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Großveranstaltungen verboten, kleinere Konzerte verschoben: Seit das Coronavirus das öffentliche Leben stillgelegt hat, kämpfen Veranstalter und Bühnen nicht nur um die Treue ihrer Besucher und um Ersatztermine, sondern manche sogar um ihre Existenz.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit knapp 20 Jahren bietet Wolfgang Ramadan eine „kulturelle Grundversorgung“, wie er selbst sagt. Nun aber droht seiner Reihe „Abo Tölz“ das Aus. „Wir arbeiten bis zum Anschlag“, sagt er. „Wir sagen nichts ab, wir verschieben. Aber das ist ein riesiger organisatorischer Aufwand.“ Einige Termine werden auf Juni und Juli verlegt, andere sollen im Herbst stattfinden.
Die Reihe ist nicht subventioniert, das finanzielle Risiko trägt Ramadan alleine. „Die aktuelle Situation ist existenzgefährdend, ich habe diese Saison komplett vorfinanziert“, sagt der Ickinger, der die „Abo“-Reihe in mehreren Städten in der ganzen Region anbietet. Von den rund 100 Veranstaltungen in diesem Jahr hätten bisher lediglich zwei stattgefunden. Sobald das Publikum das Geld zurückfordere, gebe es seine Agentur „Brotzeit & Spiele“ nicht mehr, sagt Ramadan. „Wir sind jetzt auf die Solidarität unserer Besucher angewiesen.“ Er hofft, dass sich die Abo-Kunden auf die neuen Termine einlassen und treu bleiben. Die Stimmung seiner vier Mitarbeiter sei sehr angespannt.
„Wir lassen uns nicht kaputt machen“
Christian Gutmair, ein weiterer in Bad Tölz bekannter Veranstalter, ist auf mehreren Geschäftsfeldern im kulturellen Bereich aktiv. Unter anderem versichert er andere Organisatoren gegen die Absage ihrer Konzerte aufgrund einer Pandemie. Das hätten nur 10 bis 20 Prozent der Veranstalter getan, berichtet der Königsdorfer. „Aber die sind jetzt natürlich wahnsinnig froh.“ Gutmairs Firma „Munich Staging Company“ ist derzeit damit beschäftigt, die geplanten Konzerte im Tölzer Kurhaus zu verschieben. Die Band „Pam Pam Ida“ wird nun am 15. Januar 2021 auftreten, die Show von Gedankenleser Thorsten Havener wurde auf den 13. Dezember 2020 verlegt. Gutmair ist erleichtert, dass seine zahlreichen Kunden mit der Situation sehr verständnisvoll umgehen. „Bislang gab es genau eine Beschwerde“, sagt er. Allerdings sei der Kartenvorverkauf vollständig zum Erliegen gekommen. Gutmair selbst schwankt zwischen „einer gewissen Grundgelassenheit und großen Ängsten“, wie er sagt. „Und das ändert sich stündlich.“ Sein Motto: „Einfach schauen und machen.“ Seine Firma gibt es seit 1989. „Von so einem blöden Virus lassen wir uns nicht kaputt machen.“
„Sind auf Solidarität angewiesen“
Sabine Pfister, Gründerin von „Kleinkunst und Kultur“ (KKK) in Lenggries, verlegt derzeit die Termine von April und Mai in den Herbst. Michael Altinger tritt am 3. Oktober im „Kramerwirt“ auf, und das Duo Bodo Kloiber/Martin Regnat am 22. Oktober im „Klosterbräustüberl“ in Reutberg. „Die Termine im Juni und Juli lassen wir jetzt erst mal so stehen, aber vielleicht müssen wir auch sie verlegen.“ Pfister bespielt vor allem die kleine Bühne in der „Kaminstube“ im Brauneck-Hotel und den Saal im „Kramerwirt“ in Arzbach. Je nachdem, wie bekannt die Künstler sind, kommen zwischen 20 und 200 Gäste.
„Wir schauen mal, wie sich die Auflagen für uns entwickeln. Sonst werden wir anders bestuhlen“, sagt Pfister. Weil das „KKK“ für sie nicht die einzige Einnahmequelle sei, sei die Situation nicht existenzbedrohend.
Hauptberufe sichern jetzt Lebensunterhalt
Assunta Tammelleo von der Kleinkunstbühne „Hinterhalt“ in Gelting versucht ebenfalls, nicht schwarz zu sehen. „Auch ich arbeite komplett unsubventioniert, habe aber noch einen Hauptberuf.“ Ihr Service-Personal verzichtet momentan teilweise auf die Bezahlung. „Mit Live-Kultur sieht es für die nächste Zeit schlecht aus, aber wir haben uns schon Alternativen überlegt“, sagt Tammelleo. Zusammen mit dem Kulturverein Isar-Loisach möchte sie Künstler aufzeichnen und die Videos dann streamen. Ansonsten ist Tammelleo frohen Mutes: „Wir sind hier draußen doch ziemlich privilegiert.“ Man könne spazieren gehen, kochen, und nachholen was man lange einmal vorhatte.
(Christiane Mühlbauer und Lenora Mitreuter)
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