VonChristian Fellnerschließen
Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss – heißt es bei Udo Jürgens: Also macht auch Landrat Anton Speer weiter und kandidiert erneut für das Amt des Landrats in Garmisch-Partenkirchen. Er gilt jetzt schon als großer Favorit.
Mittenwald/Garmisch-Partenkirchen – Warum er diese Bühne wählte – man weiß es nicht. Vielleicht weil er gern unter Menschen ist. Also wählte Anton Speer den Kreistag für seine Offenbarung, nicht ein Pressegespräch in seinem Besprechungszimmer im Landratsamt. Dienstagmittag kurz nach 12 Uhr verschickte er eine Mitteilung an einen kleinen Medienverteiler mit der Nachricht, auf die viele gewartet hatten. In aller Kürze: Er würde für die Freien Wähler der Landkreisgemeinden (FWL) gerne weitermachen als Landrat, weil so viele Menschen ihm Mut zugesprochen hätten. An erster Stelle die Familie, aber auch Kollegen, Mitarbeiter und – ganz wichtig – die Leute draußen im Landkreis. Das würde er später bei der Sitzung in Mittenwald verkünden.
So kam es. Gleich beim ersten Punkt legte Speer los, verlas einen Auszug aus seiner Mitteilung. Ganz unspektakulär, ohne Anmerkungen. Applaus und Klopfen auf den Tischen war die Reaktion aus dem Gremium. Dann ging es weiter mit der Tagesordnung.
Die Kollegen bei den Freien Wählern lehnten alle ab
Aufgedrängt hat sich Speer laut eigenen Worten nicht. „Ich hab‘ alle meine Kollegen bei den Freien gefragt, gerade die Bürgermeister, aber da hat sich niemand zur Verfügung gestellt.“ Hätte ein interessanter Kandidat den Finger gehoben, Speer wäre ihm nicht im Weg gestanden. „Aber meine Suche war erfolglos.“ Christian Scheuerer etwa, der Ohlstädter Rathauschef, dessen Name immer mal auftauchte, lehnte dankend ab. „Stattdessen hab‘ ich von meiner Fraktion große Rückendeckung bekommen“, sagt der 66-Jährige.
Ob ihm jemand das Amt streitig machen könnte, darüber will er nicht spekulieren. Claudia Zolk ist von der CSU als Kandidatin nominiert worden. „Wir haben ein gutes Verhältnis“, sagt er – mehr nicht. Dass er für die Wahl am 8. März 2026 jetzt als gesetzter Sieger gehandelt wird, auch darauf lässt er sich nicht ein. „Ich bin sehr vorsichtig, es muss immer erst gewählt werden.“
Bürger sprechen Speer viel Mut zu
Fakt ist: Einfach hat sich der Unterammergauer die Entscheidung pro oder contra nicht gemacht. „Es war ein langer Findungsprozess“, betont er. Erst in den vergangenen Wochen verfestigte sich bei ihm der Gedanke, wieder anzutreten. „Ich bin einfach sehr oft von Bürger angesprochen worden, dass ich es machen soll. Auch meine Familie steht hinter mir.“ Da gab es dann schon nicht mehr so viele Faktoren, die dagegen sprachen.
Womöglich die Gesundheit? Auch so ein Thema, das Speer wohl eher bewusst ausklammert. „Ich fühle mich gesund“, stellt er klar. „Was kommt, kann sowieso niemand sagen.“ Speer spürt noch genug Energie in sich, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. „Das wird eine Mammutaufgabe.“ Einige Punkte hat er bereits als eine Art Tagesordnung formuliert: Stärkung der Region und des Tourismus, Ausbau der Schulen zu modernen Bildungseinrichtungen, Sicherung des Klinikumsstandorts, Erhalt der einzigartigen Landschaft, geordnete Kreisfinanzen, Ausbau des ÖPNV, ständiger Dialog mit den Bürgern.
Freisinger Landrat als Vorbild: Helmut Petz ist schon 68 und tritt wieder an
Letzterer Punkt zeichnet Speer besonders aus. „Ich bin Tag und Nacht unterwegs“, bestätigt er und lacht. „Die Stunden darfst du nicht zusammenrechnen.“ Der Kontakt zum Menschen aber ist ihn das Wichtigste in der Kommunalpolitik. „Wir haben viele Bürgeranliegen gelöst.“ Ob er ein solches Pensum weiter abspulen kann? Er weiß es nicht. Vor dem Alter hat er keine Angst. Er verweist auf den Parteikollegen Helmut Petz aus Freising. „Der ist schon 68 und macht auch weiter. Wir tauschen uns viel aus.“ Und wenn es doch einmal zu viel wird, hat Speer daheim noch die Familie als Ruhepol. Und seine kleine Landwirtschaft. „Das ist noch immer eine große Leidenschaft.“ Die Ochsen sind jetzt auf der Weide. Im Winter aber, da steht der Landrat noch jeden Tag im Stall. „Einen Ausgleich braucht man ja.“
