Kommunalwahl 2026 in Bayern

„Bestätigung meiner Arbeit“ – Landsberieder setzen weiter auf ihre Bürgermeisterin

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Gräben haben sich im Wahlkampf in Landsberied aufgetan. Der Streit um finanzielle Abschöpfungsmöglichkeiten der Kommune beim geplanten Seniorenheim war der Auslöser.
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Klares Votum der Landsberieder: Die Amtsinhaberin Andrea Schweitzer (FW Einigkeit) setzte sich klar gegen Johannes Bals (CSU) durch.

„Sehr erleichtert. Dass es so deutlich wird, damit habe ich nicht gerechnet“, sagte die alte und neue Landsberieder Bürgermeisterin Andrea Schweitzer (FW Einigkeit) wenige Minuten nach der Verkündung des Wahlergebnisses. Mit 72,4 Prozent der Stimmen behielt sie die Oberhand gegen Herausforderer Johannes Bals (CSU/Wählerdorfgemeinschaft), der auf 27,6 Prozent kam.

Die Auszählung verfolgte Schweitzer, die als Kandidatin nicht selbst mithelfen durfte, mit Spannung. „Der eine Stapel ist gewachsen, der andere nicht so sehr.“ Welcher davon am Ende zu ihr gehörte, wurde ihr jedoch erst spät klar. Als es feststand, fiel der 56-Jährigen ein Stein vom Herzen – die Freude war riesig. „Ich sehe das Ergebnis als Bestätigung meiner Arbeit.“ Damit gelang Schweitzer beinahe eine Kopie der Wahlergebnisse von 2020 und 2014: Auch damals wurde sie jeweils mit über 70 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt – beide Male gegen Johann Märkl (Grüne). Dass sie nun auch den als Bauunternehmer gut vernetzten und von der CSU gestützten Bals so deutlich schlagen würde, überraschte dann doch.

Bals reagierte gelassen auf das Ergebnis. „Als Herausforderer hat man wenig zu verlieren. Die Enttäuschung hält sich in Grenzen.“ Eine eindeutige Erklärung für den Wahlausgang hat der 42-Jährige nicht. Gegen einen Amtsinhaber sei es immer schwierig. Und das komplexe Streitthema Abschöpfung beim Seniorenheim, das wenige Wochen vor der Wahl sogar zu gegenseitigen juristischen Schritten zwischen den beiden Bürgermeisterkandidaten geführt hatte, könnte Wähler eher verwirrt haben, mutmaßt Bals.

Den Kopf will der Bauunternehmer trotzdem nicht in den Sand stecken. „Mit 42 Jahren hat man noch Zeit, es in sechs Jahren vielleicht noch einmal zu versuchen.“ Ob er bis dahin als Zweiter Bürgermeister Andrea Schweitzer unterstützen möchte? „Das steht noch alles in den Sternen.“ Jetzt müsse man erst einmal sehen, wie sich der Gemeinderat zusammensetzt. „Der Rest klärt sich dann in den nächsten Wochen.“

Zumal der Streit um die Abschöpfung beim Seniorenheim weiter schwelt. Ausgeräumt sei er noch nicht, erklärte Andrea Schweitzer. Sie ist aber zuversichtlich, dass das in den nächsten Wochen gelingt und die Gräben, die sich im Wahlkampf aufgetan haben, wieder zugeschüttet werden. Zunächst schaue man aber, wie sich der Gemeinderat zusammensetzt. „Dann müssen, können und sollen wir wieder zusammenarbeiten“, betonte Schweitzer. Und dann mit neuer Motivation in die neue Amtsperiode starten – das Ergebnis gibt ihr dafür Rückenwind.

Kommentar von Tagblatt-Redakteur Thomas Benedikt

Einen solchen Wahlkampf habe es in Landsberied noch nicht gegeben. „Für die Dorfgemeinschaft ist das sehr schwierig“, meinte Andrea Schweitzer (FW Einigkeit) im Zuge der sogar juristischen Auseinandersetzung mit ihrem Gegenkandidaten Johannes Bals (CSU/Wählerdorfgemeinschaft) nur wenige Wochen vor der Wahl. Nun ist die Entscheidung gefallen. Schweitzer bleibt Landsberieds Bürgermeisterin – und steht jetzt vor einer großen Aufgabe: Die Risse im Dorf, die sich während des Wahlkampfes aufgetan haben, müssen wieder gekittet werden. Zumal sie sich sonst auch auf die Arbeit des Gemeinderats auswirken könnten. Denn dort werden Schweitzer und Bals auch in Zukunft tragende Rollen haben, vielleicht sogar als 1. und 2. Bürgermeister zusammenarbeiten. Das setzt gegenseitiges Vertrauen voraus. Das nach den Streitigkeiten wieder aufzubauen, wird Arbeit benötigen – von beiden Seiten.

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