VonStephen Hankschließen
Der Landkreis bewirbt sich als Modellregion Naturtourismus. Es sei eine große Chance, hieß es am Mittwoch im Kreistag. Doch es gab auch kritische Stimmen.
Landkreis – Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern hatte es zuletzt noch spannend gemacht. Er verweigerte der Teilnahme des Landkreises am Wettbewerb Modellregion Naturtourismus von Wirtschafts- und Umweltministerium zunächst seine Unterstützung. Das Konzept ziehe nur noch mehr Touristen an und beeinträchtige weiter die Almwirtschaft, lautete die Kritik. Nach einem „sehr konstruktiven Gespräch“, so Umwelt-Abteilungsleiter Thomas Eichacker vom Landratsamt im Kreistag, habe man die Bedenken aber ausräumen und Anregungen einarbeiten können. „Wir haben jetzt ein gutes, vorzeigbares Konzept“, sagte er.
Die Belange der Grundstückseigentümer – sie zogen sich auch wie ein roter Faden durch die Debatte. Geschäftsführer Thorsten Schär von der Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) versicherte, dass es nicht Ziel des Projekts sei, noch mehr
Touristen in die Region zu locken, sondern den Tourismus besser auf die Natur abzustimmen und die Besucherströme zu lenken. Runde Tische mit allen betroffenen Verbänden sollten zur regelmäßigen Einrichtung werden.
Grundstückseigentümer und Verbände dauerhaft ins Boot zu holen, erachtete auch FWG-Fraktionssprecher Norbert Kerkel für wichtig. Wie später auch sein CSU-Kollege Josef Bierschneider forderte er, für das Konzept auf jeden Fall Geld in die Hand zu nehmen – auch wenn der Landkreis nicht einer der Preisträger sein sollte. „Momentan haben wir ein Problem mit dem Tourismus“, bekräftigte Gerhard Waas (Grüne) mit Blick auf die Waldbesitzer, die beispielsweise am Taubenberg zunehmend unter dem Verhalten der Mountainbiker litten. „Uns läuft die Zeit davon.“
Das sah auch Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) so. Sollten die Grundstücksbesitzer irgendwann nicht mehr mitspielen – die Landwirte beispielsweise, denen der Hundekot auf den Wiesen zunehmend Probleme bereitet – sei der Tourismus in Gefahr. Eindrucksvoll schilderte Heinrich Schwabenbauer (CSU) die juristischen Probleme, vor die Landwirte wie er durch Freizeitsportler auf ihrem Grundbesitz gestellt werden. Eine rechtliche Absicherung und die Unterstützung durch den Landkreis wären wünschenswert.
Letztlich befürwortete der Kreistag die Bewerbung. Die Sieger sollen Anfang Juli feststehen. Einzig Michael Lechner (FWG) stimmte gegen das Konzept. „Ich bin nicht überzeugt, dass wir damit unsere Ziele erreichen“, sagte er. „Es gab schon viele Absichtserklärungen – bis jetzt ist nichts besser geworden.“
sh
