In ein paar Tagen rücken die Bagger an

Kramertunnel: Bald wird gegraben – für den Naturschutz

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Die Rohre für die Bewässerung der Hangmoorquellen liegen bereit.
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Alles ist ruhig. Man könnte meinen, am Kramertunnel geht nichts voran. Ein Irrtum. Im Hintergrund wird eifrig gearbeitet. Wer genau hinschaut, entdeckt schon erste Ergebnisse. In ein paar Tagen rücken auch Bagger an. Allerdings ein gutes Stück von der Tunnelbaustelle entfernt.

Garmisch-Partenkirchen – Alle Rohre liegen bereit. Für 2840 Meter Strecke. Diese Länge müssen sie bald überbrücken. Eine Nebenbaustelle für den künftigen Kramertunnel. Aber eine entscheidende. Eine symbolträchtige. Und eine teure.

Über diese Rohre werden künftig die Hangquellmoore künstlich bewässert. Das Ziel ist, zu verhindern, dass sie während der Arbeiten am eigentlichen Tunnel austrocknen – was ohne die Rohre und das Wasser aus dem Lahnewiesgraben geschehen würde. Denn für die Umfahrung des Ortsteils Garmisch wird der Grundwasserspiegel vorübergehend um etwa 50 Meter abgesenkt – und die Moore verlieren ihren wichtigsten Wasserlieferanten.

Massive Kritik von Seiten der Naturschützer

Für diese Tunnelbau- Variante hatte sich die Regierung von Oberbayern im neuen Planfeststellungsverfahren entschieden – nach vier Jahren Stillstand. 2013 stießen die Arbeiter 348 Meter vor dem Durchbruch auf eine lockere Geröll- und Sandschicht, Wasser trat ein. Weitermachen – unmöglich. Die Arbeiter rückten ab, die Planer wieder an. Aus drei Möglichkeiten wählten sie die günstigste und umstrittenste Option. Am 28. Juli 2017 genehmigte die Regierung den Weiterbau des Tunnels – samt Absenken des Grundwassers.

Nicht den Tunnel selbst, doch die Trassenführung und eben dieses Verfahren hatte der Bund Naturschutz stets massiv kritisiert. Drei Quellen fielen während der Arbeiten bereits trocken. Nach wie vor befürchten die Naturschützer: Weitere Hangquellen werden versiegen, die Moore austrocknen, der Schmölzersee wird verschwinden. Eben diese irreparablen Umweltschäden aber werden durch die Bewässerung verhindert, betonen die Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt Weilheim. 1,46 Millionen Euro kostet sie. „Da sieht man mal, wie viel wir für den Naturschutz ausgeben“, sagt Martin Maier, Projektleiter Tunnelbau. Den Seitenhieb kann er sich nicht verkneifen.

Bis die Arbeiten für den kompletten Kramertunnel vergeben sind, dauert es noch.

In diesen Tagen richtet die beauftragte Firma ihre Baustelle ein. An der Geschiebesperre des Lahnewiesgrabens etwa 1,4 Kilometer nach dem Pflegersee wird das Wasser entnommen, die Rohre verlaufen unterhalb der Forst- und der Pflegerseestraße bis zu den Hangquellen. Am 4. Juni beginnen die Grabarbeiten. Bis Oktober, schätzt der zuständige Bauleiter Andreas Wiedemann, sind alle Rohre verlegt und das Bewässerungssystem steht bereit.

Benötigt wird es wohl frühestens im Spätsommer 2019. Dafür rückt vermutlich kein Tunnelbauer an.

Bauamt bereitet Ausschreibung vor

Aktuell bereitet das Team im Staatlichen Bauamt die Ausschreibung für den Bau des rund 3,6 Kilometer langen Tunnels samt Fertigstellung des Rettungsstollens sowie der Anschlussstellen im Norden und Süden vor. Mehrere hundert Seiten wird allein das Leistungsverzeichnis am Ende umfassen, plus über 150 Seiten an Plänen. Im Herbst, plant Maier, wird die Ausschreibung veröffentlicht. Bis der Auftrag dann tatsächlich vergeben ist und die ersten Arbeiter ankommen, vergeht Maier zufolge danach noch mindestens ein knappes weiteres Jahr.

Bei einer anderen Baustelle rund um den Kramertunnel ist man bereits deutlich weiter: den beiden künftigen Brücken über die Loisach am Südportal. Das zuständige Team um Bauleiterin Julia Mair prüft derzeit die Angebote. Im September sollen die Arbeiten beginnen, zwei bis drei Jahre dauern sie. Bis dahin nutzen alle Baustellenfahrzeuge die Behelfsbrücke, die bereits für den Erkundungsstollen errichtet wurde. Kein Baustellenverkehr, versichert Maier, wird durch die Äußere Maximilianstraße und damit durch das Wohngebiet geleitet. Man halte sich an die Vorgaben.

Eine Summe für den Brückenbau nennt Julia Mair erst, sobald der Auftrag tatsächlich vergeben ist. Doch stellt das Team bereits fest: Die Kosten im Vergleich zu früher steigen.

„Der Bau hat in jeder Hinsicht Hochkonjunktur“, sagt Wiedemann. Das gilt für den privaten ebenso wie für den öffentlichen Bereich. In zweierlei Hinsicht bekommen dies die Mitarbeiter im Staatlichen Bauamt zu spüren: Zum einen erhalten sie auf Ausschreibungen im Tunnelbau deutlich weniger Angebote als noch vor gut einem Jahr. Zum anderen „ziehen eben die Preise deutlich an“. Zumindest beobachtet Maier dies massiv im Brücken- und Straßenbau. „Beim Tunnelbau kann ich es noch nicht genau sagen, das werden wir bald sehen.“

Doch muss man kein Prophet sein, um vorauszusagen: Die 189 Millionen Euro, mit denen das Gesamtprojekt Kramertunnel und Verlegung der B 23 aktuell veranschlagt ist, werden nicht reichen.

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