Geretsried - Der Geretsrieder Kulturherbst 2016 findet statt. Am Freitag wurde im Rathaus der neue Veranstalter vorgestellt.
Florian Zwipf-Zaharia, der seit 13 Jahren den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen organisiert, wird das Festival vom 1. bis 9. Oktober auf die Beine stellen. Als künstlerischer Leiter fungiert Harry Helfrich, Regisseur der Kulturherbst-Theaterstücke „Aufstand“ und „Flucht“.
2012 und 2014 hatte die Stadt Geretsried als Veranstalter des Kulturherbstes fungiert. Festivalleiter war der Geretsrieder Günter Wagner. Für 2016 beschloss der Stadtrat, die Organisation komplett nach außen zu vergeben und das Budget deutlich zu senken (wir berichteten). Statt wie zuletzt 120 000 Euro übernimmt die Stadt Geretsried diesmal nur eine Ausfallbürgschaft von maximal 80 000 Euro.
Vier Veranstalter kamen bei der öffentlichen Ausschreibung des Kulturherbstes in die engere Wahl. In einer gemeinsamen Sondersitzung von Kultur- und Finanzaussschuss stellten sie ihr Konzept vor. Den Zuschlag erhielt die cultus production gmbh von Florian Zwipf-Zaharia aus Füssen. „Das war eine rundum gelungene und überzeugende Präsentation“, sagte gestern Bürgermeister Michael Müller. Weil es um vertragliche Inhalte ging, war die Sitzung nicht öffentlich. Gegen die Vergabe stimmte laut Müller nur ein Mitglied des Kulturausschusses.
Zwipf-Zaharia kommt selbst aus dem künstlerischen Geschäft, wie er sagt. Er war 20 Jahre am Theater und danach als Mitorganisator verschiedener Veranstaltungen tätig. Zwei Jahre leitete er den Betrieb des König-Ludwig-Musicals in Füssen. Seit 2002 ist Zwipf-Zaharia sein „eigener Herr“ und entwirft, produziert und organisiert mit seiner Firma Veranstaltungen, „die mir auch selbst Spaß machen“, darunter den Kultursommer in Garmisch-Partenkirchen, der im nächsten Jahr zum 14. Mal stattfindet.
Nun kommt noch der Geretsrieder Kulturherbst dazu. „Das wird kein Klein-Garmisch“, sagte Zwipf-Zaharia, wobei er das „klein“ auf die Veranstaltungsdauer bezog. Der Kultursommer in Garmisch geht über neun Monate, der Kulturherbst in Geretsried dauert nur neun Tage. Geplant sind 24 Veranstaltungen – wieder in einem Theaterzelt an der Jahnstraße sowie an anderen Spielorten in der Stadt. Zwipf-Zaharia versprach einen „bunten Strauß“ aus acht oder neun Theateraufführungen, dazu Kabarettabende und Konzerte. Der große Unterschied zu 2012 und 2014 wird sein, dass es keine eigene Theaterproduktion geben wird. Der finanzielle Aufwand wäre zu groß, hieß es zur Begründung.
Harry Helfrich hatte bei den Theaterstücken „Aufstand“ und „Flucht“ des bisherigen Festivalleiters Günter Wagner Regie geführt. Jetzt fungiert er als künstlischer Leiter der Gesamtveranstaltung. Wagner hatte sich aufgrund des hohen finanziellen Risikos nicht an der Ausschreibung beteiligt. „Es war wichtig für mich, dass sich Wagner nicht beworben hat“, sagte Helfrich gestern. Er sieht seine Aufgabe darin, „die örtlichen Kräfte einzubeziehen“. Dazu wollen er und Zwipf-Zaharia auch das Gespräch mit dem früheren Festivalleiter und dem Geretsrieder Kulturforum suchen, von dem die Idee des Kulturherbstes ursprünglich stammt. Auch wenn man nicht unbedingt auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sei, freue man sich über jede Unterstützung.
Zum Programm konnten die Organisatoren noch nicht viel sagen. „Es ist fast noch nichts fix“, berichtete Helfrich. „Aber alles sehr realistisch“, ergänzte Zwipf-Zaharia. Sicher seien eine Aufführung von „Opern auf Bayrisch“ und eine Lesung mit dem Schauspieler August Zirner. Um auch die Jugend an die Kultur heranzuführen, wird es eine Inszenierung von „Momo“ geben, eine Theaterproduktion aus Garmisch. Ein Konzert mit Bands aus der Region ist ebenfalls geplant. Zudem soll es eine „Chornacht“ und zum Abschluss einen „circensichen Abend“ geben, bei dem alle mitwirken können.
Dass die Zeit bis zum Kulturherbst Anfang Oktober nächsten Jahres „nicht unknapp“ ist, räumte Zwipf-Zaharia ein. Viele Künstler sind auf eineinhalb Jahre im Voraus ausgebucht, bestätigte Helfrich. Dennoch sind beide zuversichtlich, neben heimischen Künstlern auch „große Namen“ nach Geretsried holen zu können. „Wir sind beide gut vernetzt.“
Enttäuscht über die Entwicklung ist der ehemalige Festivalleiter Günter Wagner. Mehr dazu lesen Sie in der Wochenendausgabe des Geretsrieder Merkur.
Sabine Schörner
