Die Kunstwerke des Hans Fischhaber

Konditor baut die Kalvarienbergkirche von Bad Tölz aus Zuckerguss nach

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1,30 Meter hoch ist die von Hans Fischhaber geschaffene detailgetreue Nachbildung der Tölzer Kalvarienbergkirche aus Kuchenteig, Styrodur und Zuckermasse. Sogar die Uhr funktioniert.

Der Konditormeister Hans Fischhaber im Tölzer Café Schuler macht in seiner Freizeit wahre Kunstwerke aus Kuchenteig und Zuckermasse. Die Kraetionen lassen staunen.

Bad Tölz – Wenn in diesen Tagen jemand im Tölzer Café Schuler nach der Uhrzeit fragt, deutet die Chefin Doris Schuler bloß auf die Schaufensterauslage und grinst: „Da steht’s, auf der Kirchturmuhr.“

Kirchturmuhr? Im Schaufenster eines Cafés? Es ist tatsächlich so. Seit ein paar Tagen zieht dort ein 1,30 Meter großes Modell der Tölzer Kalvarienbergkirche die Blicke der Spaziergänger in der Marktstraße auf sich. Die Kirche ist bis aufs Detail genau aus Kuchenteig und Zuckermasse nachgebaut von Konditormeister Hans Fischhaber. Auch die Farben stimmen. Und zur Originaltreue gehörte für ihn – „natürlich!“ – auch die funktionierende Uhr zwischen den beiden markanten Türmen des Tölzer Wahrzeichens. Der Lenggrieser hat aber nicht nur dieses eine Kuchen-Kunstwerk geschaffen.

Was schenkt man einem Vater, der Imker ist? Richtig, eine etwa 50 Zentimeter große Riesenbiene aus Kuchenteig und Zuckermasse, die sich gerade an einer aus Oblaten geformten Blüte gütlich tut.

Eigentlich hätte der 31-Jährige ja mal in die Schreinerei seines Vaters Hans Fischhaber aus Lenggries einsteigen sollen. „Das Schreinern war nix für mich“, erzählt er, „ich wollte irgendwas mit Lebensmitteln machen.“ Der Vater habe die Entscheidung akzeptiert. Dafür ist nun – nette Wendung der Geschichte –Schwester Regina an seiner Stelle Schreinerin im heimischen Betrieb geworden. Hans Fischhaber aber hatte sich aufs Konditorenhandwerk verlegt und seit 2003 bei Erwin Schuler in Tölz gelernt. „Er war der letzte Lehrling meines Vaters“, sagt Chefin Doris Schuler stolz.

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Der „Kuchenkünstler“ erinnert sich gerne an seinen Lehrer. „Die Liebe zu den Zutaten, die Leidenschaft zum Handwerklichen, das habe ich alles von ihm gelernt.“

Was man alles aus Kuchenteig und Fondant, also Zuckermasse, zaubern kann, das hat Fischhaber Schritt für Schritt entdeckt. Zuerst waren es Torten für die Freunde, die der Konditor originell gestaltete. Dann wurden daraus immer mehr kleine Kunstwerke.

Der Uhu, die Tasse, der Wecker und zwei Bücher: Alles essbar.

Der 31-Jährige blättert in der Fotogalerie seines Smartphones: Neben einer schnittigen Messerschmitt-Maschine mit Redbull-Schriftzug aus Zuckerguss fällt ein kleiner Uhu auf. Die Federn sind aus Oblaten geschnitten und mit Lebensmittelfarben besprüht. Daneben ein Wecker, eine Kaffeetasse und ein Duden. Alles essbar. „Ein Geschenk für eine Freundin, die Lehrerin ist“, erklärt Fischhaber. Das nächste Bild zeigt eine Wurlitzer-Musikbox. Auch das war ein Präsent für einen Freund. Der Clou daran: Die Nachbildung war genauso elektrisch beleuchtet wie das legendäre Vorbild.

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Ganz so weit fällt der Apfel dann doch nicht vom Stamm. Alle zwei Jahre, so erzählt Fischhaber, baut er für seine Eltern eine neue Krippe. Ganz traditionell wie alle Krippenbauer. Für den Papa schwenkte er zum 60. Geburtstag wieder um zum Konditoren-Handwerk. Der Imker erhielt eine 50 Zentimeter große Riesenbiene, die über einer (Oblaten)-Blüte schwebt.

Ein Wurlitzer aus Kuchenteig. Der Gag war die elektrische Beleuchtung.

Und nun also die Tölzer Kalvarienbergkirche. Der Trachtenverband Bayern war an Fischhaber herangetreten und hatte um eine besondere Torte für die Jahrestagung Ende September in Tölz gebeten. Der 31-Jährige hat die Aufgabe eher frei aufgefasst und was Besonderes für die Trachtler schaffen wollen. Das ist ihm geglückt. Während die meisten seiner Kunstwerke doch gegessen werden, ist dieses auf Dauer ausgelegt. Das heißt, dass zum Beispiel der Boden und die Turmhelme aus Stryrodur modelliert sind. Für Stabilität sorgen zudem Gewindestangen. Der Rest aber ist in bewährter Weise aus Kuchenteig geformt und mit Fondant überzogen. Selbst die Marmorierung der Wandflächen hat Fischhaber exakt übernommen. Da es keine Maße mehr für die Kirche gibt, ist er x-mal hinaufgegangen und hat das Original studiert, bevor er an den rund 40 Kilo schweren Nachbau ging. So wie sie dasteht, kann sie viele Jahre alt werden.

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Meist sei ein ungläubiges „Ja, du spinnst ja..“, die erste Reaktion seiner „Kunden“ auf seine Arbeit, sagt Fischhaber amüsiert. Auch seine Chefin Doris Schuler staunte Bauklötze, als sie das Gotteshaus zum Anknabbern erstmals in der Backstube sah. Die Kirche gehört jetzt dem Trachtenverband, aber an Leonhardi, sagt Schuler, „muss die unbedingt wieder nach Tölz zurückkehren und bei uns ausgestellt werden.“ Fischhaber nickt.

Für die kommenden 16 Tage hat der Lenggrieser aber erst einmal ganz anderes im Kopf: Bier, Hendl und Schweinshaxn nämlich. Er arbeitet seit vier Jahren während der Wiesn im Hacker-Festzelt. „Das ist für mich ein super Ausgleich“, erzählt er. Drei Tage Italien runden am Schluss diesen ganz speziellen Urlaub ab. Danach darf wieder in Kuchenteig und Zuckerguss geträumt werden. „Neuschwanstein“, sagt er, und die Augen leuchten, „das wäre irgendwann nochmals was für mich.“

Von Christoph Schnitzer

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