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Die Grünen bleiben in München stärkste Kraft, die CSU holt gegenüber der Landtagswahl 2018 aber etwas auf. Die SPD verharrt tief im Keller, die FDP stürzt ab, die AfD gewinnt nur wenig.
München – In München ticken die Uhren politisch anders als im Rest Bayerns. Das war schon vor Schließung der Wahllokale klar. Und auch zeitlich dauerte es in der Landeshauptstadt etwas länger, ehe am Sonntagabend die ersten Ergebnisse aus den Wahlbezirken für die Landtagswahl 2023 in Bayern eintrudelten. Erst um 20.11 Uhr war es so weit.
Landtagswahl in München: Grüne und CSU liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen - SPD im Niemandsland
Schon da war zu sehen, dass sich Grüne und CSU ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern würden. Und die SPD weiter im Niemandsland versinkt, währen die AfD auch in München zulegen kann. Allerdings bei Weitem nicht so wie im Landesdurchschnitt. Ebenfalls entgegen dem Landestrend kann die CSU in München um gut drei Prozent zulegen – womöglich auch eine Ansage an die grün-rot geführte Stadtregierung. Die Freien Wähler spielen indes weiterhin mit etwa sieben Prozent eine untergeordnete Rolle. Sie können ihr Ergebnis gegenüber 2018 nur leicht verbessern. Die FDP bricht unterdessen gewaltig von 8,8 Prozent auf einen Stimmenanteil auf um die sechs Prozent ein.
Die Grünen können vier der fünf im Jahr 2018 gewonnenen Direktmandate verteidigen: Dies gelingt Ludwig Hartmann in München-Mitte, Katharina Schulze in Milbertshofen, Gülseren Demirel in Giesing und Christian Hierneis in Schwabing. Moosach kann Alexander Dietrich von der CSU, so wie es kurz vor Auszählung aller Stimmen aussieht, zurückerobern. 2018 hatte hier Benjamin Adjei (Grüne) gewonnen. Hadern (Georg Eisenreich), Bogenhausen (Robert Brannekämper), Pasing (Josef Schmid) und Ramersdorf (Markus Blume) gehen wie 2018 ebenfalls an die CSU.
Landtagswahl in München: Außer bei der AfD herrscht eigentlich bei keiner Partei ausgelassene Jubelstimmung
Außer bei der AfD herrscht gestern bei den Wahlpartys eigentlich bei keiner Partei ausgelassene Jubelstimmung. Die Freien Wähler im Augustinerkeller registrieren die Prognose um 18 Uhr mit einem kurzen, betretenen Schweigen. Da hatten sich wohl einige mehr erhofft. Bei der CSU im Löwenbräukeller wírd eher kräftig durchgeatmet als groß gejubelt. Was sich aber dann doch ändert, als die ersten Ergebnisse aus München eintrudeln.
+++ Landtagswahl live in unserem München-Ticker zum Nachlesen +++
Für Wissenschaftsminister Markus Blume steht fest: „Die CSU kommt in München, in den Städten deutlich zurück.“ Und Alexander Dietrich meint: „Bei den neuen Gegebenheiten, also mit zwei starken Kräften rechts von der CSU, haben wir ein solides Wahlergebnis gehalten. Die Flugblattaffäre hat der CSU, wie vermutet, nicht geschadet.“ Ludwig Spaenle, Direktkandidat in Schwabing, spricht von einem „starken Abend“ für die CSU,
Landtagswahl in München: Die Grünen verteidigen ihr Landtagsmandat in der Mitte deutlich
Die Grünen hatten sich im Muffatwerk versammelt, und es brandet kurz Jubel bei Bekanntwerden der Prognose auf, ehe es Buhrufe für das Ergebnis der AfD gibt. Ludwig Hartmann, der sein Direktmandat in München-Mitte klar verteidigen kann, sagt, trotz des Gegenwinds habe man ein grünes Fundament in Bayern gesetzt, „das wir uns nicht mehr nehmen lassen“.
Eisig ist die Stimmung unterdessen bei der SPD im Oberanger. Es sind betretene Mienen zu sehen, Landeschef Florian von Brunn, hat gar Tränen in den Augen. „Wir haben uns den Abend anders vorgestellt“, sagt er. Das Ergebnis sei nicht zufriedenstellend und die Partei mit ihren Themen wohl nicht durchgedrungen.
Landtagswahl in München: SPD-OB Dieter Reiter spricht von „Ergebnis, das noch schlechter ist als befürchtet“
Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter wird unterdessen am Wahlabend auf Nachfrage unserer Zeitung deutlich: „Das Ergebnis ist leider noch schlechter als befürchtet.“ Nach diesem Ergebnis könne nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden. Und Alt-OB Christian Ude (SPD) analysiert: Die SPD dürfe nicht ständig neuesten Modeerscheinungen nachlaufen und damit traditionelle Wählerschichten verprellen. Die Partei kommuniziere zu häufig mit moralisch erhobenem Zeigefinger und könne sich auch nicht um das Thema Migration herummogeln.
Alles andere als Partystimmung herrscht natürlich auch bei der FDP, wobei die Liberalen mit dieser Watschn rechneten, wie der Parlamentarier Wolfgang Heubisch, Direktkandidat in Schwabing, einräumt. Es seien diesmal auch negative bundespolitische Vorzeichen gewesen. Ihm bereite der Rechtsruck in Bayern Sorgen.
Landtagswahl in München: Wahlbeteiligung geht im Vergleich zur Wahl 2018 deutlich zurück
Die Wahlbeteiligung lag in München um die 66 Prozent und damit etwas niedriger als 2018 (72,5 Prozent). Erstmals wurden in München mehr Briefwahlbezirke eingerichtet (520) als Wahllokale. Bei der Beteiligung per Briefwahl gab es einen Rekord. Knapp 376 000 der 910 000 Stimmberechtigten machten ihr Kreuzchen zu Hause.
Die Stimmung beim Abstimmen in den Wahllokalen hätte am Sonntag unterschiedlicher kaum sein können. Während einige Münchner in manchen Wahllokalen problemlos zur Urne gehen konnten, mussten sich andere ewig in Geduld üben. Im Pfarrheim der Pfarrei St. Johann von Capistran in Bogenhausen beispielsweise sorgten lange Wartezeiten für Ärger. „Ich bin gut eine Stunde und 20 Minuten angestanden, andere sogar noch länger“, berichtet Wilhelm Kling.
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Rubriklistenbild: © Achim Frank Schmidt




