für realistisch halten, bei deren Errichtung aber auf die Kosten achten. Manhart wäre dafür, dass die gemeinde in Neufahrn Ost die Häuser und Wohnungen selbst errichtet und dann „zu einem normalen Preis“ verkauft.
Während Bosch eine „Eventhalle“ im Freizeitpark befürwortete und ein Bürgerhaus am Fürholzer Weg, plädierten Heumann, Iyibas und Heilmeier dafür, die neue Alte Halle dort zu errichten, wo sie stand – in der Mitte und damit fußläufig erreichbar.
Klimapolitik
Politische Scharmützel blieben auf dem Podium meist aus. Nur einmal kam es zum Disput: Als Iyibas sagte, er habe gegen den SPD-Antrag eines Klimavorbehalts gestimmt, weil er gegen jegliche „ideologische Aufbauschung“ sei, reagierte Heumann: Wer also Klimapolitik in der Gemeinde wolle, der müsse die SPD wählen, denn auch die Grünen hätten den Antrag abgelehnt. Da schaltete sich Heilmeier ein: Er habe den SPD-Antrag abgelehnt, weil er tatsächlich einige Punkte enthalten habe, die nicht umsetzbar gewesen wären. Dass dann der Antrag der Grünen auf Erstellung eines Klimaschutzkonzepts mit 9:13 abgelehnt worden sei, habe er aber „sehr bedauert“.
Dann waren die Bürger dran: Wie es denn mit der Verlängerung der U6 bis Neufahrn aussehe? Die Antworten: „Elementar für die Zukunft“, so Iyibas, in den nächsten zehn Jahren aber wohl nicht realisierbar, so Heilmeier, und bitte erst schauen, welche Eingriffe in die Umwelt das bedeute, so Heumann. Und dass man dabei sei, das Parkplatzproblem in den Wohnsiedlungen zu lösen, versicherte Heilmeier.
Am Ende stand dann die sicherlich nicht entscheidende, aber Gelächter im Publikum hervorrufende Frage: Wie viele Kanaldeckel gibt es auf der Grünecker Straße zwischen Albert-Schweitzer- und Christl-Cranz-Straße? Die Lösung: 121. Am weitesten entfernt von der richtigen Antwort war Bosch (250), am dichtesten dran war Heumann: 83.
Zu Beginn hatte Manhart einen Sieg davongetragen, als er mit 55 Sekunden am wenigsten Zeit für seine Vorstellung benötigte. Der wahre Sieger steht aber erst am 15. beziehungsweise am 29. März fest.
Den Ticker zur Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Neufahrn finden Sie hier - und stimmen Sie ab, wer sich am besten geschlagen hat.
Kommunalwahl 2020 im Landkreis Freising
Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Freising haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zur Landratswahl die dazu antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden Sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Freising.
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