„Davor schrecken viele Kunden zurück“

Große Bau-Flaute: 67 Prozent weniger Genehmigungen als im Vorjahr - So gehen Firmen damit um

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Diese beiden Häuser mit insgesamt 13 Wohnungen hat die Hachinger Bau GmbH erst kürzlich in Waldtrudering fertiggestellt.
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Die Bau-Flaute macht sich auch im Landkreis München bemerkbar. Bislang wurde heuer 67 Prozent weniger Genehmigungen beantragt als im Vorjahr. Baufirmen „schalten einen Gang zurück“.

Landkreis – Die Bauaufträge gehen zurück. Auch im Landkreis München, dem einwohnerstärksten bayerischen Landkreis. Das IVD Institut (Gesellschaft für Immobilienmarktforschung und Berufsbildung mbH) hat die Entwicklung der Baugenehmigungen analysiert in allen bayerischen Regierungsbezirken, Stadt- und Landkreisen. Zwischen Januar und Juni 2023 wurden 57 Prozent weniger Wohngebäude im Landkreis München genehmigt als durchschnittlich jeweils in den letzten fünf Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2022 sind es minus 67 Prozent.

Auch geschäftsführender Gesellschafter Reinhold Köcher von der Hachinger Bau GmbH aus Unterhaching bemerkt den Rückgang. „Viele junge Leute können sich keine Immobilien mehr leisten, weil die Zinsen stark gestiegen sind.“ Gleichzeitig seien die Verkaufspreise hoch. Das liege an den Kosten für Energie, Baustoffe und dem neuen gesetzlich geregelten Energiestandard. Die Anforderungen im Neubau seien riesig.

„Davor schrecken viele Baukunden zurück“

„Die Projektkosten sind schwer kalkulierbar“, sagt Stephan Kippes, Geschäftsführer bei der IVD Bayern. „Davor schrecken viele Baukunden zurück.“ Zusätzlich würden immer häufiger bereits genehmigte Projekte gestoppt werden. In den kommenden Monaten werde die unsichere Zinsentwicklung den Wohnungsbau weiter abbremsen.

Reinhold Köcher, geschäftsführender Gesellschafter der Hachinger Bau GmbH

Einige Kunden sind auch bei der Hachinger Bau GmbH von ihren Bauvorhaben zurückgetreten. Doch nicht nur das das Nicht-Bauen bereitet der Firma Probleme: „Für uns als Bauunternehmen ist es schwierig, die gebauten Objekte zu vermarkten“, sagt Köcher. „Aktuell haben wir noch zwei freie Verkaufsobjekte. Wir planen derzeit keine neuen Häuser mehr und kaufen auch keine neuen Grundstücke.“ Selbst Investoren würden sich zurückhalten. Die Rendite mit nicht mehr als drei Prozent sei zu wenig. Nur Menschen mit viel Geld auf dem Konto könnten sich einen Hausbau oder eine Immobilie leisten. Doch es läuft nicht überall schlecht. „Im Sanierungsbereich sind wir voll beschäftigt“, sagt Köcher. Und auch im Rohbaubereich für Privatleute hat das Unternehmen noch Aufträge. Köcher hat keine Angst. Er sagt: „Wir sind gut situiert.“ Die Baubranche müsse die nächsten eineinhalb Jahre überwinden, bis es wieder bergauf geht. „Bis dahin schalten wir einen Gang zurück.“

Hoffen auf degressive Abschreibung

Eine ähnliche Strategie hat die Schmidt Zimmerei Holzbau GmbH aus Ottobrunn. „Wir haben noch genügend Aufträge“, sagt Seniorchef Andreas Schmidt. Die Anfrage nach Neubauten sei zurückgegangen. Dafür verstärke das Unternehmen jetzt das Geschäft mit kleineren und mittleren energetischen Sanierungen. Was noch hinzukommt: „Wir können nicht mehr ein dreiviertel Jahr im Voraus planen, sondern nur noch ein Viertel Jahr.“

Die Bundesregierung denkt gerade über die degressive Abschreibung nach. Diese würde Köcher begrüßen. Investoren könnten sich durch eine höhere Abschreibung schneller refinanzieren. „Davon würden wir profitieren“, sagt Köcher. Das sei für Anleger ein Anreiz, wieder zu investieren. Davon ausgenommen sind Eigennutzer. „Wenn man die Bautätigkeit ankurbeln will, sollte man auch Eigennutzer mit der degressiven Abschreibung unterstützen“, sagt Kippes. Gerade diese würden viel bauen, wenn sie die Mittel hätten.

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