Seltene Huchen in der Mangfall ausgesetzt

Landesfischereitag: Rosenheims OB schlüpft in Gummistiefel – Aiwanger nimmt Fischotter ins Visier

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Freiheit für 15 Huchen – Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März packt bei der Besatzungsaktion in der Mangfall mit an.
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Beim erstmals in Rosenheim veranstalteten Bayerischen Landesfischereitag wurden 15 junge Huchen in die Mangfall entlassen. Die Aktion soll den Bestand der stark gefährdeten Fischart unterstützen. Experten diskutierten zudem über Schutzstrategien und Herausforderungen im Artenschutz. Vor allem der Fischotter rückte in den Fokus.

Rosenheim – Zum ersten Mal fand der Bayerische Landesfischereitag in Rosenheim statt. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung stand Bayerns Fisch des Jahres, der Huchen. 15 Exemplare wurden am vergangenen Freitag in der Mangfall in die Freiheit entlassen.

Der Huchen ist selten geworden

Der Huchen ist der größte Salmonide der Donauregion. „Im Mittelalter stellten Fischer noch spezielle Fallen für diese Fischart auf, um den Bestand dieser Jäger zu begrenzen“, weiß Reiner Schäfer, Vorsitzenderdes Kreisfischereivereins Rosenheim. Mittlerweile ist der Huchen aber in ganz Deutschland sehr selten geworden und in vielen Gebieten sogar stark vom Aussterben bedroht. Sein Bestand ist damit auf Auswilderung von nachgezüchteten Fischen angewiesen.

Der Besatzungsaktionfolgen harte Klagen über Naturschützer

Darum wurden nun anlässlich des Bayerischen Landesfischereitags 15 Junghuchen in der Mangfall in Rosenheim gesetzt. Ursprünglich war die Besatzaktion für den Inn geplant. Aufgrund von Hochwasser mussten die Fischer sich aber spontan umentscheiden. „Huchen brauchen klares Wasser und das ist bei Hochwasser nicht der Fall. Mit der Zeit werden die Fische aber wahrscheinlich von der Mangfall in den Inn wandern“, meint Schäfer.

Um die 14 Grad beträgt aktuell die Wassertemperatur in der Mangfall, ideal für die Huchen. Wärmer als 22 Grad mögen sie es nämlich nicht. Angeliefert wurden die 15 Jungfische in einem speziellen Fischcontainer. Beim eigentlichen Besatz musste dann alles ganz schnell gehen, denn Huchen haben einen hohen Sauerstoffbedarf und halten es nur sehr kurz außerhalb des Wassers aus.

Rosenheims OB schlüpft in die Gummistiefel

Neben Axel Bartelt, Präsident des Landesfischereiverbands Bayern, und Maximilian Degenhart vom Kreisfischereiverein Rosenheim schlüpfte auch Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März für die Besatzaktion in Fischerstiefel. Die Huchen selbst bekamen von dem Rummel um sie herum kaum etwas mit. Entlassen in die Mangfall schwammen sie in aller Ruhe stromaufwärts davon. Die Fische stammen von der Fischzucht Thalhamer Mühle im Amerang und sind jetzt zwei Jahre alt. Gefüttert wurden sie mit lebenden Fischen, denn nur so ist sichergestellt, dass sie sich in freier Wildbahn auch wirklich selbst ernähren können. Ausgewachsene Huchen können bis eineinhalb Meter lang und über 30 Kilogramm schwer werden. Ihr Schonmaß liegt bei 90 Zentimeter. Bis die neu besetzten Exemplare in der Mangfall diese Größe erreicht haben, wird also noch einige Zeit vergehen.

Am zweiten Tag rückt die Prominenz an

Tag zwei des Bayerischen Landesfischereitags war von Fachvorträgen geprägt. Im Kuko Rosenheim diskutierten Experten in einem Internationalen Symposium über mögliche Schutzstrategien für die Zukunft des Huchens. Höhepunkt war der Festakt am Samstagnachmittag. Daran nahmen auch Staatsministerin Michaela Kaniber, der Stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger, Rosenheims Landrat Otto Lederer und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März teil.

... auch Politikprominenz aus München angereist. Michaela Kaniber und Hubert Aiwanger waren zu Gast.

Hubert Aiwanger will den Fischotter schießen

Die Fischerkönige standen, dekoriert mit ihren glanzvollen, teils über acht Kilogramm schweren Fischerketten, Spalier, als Michaela Kaniber und Hubert Aiwanger am KuKo eintrafen. Kaniber und Aiwanger eröffneten zunächst offiziell die neue Sonderausstellung „Huchen – König ohne Reich“, die anschaulich und informativ Lebensraum und Biologie des seltenen Fisches thematisiert.

Bei der Eröffnung der Ausstellung „Huchen – König ohne Reich“ war neben Landrat Otto Lederer (Mitte) ...

„Der Artenschutz hört nicht bei der Gewässeroberfläche auf“, steht für Michaela Kaniber fest. Und auch Hubert Aiwanger sprach sich für mehr Balance beim Artenschutz aus, indem man die Bestände von Prädatoren wie Fischotter und Gänsesäger besser reguliere.

„Starke Stimme für Fischer und Fische“

Über 140 000 Mitglieder zählt der bayerische Landesfischereiverband. „Wir sind eine starke Stimme für Fische und Fischer“, steht damit für Präsident Axel Bartelt fest. Auch ihn beschäftigten in seiner Rede die Feinde der Fischer, insbesondere der Fischotter, der derzeit Fischern und Teichwirten enorm zusetze. Scharf kritisierte Bartelt die Klagen von Naturschutzverbänden aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gegen die bayerische Regelung zur Dezimierung der Fischotter. „Das ist ein klarer Missbrauch der Verbandsklagerechts“, ärgert sich Bartelt.

Rosenheims Landrat Otto Lederer sieht in den Fischern „Naturnutzer und Naturschützer“. Gerade in der Region Rosenheim sei die Fischerei unglaublich aktiv. „Wir haben in Stadt und Landkreis rund 300 Gewässer und 23 Fischervereine“, führte er aus.

Neuer Fischerkönig: „So einen Biss habe ich noch nie gehabt“

An zwei dieser Seen, dem Happinger See und dem Happinger-Au-See in Rosenheim, wurde am Samstagvormittag das Bayerische Königsfischen ausgetragen. Über 40 Fischer aus ganz Bayern beteiligten sich daran. Den stattlichsten Fang konnte am Schluss der Rosenheimer Dominik Kagerer vorweisen. 9,6 Kilogramm schwer war der Karpfen, den er an Land zog.

Dominik Kagerer bekommt als Fischerkönig seine Kette.

Der schnellste Biss der Fischerkarriere

„So einen schnellen Biss habe ich noch nie gehabt. Um sieben Uhr habe ich die Angel ausgeworfen und eine Minute später hat der Karpfen angebissen“, erzählte der 27-Jährige freudestrahlend. Staatsministerin Michaela Kaniber hängte ihm die Königskette um, umrahmt von den Fischerkönigen aus ganz Bayern.

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