VonClara Wildenrathschließen
Die Dietramszeller Bürgermeisterkandidaten standen bei der Podiumsdiskussion der Heimatzeitung im Gasthof Peiß Rede und Antwort. Der Saal war brechend voll.
Dietramszell – Die „Lust auf Bürgermeisterwahlen“, wie es Moderator Carl-Christian Eick formulierte, ist groß in Dietramszell. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Podiumsdiskussion war der Festsaal im Gasthof Peiß brechend voll. Rund 80 Besucher musste die Feuerwehr am Eingang mit Hinweis auf den Brandschutz abweisen. Und das, obwohl der Wirt beim Landratsamt extra eine Ausnahmegenehmigung für diesen Abend erwirkt hatte, um die Kapazität des Saals bestmöglich auszunutzen.
Wer gehofft hatte, dass sich die drei Bürgermeisterkandidaten auf der Bühne einen heftigen verbalen Schlagabtausch liefern würden, wurde enttäuscht. In vielen Themenbereichen präsentierten Ludwig Gröbmaier (33 Jahre alt, CSU), Josef Hauser (53, Freie Wählergemeinschaft Dietramszell) und Fabian von Xylander (59, Grüne, SPD und Parteifreie) überraschende Übereinstimmung.
Dezidierte Standpunkte
Unterschiede zeigten sich allerdings im Detail. Moderator Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, schaffte es, den drei Aspiranten dezidierte Standpunkte zu entlocken. Beispiel „Wohnen und Leben“: Alle drei Kandidaten halten eine maßvolle Nachverdichtung der Ortsteile für notwendig, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Einigkeit herrschte auch darüber, dass dieses Wachstum maßvoll, organisch und ortsverträglich gestaltet werden müsse.
Die in den vergangenen Jahren auf den Weg gebrachten Projekte nach dem Einheimischenmodell (bei dem die Gemeinde bei Neuausweisungen von Baugrund 50 Prozent der Fläche erhält und günstig an lokale Bauwerber verkaufen kann) fanden einmütiges Lob. „Für viele ist ein Hausbau aber trotzdem zu teuer“, betonte von Xylander und forderte alternative Konzepte wie Erbpacht, Mietkauf oder genossenschaftliche Lösungen für den Bau von Mietwohnungen. Gröbmaier plädierte für mehr Geschosswohnungsbau.
Beim Thema Dachausbau gingen die Meinungen allerdings auseinander. Hauser sprach sich generell gegen die Aufstockung vorhandener Gebäude aus: „Ich möchte keine Hochhäuser in der Gemeinde“, erklärte er. „Ortsverträglicher und günstiger kann man keine Nachverdichtung schaffen“, argumentierte dagegen Gröbmaier und wies darauf hin, dass der Einbau von Quergiebeln in der geplanten neuen Ortsgestaltungssatzung ohnehin vorgesehen sei. „Alles, was baurechtlich geht, sollte man machen“, meinte von Xylander. Dennoch lasse sich durch den Dachgeschossausbau nur ein kleiner Teil des drängenden Wohnraumproblems lösen.
Rege Diskussion beim Thema „Klimaschutz und Energiewende“.
Während sich Hauser eine Freiland-Solaranlage zur Energiegewinnung nach dem Vorbild der Gemeinde Icking zunächst „beim besten Willen nicht vorstellen“ konnte, hielt Gröbmaier dies für eine „überlegenswerte Maßnahme – auch als „Zuerwerbsmöglichkeit, um bäuerliche Betriebe zu erhalten“. Von Xylander befürwortete Photovoltaik auf Wiesenflächen: „Sieht zwar nicht schön aus, richtet aber keinen Schaden an und fällt weniger auf als Windradl.“ – „eine schlüssige Argumentation“, musste Hauser zugeben.
Der derzeitige Dritte Bürgermeister aus Ascholding will sich für mehr Ladesäulen für Elektroautos und den Bau einer Wasserstofftankstelle im Landkreis einsetzen. Von Xylander würde lieber beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs „in die Offensive gehen“. Das Angebot müsse so gut sein, dass das Zweit- oder Drittauto in den meisten Haushalten überflüssig werde. Gröbmaier war der Meinung, man solle „erst den konkreten Bedarf in den verschiedenen Ortsteilen ermitteln und dann mit einem Konzept an den Landkreis herantreten“.
Zum Klimaschutz gehöre es auch, betonte der CSU-Kandidat, Arbeitsplätze in Dietramszell zu erhalten, „damit nicht alle nach München fahren müssen“. Die Gemeinde müsse deshalb passende Gewerbeflächen für einheimische Betriebe zur Verfügung stellen. Dies befürwortete Gröbmaiers Mitbewerber von Xylander.
Er regte an, aufgelassene landwirtschaftliche Gebäude nicht nur in Wohnraum umzuwandeln, sondern zumindest zum Teil auch gewerblich weiterzunutzen.
Einigkeit herrschte unter den drei Kandidaten darüber, dass ein flächendeckendes Mobilfunk- und Breitbandnetz zur Existenzgrundlage für Gewerbetreibende unverzichtbar sei.
Die Fragen aus der Bürgerschaft
Erno Vroonen, Vorsitzender des Kulturvereins Dietramszell, wollte wissen, inwieweit sich die Kandidaten eine Zwischennutzung des Ascholdinger Hallenbads für kulturelle Veranstaltungen vorstellen könnten. „Ein wunderbarer Plan, warum nicht?“, antwortete CSU-Bürgermeisterkandidat Ludwig Gröbmaier. Einschränkend fügte er hinzu, dass die Bausubstanz dafür aber wahrscheinlich nicht geeignet sei. Sein Vorschlag: Die Gemeinde solle das Bad zu einem symbolischen Preis von einem Euro an die Wasserwacht verkaufen, damit sie es weiter als Übungsstätte nutzen könne. Josef Hauser (Freie Wählergemeinschaft Dietramszell) gab zu bedenken, dass die Gebäudetechnik für den Sportverein weiterhin nutzbar sein müsse. Einig waren sich alle drei Kandidaten, dass der Badebetrieb in Ascholding nach der Eröffnung des interkommunalen Hallenbads in Geretsried eingestellt wird.
„Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinde vor?“, fragte Dekan Thomas Neuberger und spielte damit auf die geplanten Dorferneuerungsmaßnahmen an – insbesondere im Bereich des Kirchenvorplatzes. Hauser, der sich im Gemeinderat als Gegner des öffentlich geförderten Projekts positioniert hatte, betonte: „Tür und Tor zur Zusammenarbeit stehen ganz weit auf.“ Er plädierte für eine maß- und zielvolle Renovierung und erteilte einer „Betonwiese ums Kloster“ eine Absage. Er habe aber kein Verständnis für das große Paket an Maßnahmen im Bereich des Gehwegs, der Schule und des Waldparkplatzes, „nur weil es dafür eine Förderung gibt“.
Kommunikationsprobleme befürchtete Andreas Hölzl aus Steingau, wenn Fabian von Xylander Bürgermeister werden sollte. Der Grund: Von Xylander, der für SPD, Grüne und Parteifreie ins Rennen geht, lebt seit zwölf Jahren in Berlin, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen SPD-Bundestagsabgeordneten arbeitet. „Für Bürgermeister besteht Residenzpflicht“, beruhigte er den Zweifler. „Wenn ich gewählt werde, hat sich Berlin für mich erledigt.“
cw
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