Markus Wrba will Debatte anstoßen

Zu hoher Preis für zu wenig Leistung: Ausstieg der Gemeinde Kreuth aus dem Tourismus-Verbund gefordert

+
Verbesserungsfähig: Dem Kreuther Zentrum fehlt nach Ansicht von Markus Wrba die Atmosphäre, die ein Bergsteigerdorf haben müsste. Aber Verschönerungen kosten Geld.
  • schließen

Früher einmal hat Markus Wrba (61) mit der Offensive Tegernseer Tal (OTT) für einen gemeinsamen Tourismusverband im Tegernseer Tal gekämpft. Jetzt steuert der Kreuther FWG-Gemeinderat in die Gegenrichtung: Er fordert den Ausstieg seiner Heimatgemeinde aus der TTT.

Kreuth – Konfliktscheu war Wrba nie. Und Tourismus ist schon lange sein Thema. Über viele Jahre hinweg meldete er sich als Mitglied der 1997 gegründeten Offensive Tegernseer Tal (TTT) zu Wort. Deren Ziel war die Verschmelzung aller Tourismus-Organisationen im Tegernseer Tal zu einem einzigen Verbund. Sie wurde längst vollzogen, die OTT versandete. Doch Wrba ist heute überzeugt: Kreuth profitiert nicht vom Verbund. „Preis und Leistung stehen für uns in keinem guten Verhältnis“, meint er. 580 000 Euro müsse Kreuth an die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) pro Jahr zahlen, berichtet Wrba. Für die finanziell klamme Gemeinde sei das zu viel: „Wir können uns das nicht mehr leisten.“

Markus Wrba

Gespartes Geld soll in die Entwicklung als Bergsteigerdorf fließen

Mit einer Diskussion um Details ist es für Wrba nicht getan. Er fordert den Ausstieg. Kreuth, meint er, solle sein Profil als Bergsteigerdorf in eigener Regie schärfen. Mit dem durch den Austritt gesparten Geld könne die Gemeinde einen Geschäftsführer einstellen, der sich auf die Innenentwicklung von Kreuth konzentriere. Denn die lasse viel zu wünschen übrig. „Das Dorf Kreuth ist unansehnlich“, findet er. Dabei brauche ein Bergsteigerdorf nicht nur Berge, sondern auch ein Dorf mit Atmosphäre. Ideen dazu gebe es, meint Wrba: „Aber es fehlt uns schlicht die Kohle.“

„Ich will eine Initialzündung geben“

Der Ruf nach dem Ausstieg passt nicht zum viel beschworenen Bestreben nach Harmonie im Tal. Wegen der dünnen Erfolgsaussichten stellt Wrba vorerst keinen Antrag an den Gemeinderat, als TTT-Gesellschafter auszusteigen. „Aber ich will eine Initialzündung geben“, sagt er. Was bisher nur hinter verschlossenen Türen Thema war, will der FWG-Gemeinderat jetzt bei einer öffentlichen Sitzung zur Sprache bringen. „Das soll eine Diskussion anstoßen.“

Dabei geht es dem Juristen nicht um Köpfe. Er mache TTT-Geschäftsführer Christian Kausch keine Vorwürfe, so Wrba. Kausch setze um, was die Tal-Bürgermeister von ihm erwarteten. Besprochen werde dies bei Bürgermeisterdienstbesprechungen, über deren Inhalt die Gemeinderäte wenig erführen, merkt Wrba an: „Da gibt es keine Protokolle.“ Sein Vorstoß richte sich aber auch nicht gegen Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Der sei „eine Idealbesetzung für Kreuth“.

Schlechte Finanzlage

Aus seiner Sicht, so Wrba, hätten sich die Gemeinden rund um den See einfach unterschiedlich entwickelt. „Kreuth passt nicht mehr ins Hochglanz-Tal.“ Bad Wiessee, Rottach-Egern und Tegernsee stünden finanziell sehr gut da und seien auch in der Lage, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In Kreuth gelinge es der Kämmerin hingegen nur „mit Ach und Krach“, einen Haushalt zusammenzuzimmern. Am Projekt May-Klinik murkse die Gemeinde jahrelang herum, statt das Gelände endlich zu kaufen.

„Ich will einen Prozess in Gang bringen“

Unterdessen tauche im TTT-Konzept das Bergsteigerdorf Kreuth nur am Rande auf, moniert Wrba. Seit Juli 2018 trägt die Gemeinde das Siegel, wie es mit Leben zu füllen ist, wird in Arbeitskreisen diskutiert. „Aber man sieht ja nichts davon“, sagt Wrba. Kreuth brauche Geld, um seine Identität als Bergsteigerdorf zu entwickeln und den Ort entsprechend zu gestalten. Das Geld, das jetzt in den Verbund fließt, wäre seiner Ansicht nach für diesen Zweck besser angelegt. „Auf Außenwerbung können wir auch ganz verzichten.“

An TTT-Chef Kausch hatte der Kreuther Gemeinderat zuletzt viele Fragen. Beantwortet werden sollen sie bei einer Sitzung des Tourismus-Ausschusses am Donnerstag, 21. Juli. Sie findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wrba wünscht sich mehr: „Ich will einen Prozess in Gang bringen.“

Kommentare