„Virtuelle Kulturbühne“

Aus der Not geboren, für die Zukunft gemacht

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Der Vorhang öffnet sich: Immer Sonntags gibt es auf der Virtuellen Kulturbühne neuen Stoff.

Die „Virtuelle Kulturbühne“, auf der Künstler aus dem Oberland im Internet auftreten, hat sich schon gut etabliert. Sie soll auch in Nach-Corona-Zeiten bespielt werden – und am besten auch Geld bringen.

Warngau/Valley – Schon früh, nachdem die Bühnen wegen der Corona-Krise geschlossen wurden, gab es auch im Landkreis eine Initiative, Kunst im Internet zu zeigen: die „Virtuelle Bühne“ (wir berichteten). „Das ist die erste richtig gute, tolle Zusammenarbeit mehrerer Initiativen aus dem Landkreis“, freut sich Monika Ziegler aus Warngau als unermüdlicher Motor der KulturVision. Anja Gild von KulturValley ergänzt: „Sie wollte gleich loslegen, als ich sie angesprochen habe.“ Nicht nur bei Ziegler fiel Gilds Idee, die lokale Szene gemeinsam zu unterstützen, sofort auf fruchtbaren Boden. In Rolf Brandhaus fanden sie einen dritten Mitstreiter. Der Warngauer stellt mit seinem KulturForum Oberland das technische Know-how und die Plattform für die Beiträge unterschiedlichster Richtung. Das gemeinsame Ziel der drei Organisationen: Mit gebündelten Kräften dafür eintreten, dass die Szene nicht brach liegt.

Den Anfang machte Glied, sie hatte zu Beginn der Corona-Krise über Haus-Konzerte im Internet gelesen. „Da habe ich an den Landkreis gedacht. Wie könnte man die Kulturszene unterstützen?“ Über die eigenen Netzwerke war schnell ausgelotet, dass die Kulturschaffenden begeistert waren. Nicht nur, um ein Vakuum zu füllen. Sie hatten richtig Lust am Produzieren. Sie probieren sich aus, nutzen ein für viele neues Medium und auch die Gelegenheit zur Werbung in eigener Sache. Da wird das im Wirtshaus geplante Release-Konzert von Mountain Lake Vista der Not geschuldet zu einem sehens- und hörenswerten Musikvideo, das die fünfköpfige Musiker-Truppe aus Holzkirchen, Bad Tölz und München in der Corona-Isolation produziert hat. Die Kunstdünger-Theatermacherinnen Christiane Ahlhelm und Lydia Starkulla drehen mit Witz und Fantasie in den eigenen Küchen Szenen zu „Gemeinsam“, die sie mit Filmaufnahmen von „Die Prinzessin kommt um vier“ zu einem inspirierenden Clip verschmelzen (zu finden auch auf Youtube, Suchwort: „Theater Kunstdünger“), und das Tölzer Marionettentheater setzt sich in einer hintergründigen Trilogie mit Covid-19 auseinander.

Neues zur Corona-Krise im Landkreis finden Sie in unserem Ticker.

Die Genres sind breit gestreut, „der Schwerpunkt der Einsendungen liegt auf der Musik“, sagt Ziegler, die für die erklärenden Biografien der Künstler zuständig ist. Mitmachen kann grundsätzlich jeder. Gefragt sind Beiträge von maximal drei Minuten Länge. In einem nächsten Schritt soll die Kulturbühne ihren Protagonisten auch einen monetären Nutzen bringen. „Wir hatten die Idee, den Künstlern auch eine finanzielle Unterstützung zu gewähren.“ So ist man gerade dabei, die Möglichkeiten eines Crowdfunding auszuloten. Ebenfalls angedacht ist ein Archiv aller veröffentlichten Beiträge in einem geschützten Bereich.

Auf jeden Fall soll die „Virtuelle Kulturbühne“ auch nach den Corona-Beschränkungen weiter laufen. Vielleicht werde es in anderer Form sein, auf jeden Fall wolle man die derzeit ausschließlich ehrenamtlich betreute Plattform institutionalisieren, sagt Gild.

Das ist momentan zu sehen

Die  virtuelle Kulturbühne hat jeden Sonntag um 11 Uhr Matinee. Das Programm bleibt jeweils bis zur nächsten Veranstaltung online. Aktuell kann man noch die Fernweh-Fantasien „Free Man“ der Folk-Band Mountain Lake Vista sehen, „Die andere Corona-Konferenz“ des Tölzer Marionettentheaters, die Warngauer Pianistin Marie Koenigsbeck mit Bachs Präludium und Fuge in c-moll sowie Berhard Vorwerks selbst vertonte Bilderschau „Unser Valley“.

Die Matinee am Sonntag, 10. Mai, hat den Schwerpunkt „Offene Ateliertage“ und wird Blicke in die Werkstätten heimischer Künstler gewähren, die ohne Corona an diesem und dem nächsten Wochenende einen Blick an ihren Arbeitsplatz ermöglicht hätten. In den kommenden Wochen soll regelmäßig jeweils ein Atelier-Film gezeigt werden.

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