Seit 1. April ist die Kesselbergstraße von 15 bis 22 Uhr für bergauffahrende Motorradfahrer wegen der hohen Unfallzahlen und zum Lärmschutz gesperrt (Archivbild).
Seit 1. April gilt das temporäre Fahrverbot für Biker am Kesselberg. Auch Gastronomen, die aktiv um Biker werben, begrüßen die Sperrung.
Kochel am See – Motorradfahrer am Kesselberg: Dieses Thema verbinden viele Menschen vor allem mit Lärm und Unfällen. Motorradfahrer sind aber auch eine Zielgruppe, um die einige touristische Betriebe am Walchensee aktiv mit dem Slogan „Biker willkommen“ werben. Brechen ihnen durch das neue Fahrverbot die Gäste weg? Nein, sagen einige Gastronomen und Beherbergungsbetriebe auf Anfrage. Im Gegenteil: Aus ihrer Sicht überwiegen die positiven Effekte.
Weil sie zehn Minuten zu spät kamen: Biker müssen Strafe zahlen – und über eine Stunde Umweg fahren
Noch hat sich das temporäre Fahrverbot offensichtlich nicht bei allen Urlaubern herumgesprochen. „Wir hatten zufällig vor Kurzem Gäste von auswärts, die mit dem Motorrad für eine Woche zu uns kommen wollten“, berichtet Silvia Öttl vom Gasthof Edeltraut in Walchensee. Die Urlauber seien über den Sylvensteinsee und Bad Tölz Richtung Kesselberg unterwegs gewesen und hätten in Kochel eine kurze Pause eingelegt. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellte. Als sich die Biker weiter Richtung Walchensee begaben, wurden sie auf der Strecke von der Polizei gestoppt. Bitter: Es war gerade erst 15.10 Uhr.
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Die Sanktionen der Ordnungshüter hatten es in sich: Den Urlaubern wurden 55 Euro Verwarngeld aufgebrummt, und die Weiterfahrt über den Kesselberg wurde untersagt. Die Urlaubsgäste mussten stattdessen die Strecke über Garmisch-Partenkirchen nehmen. „Das ist knapp eine Stunde Umweg. Das ist natürlich unglücklich gelaufen“, so Öttl. Sie ist dennoch eine Befürworterin des Fahrverbots. Schließlich hätten die Anwohner mit dem Lärm von Motorrad-Posern zu kämpfen.
Kesselberg: Anwohner hofft, dass als nächstes die Autoposer eingeschränkt werden
Auch Karl Asenstorfer, der in Urfeld Ferienwohnungen vermietet, findet die Regelung „richtig gut“. Es geht dabei „nicht um die Cruiser, sondern um die Leute, die dauernd laut hin- und herfahren“, erklärt er. Es seien erste positive Entwicklungen in der Lärmbelastung für die Anwohner spürbar. Als nächstes hofft er, dass die Auto-Poser stärker eingeschränkt werden. Denn die seien mit ihrem Krach ebenfalls eine große Belastung.
„Besser als vorher“: Gastronomen am Walchensee berichten
Sefaj Zenum, der das „Café am See“ in Urfeld betreibt, zieht ebenfalls eine positive Bilanz: „Es ist auf jeden Fall besser als vorher“, freut er sich. „Der Freitag war immer der schlimmste Tag, da sind viele nach Feierabend zum Rauf- und Runterfahren gekommen. Die sind jetzt fast weg.“ Die Polizei kontrolliere seit April auch stärker als zuvor. Seine Gäste hätten sich wegen des Fahrverbots noch nicht bei ihm beschwert, sagt Zenum.
„Der Freitag war immer der schlimmste Tag, da sind viele nach Feierabend zum Rauf- und Runterfahren gekommen. Die sind jetzt fast weg.“
Richard Ricci vom Gasthof zur Post in Walchensee hingegen merkt keine großen Veränderungen. Trotz der Kontrollen kämen die Motorradfahrer „genauso wie in den letzten Jahren“. Sie seien zwar manchmal wegen des Lärms belastend, aber fürs Geschäft brauche er auch die Biker.
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Auf den Umsatz habe die Sperrung bislang „keine Auswirkungen“, stellt Asenstorfer fest. Auch Ricci, Öttl und Zenum haben bislang keine Einbußen erlitten. „Die Leute kommen einfach von der anderen Seite“, vermutet Asenstorfer. Und an sonstigen Ausflüglern mangelt es im Walchenseegebiet ohnehin nicht. Zuletzt wurde die Mautstraße am Südufer wegen des großen Andrangs schon zweimal gesperrt.