Geretsrieder Kulturherbst

Konstantin Wecker: „Wer nur berühmt werden will, soll zu Dieter Bohlen gehen“

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Stammgast beim Geretsrieder Kulturherbst: Konstantin Wecker
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Mit „Genug ist nicht genug“, „Willy“ und  „Es ist an der Zeit“ schrieb Konstantin Wecker schon Anfang der 1980er Jahre Musikgeschichte. Erstmals machte er 2012 beim Geretsrieder Kulturherbst mit. Am 7. Oktober gastiert der Münchner Liedermacher mit seinem Trio erneut im Kulturzelt. Wir sprachen mit ihm.

-Herr Wecker, Sie haben eine langjährige Verbindung zum Geretsrieder Kulturherbst, haben beispielsweise 2012 die Musik für das Theaterstück „Aufstand“ komponiert. Als das Festival 2016 aufgrund der Insolvenz des externen Veranstalters abgesagt werden musste, waren Sie sehr enttäuscht. Was ist Ihnen darüber hinaus in Erinnerung geblieben?

Das war damals wirklich schade. Aber ich habe den Kulturherbst trotzdem in sehr guter Erinnerung, weil ich die Jahre zuvor mit Günter Wagner wirklich gerne zusammengearbeitet habe. Wir haben ein paar sehr schöne Stücke zusammen gemacht, und ich war dann bei den Premieren eigentlich auch immer dabei.

- Sie sind als Liedermacher und Friedensaktivist gemeinsam mit vielen Kollegen auf die Bühne und auch auf die Barrikaden gegangen. Mit Joan Baez und Mercedes Sosa oder Reinhard Mey und Hannes Wader, um nur wenige zu nennen. Jetzt haben Sie im Juni aufgrund ihres politischen Engagements und Ihrer Zivilcourage die Thomas-Nast-Gastprofessur der Uni Koblenz verliehen bekommen. Welche Bedeutung hat dies nach all Ihren anderen Auszeichnungen und Preisen für Sie?

Darüber freue ich mich sogar außerordentlich. Die Studenten, die mich sonst vielleicht gar nicht kennen würden, beschäftigten sich jetzt über mehrere Semester hinweg mit meinen Liedtexten. Das ist wahnsinnig spannend. An der Uni Würzburg bin ich ja auch seit vielen Jahren als Professor für „Songwriting“ tätig. Da sage ich meinen Studenten: „Ihr müsst singen, weil Ihr ein Lied habt“ – wie es in einem meiner frühesten Lieder heißt. Wer nur berühmt werden will, der soll zu Dieter Bohlen gehen. Zivilcourage heißt ja vor allem, dass man für seine Überzeugung gerade steht. Auch wenn’s vielleicht manchmal unbequem ist. Das Wichtigste in der momentanen politischen Situation ist doch, die Demokratie zu verteidigen.

-Ist das der Grund für Ihr neues Album mit dem Titel „Sage Nein“, das im November erscheint?

Ganz genau. Der Untertitel ist „40 Jahre antifaschistische Lieder“. Mich hat einfach erschreckt, dass ich vor 30 Jahren schon Lieder gegen den rechten Mob geschrieben habe, die noch immer so in die Zeit passen. Sie haben nicht nur nicht an Aktualität eingebüßt, sie sind teilweise sogar aktueller denn je.

-In Geretsried spielen Sie mit Fany Kammerlander (Violoncello) und Jo Barnikel (Klavier). Auf was dürfen sich die Zuhörer freuen, und wie politisch wird’s so kurz vor der Landtagswahl?

Das Trio ist sehr kammermusikalisch und hat einen unglaublichen Wohlklang. Neben meinem wunderbaren Pianisten Jo Barnikel liebe ich insbesondere das Cello sehr. Es spielt in meinem musikalischen Leben schon lange Jahre eine wertvolle Rolle. Es wird ein durchaus poetisches Programm. Außerdem werde ich unter anderem einen kleinen Ausschnitt einspielen, als ich zuhause zusammen mit meinem Vater (Opernsänger Alexander Wecker, Anm. d. Red.) damals als Zwölfjähriger die „Traviata“ gesungen habe. Die scheußliche politische Situation werde ich aber natürlich nicht ausblenden. Sie können sich darauf verlassen, dass ich dazu Stellung beziehen werde. Aber wie, das werde ich hier noch nicht verraten.

Info

Das Konzert von Konstantin Wecker, Fany Kammerlander und Jo Barnikel findet am Sonntag, 7. Oktober, ab 20 Uhr im Theaterzelt an der Jahnstraße statt. Karten zum Preis von 38 Euro (ermäßigt 33 Euro) gibt es unter Telefon 0 81 71/23 95 68, direkt im Rathaus oder im Internet unter www.kulturherbst-geretsried.de und www.muenchenticket.de.

ina

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