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„Bei uns fliegen schon mal die Fetzen“: Schlagzeuger Manuel da Coll spricht im Interview über die Entwicklung seiner Band LaBrassBanda - und von blutigen Händen und Füßen.
Benediktbeuern/Bad Tölz – Am Freitag, 27. Juli, gibt es im Maierhof des Klosters Benediktbeuern ein Wiedersehen mit LaBrassBanda. Schlagzeuger Manuel da Coll hat zum Tölzer Land einen ganz besonderen Bezug – er war von 2006 bis 2008 Lehrer an der Tölzer Musikschule. Denn gleich nach dem Abschluss seines Musikstudiums fand er eine Anstellung in Bad Tölz. In dieser Zeit fiel auch die Entscheidung, den sicheren Job aufzugeben und für die Band alles auf eine Karte zu setzen. Kurier-Redakteurin Christiane Mühlbauer hat sich mit dem 38-Jährigen darüber unterhalten.
-Herr da Coll, welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit in Tölz?
Das waren zwei schöne Jahre. Ich bin ja damals von München immer rausgependelt, anfangs nur montags, im zweiten Jahr dann auch dienstags. Im zweiten Jahr hab ich dann auch an der Südschule Musik unterrichtet.
-Gibt’s noch Kontakte zu ehemaligen Kollegen und Schülern?
Ja, aber natürlich nicht mehr so intensive. Ich erinnere mich vor allem an das gute Betriebsklima. Ich hoffe, ich habe auch überall einen guten Eindruck hinterlassen (schmunzelt). Einige Schüler haben noch meine Telefonnummer und E-Mail und schicken mir manchmal was zu, ein Konzertvideo zum Beispiel, und schreiben: Ey, schau, ich bin auch an der Musik drangeblieben. Das ist schön.
-Wie schwierig war die Entscheidung, den sicheren Lehrerberuf hinter sich zu lassen und sich ganz auf LaBrassBanda zu konzentrieren?
Das war keine leichte Entscheidung. Ich habe in dieser Zeit viele lange Gespräche mit Harry (Harald Roßberger, Leiter der Tölzer Musikschule, Anm. d. Red.) geführt, seine Einschätzung war mir wichtig. Ich hab festgestellt, dass ich halt doch lieber auf der Bühne als im Unterrichtsraum stehe. LaBrassBanda ist damals gut gewachsen. Es war eine Spannung in der Band zu spüren, eine Wahnsinns-Dynamik. Wir wussten, dass wir noch viel mehr erreichen können, wenn wir uns jetzt da reinhängen.
-Trotzdem: Ihr wusstet ja noch nicht, wie gut es laufen würde.
Ja, klar. Aber wenn man spürt, dass es funktioniert, dann darf man keine Bedenken haben. Sonst steht man sich selbst im Weg.
-Würden Sie jetzt, gut zehn Jahre später, sagen, dass ein Traum in Erfüllung gegangen ist?
Es ist auf jeden Fall ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Als Musiker hat man immer den Wunsch, auf vielen Konzerten spielen zu können. Aber es hat sich keiner von uns erträumen können, wie das einmal wirklich aussehen wird.
-Anfangs war die Band ja im Ausland erfolgreicher als in Deutschland beziehungsweise in Bayern. Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, dass hängt mit Scheuklappen zusammen. In Bayern und auch in Österreich haben wir anfangs viele Leute erschreckt – wir kommen da barfuß, in Lederhosen und mit T-Shirts auf die Bühne. Die Traditionalisten haben sich provoziert gefühlt, wie wir da mit „ihrer“ Blasmusik umgehen, und für die Clubs waren wir nicht cool genug. Im Ausland war das lockerer. Da gab es keine Diskussionen über unser Outfit, da lag der Fokus einfach auf der Musik.
-Jetzt gehört LaBrassBanda zu den bekanntesten Bands in der Republik. Wie sieht Euer „Zusammenleben“ aus ?
Der Kalender ist voll, und wir planen weit im Voraus, zirka ein Jahr. Es gibt einen festen Stammtisch von unseren Bandmitgliedern in Traunstein, aber da fahre ich aus München nicht jedesmal hin. Bevor es mit einer Tour losgeht, vereinbaren wir ein Zeitfenster für Proben, auch vor besonderen Konzerten treffen wir uns nochmal extra.
-Wie geht Ihr mit Konflikten in der Band um?
Natürlich gibt es Dinge, die müssen mal ausdiskutiert werden. Das ist nicht immer leicht, da fliegen schon mal die Fetzen. Aber es ist ja auch nichts Schlechtes, wenn man viel diskutiert und unterschiedlicher Meinung ist. Stefan Dettl ist unser kreativer Kopf. Er legt großen Wert darauf, dass wir uns immer wieder selbst mit Ideen einbringen. Nur so entwickelt man sich weiter.
-Und LaBrassBanda hat sich ganz schön weiterentwickelt. Momentan spielt Ihr wieder in kleinerer Besetzung.
Ja, genau. Begonnen haben wir zu fünft, dann waren wir neun Musiker, schon fast ein Orchester. Jetzt sind wir zu siebt. Man muss sich immer wieder verändern. Anfangs hatten wir unsere wilden Jahre und haben uns bei den Konzerten völlig verausgabt, sind mit blutenden Händen und Füßen von der Bühne gekommen. Jetzt schlagen wir auch mal leisere, ruhigere Töne an.
-Wenn man soziale Medien nach Ihrem Namen durchforstet, dann findet man fast nichts über Sie privat. Wie wichtig ist Dir Anonymität?
Also, bei Facebook war ich noch nie. Für mich ist das nicht wichtig. Mir fehlt der Wille und das Talent, mich in Szene zu setzen. Und klar, jetzt ist es schön, dass ich einkaufen gehen kann, ohne dass mich jeder gleich erkennt.
-Gibt es etwas, was Sie als Musiker unbedingt erreichen möchten?
(überlegt) Also, mein Ziel war es ja immer, Musik zu machen und auf eine Welttour zu gehen. Das haben wir letztes Jahr gemacht, und das war super. Das würd’ ich gern nochmal machen. Ich freu mich immer, wenn da etwas den Weg in die Öffentlichkeit findet. Aber es ist nicht mein Ziel, dass ich Goldene Schallplatten bekomme oder auf Platz eins der Charts bin. Ich habe keine Popstar-Ambitionen. Ich möchte, dass diejenigen, die meine Musik hören, sie wertschätzen.
-Es gibt viele Jugendliche, die davon träumen, einmal ein großer Schlagzeuger zu werden. Was geben Sie ihnen mit auf den Weg?
Geduld und Demut vor dem, was man schon erreicht hat. Und dann muss man natürlich dranbleiben und darf nicht von Anfang darauf setzen, dass gleich der große Durchbruch kommt. Es ist im Prinzip so wie bei der Figur Beppo Straßenkehrer im Roman „Momo“ von Michael Ende: Man darf nie die ganze Straße auf einmal denken, immer nur an den nächsten Schritt. Und man darf nichts übers Knie brechen. Wichtig ist auf jeden Fall, Geduld und Disziplin zum Üben zu haben. Und ich rate jedem Schlagzeuger, sich eine Band zu suchen statt allein daheim im Keller zu hocken.
-Im Maierhof in Benediktbeuern sind La Brass Banda jetzt schon zum dritten Mal. Ein besonderer Ort für Euch?
Ja, definitiv. Ich mag den Vierseit-Hof. Außerdem kommen zu dem Konzert meine Familie und meine Schwiegereltern mit. Die haben Hochzeitstag und feiern den beim Konzert. Vielleicht kommen ja auch noch ein paar Bekannte aus Tölz von früher. Ich würd mich freuen, sie mal wieder zu sehen.
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