Gemeinsame Asylunterkunft geplant

„Am Kranzer“: 50 Mobilheime für 300 Flüchtlinge

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Unterkunft: 50 Mobilheime dieser Art sollen beim künftigen Gewerbegebiet „Am Kranzer“ aufgestellt werden. Die „Mobile Homes“ stehen derzeit noch an der Atlantikküste.

Reichersbeuern – Die Gemeinden Reichersbeuern, Greiling und Sachsenkam unterstützen die Unterbringung von Flüchtlingen am „Kranzer“ im Bereich des ehemaligen Schießplatzes an der B 13. Bis zu 300 Menschen sollen auf dem von der Bundesstraße etwas abgerückten Areal in Mobilheimen untergebracht werden.

Bei der ersten gemeinsamen Gemeinderatssitzung aller drei Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) in der Aula der Grundschule gab der Reichersbeurer Bürgermeister Ernst Dieckmann zunächst einen Sachstandsbericht ab. „Der Standort ist nicht ideal“, räumte das Gemeindeoberhaupt grundsätzlich ein. Dass man sich dennoch für eine Unterbringung abseits der Dörfer eingelassen habe, sei darin begründet, dass in allen drei Gemeinden nicht genügend freier Wohnraum zur Verfügung gestellt werden konnte und man Gefahr lief, neben der Sachsenkamer Turnhalle auch die Halle in Reichersbeuern mit Flüchtlingen belegen zu müssen.

Mobilheim: Platz für sechs Personen

Das Landratsamt habe die Idee aufgegriffen und die Planung für die Aufnahme von 150 Asylbewerbern auf 300 verdoppelt. Nach den neuesten Überlegungen sollen 50 Mobilheime aufgestellt werden. Diese böten mehr Privatsphäre und seien zudem um 800 000 Euro günstiger als eine Traglufthalle. Die gebrauchten, bis zu sechs Jahre alten Mobilheime sind vier mal acht Meter groß. Sie sind mit drei Schlafzimmern, einer Sanitärzelle und einem Küchen- und Wohnbereich ausgestattet und bieten Platz für sechs Personen. Neben den Mobilheimen ist ein 10 mal 40 Meter großes Zelt vorgesehen, in dem ein Kinderspielbereich, eine Nahversorgung, sowie möglicherweise ein Kiosk oder ein Café integriert werden. Waschmaschinen und Trockner stehen dort ebenfalls zur Verfügung. Das ehemalige Duschhaus könnte laut Dieckmann für den Aufenthalt des Wachpersonals genutzt werden.

Gelände steht kostenlos zur Verfügung

Das Gelände ist im Privatbesitz von Barbara Schoeler, die die Fläche für die Dauer von zwei Jahren kostenlos zur Verfügung stellt und damit einen Beitrag leisten will, den Flüchtlingen zu helfen, sagte Dieckmann. Die zeitliche Begrenzung sei im Sinne der Gemeinde, die dort bekanntlich ein interkommunales Gewerbegebiet errichten will. „Wir wollen uns in den zwei Jahren etwas Luft verschaffen, um uns in Ruhe überlegen zu können, wie viele Flüchtlinge die einzelnen Gemeinden aufnehmen können.“ Eine Integration sei am Kranzer nur bedingt möglich, räumte Dieckmann ein. Momentan geht es darum, den Leuten ein Dach über den Kopf zu geben und die Grundversorgung sicherzustellen.

Schulterschluss bei der Asylunterkunft: Die Bürgermeister Hans Schneil (Sachsenkam), Ernst Dieckmann (Reichersbeuern) und Anton Margreiter (Greiling).

Insgesamt werden für den zwei Jahre dauernden Betrieb Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro veranschlagt, die der Freistaat trägt. Die Summe würde sich entsprechend verringern, wenn weniger als die 50 geplanten Mobilheime am Markt angeboten werden, sagte Dieckmann. Der Landkreis habe den drei Gemeinden vertraglich zugesichert, dass die Unterbringung am Kranzer auf zwei Jahre begrenzt bleibe und die Turnhalle in Sachsenkam wieder geräumt werde, wenn die Anlage fertiggestellt ist.

In der anschließenden Diskussion kamen zunächst die Gemeinderäte zu Wort. Andreas Kastenmüller aus Greiling interessierten die planungsrechtlichen Vorgaben. „Die Aufstellung der Mobilheime wird als Einzelbauvorhaben abgewickelt, und ein befristetes Baurecht auf zwei Jahre erteilt“, sagte Dieckmann. Peter Strobel, ebenfalls aus Greiling, fragte nach der Inbetriebnahme der Anlage. Im Landramtsamt gehe man davon aus, dass die Anlage noch heuer bewohnbar ist, hieß es.

Kranzer zu weit außerhalb?

Im Mittelpunkt der Diskussion stand aber die Standortwahl. Vehement gegen den Standort Kranzer wandte sich Maria Fährmann aus Reichersbeuern. Es sei unmöglich zu glauben, „dass fernab des Dorfes eine Integration der Flüchtlinge möglich ist“. Außerdem hielt sie den Standort wegen der Nähe der Bundesstraße für äußerst gefährlich. Sie wies mit Nachdruck auf die Unfallgefahr für die Flüchtlinge auf der vielbefahrenen B 13 hin.

Andreas Kastenmüller favorisierte einen Bereich am Flugplatz. Dort gebe es eine Fläche, die wegen der Nähe zum Landratsamt und der Stadt Bad Tölz viel besser geeignet sei, wie der ortsferne Standort Kranzer. Außerdem plane die Stadt Bad Tölz ihrerseits in diesem Bereich Unterkünfte. Eine weitere Konzentration würde einen Brennpunkt schaffen.

Sascha Rings aus Greiling fehlte ein schlüssiges Konzept angesichts der hohen Kosten von 2,6 Millionen Euro. Er hatte Zweifel, wie es nach zwei Jahre weitergehen soll. „Wir wissen nicht, wie viele Flüchtlinge noch kommen“, warf Fritz Kropius in die Debatte ein. „Die Mobilheime sind ein guter Weg, um die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen.“ Die Integration müsse später erfolgen.

Weitere Helfer gesucht

„Wie stellt sich der Landkreis die Betreuung der Asylbewerber vor“, wollte Claudia Petzl aus Greiling von Wolfgang Krause vom Landratsamt wissen. Der musste zugeben, dass es diesbezüglich noch keine konkrete Planung gebe, aber Kollegen aus dem Landratsamt einspringen und gegebenenfalls Personal eingestellt werden soll. Bürgermeister Dieckmann wies auf die bereits bestehenden Helferkreise in Reichersbeuern und Sachsenkam hin. Sein Amtskollege Margreiter will in Kürze in Greiling einen Aufruf starten. Dies sei bisher nicht notwendig gewesen, weil ja nur eine Familie zu betreuen war, aber 14 Helfer bereitstanden.

Die Befürchtungen einer Zuhörerin, dass aus 300 Flüchtlingen durch Nachzug von Familienangehörigen schnell 3000 werden könnten, teilte Dieckmann nicht. „Für eine dauerhafte Integration werden es deutlich weniger als 300 sein.“ Kleinkinder sollen am Kranzer übrigens nicht untergebracht werden, wodurch der Druck auf die Kindertagesstätten genommen werde.

Im Anschluss wurden von den jeweiligen Bürgermeister die Gemeinderatssitzungen aufgerufen und getrennt über eine Einrichtung einer Asylbewerberunterkunft durch die VG abgestimmt. Die Sachsenkamer Gemeinderäte stimmten dem Antrag einmütig zu. Im Reichersbeurer Rat waren eine und bei den Greilingern drei Gegenstimmen zu verzeichnen.

Günter Platschek

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