„Das geht quer durch alle Altersgruppen“

Der Hype ums Alkoholfreie: Getränkemärkte und Wirte bestätigen den Bier-Trend

+
Spaß auch ohne Alkohol im Bier haben (v.l.) Astrid Schellerer und Jana Schönwald sowie Natja und Rolf Schönwald. Letzterer trinkt gerne Alkoholfreies im Biergarten des Gasthofs zur Mühle, weil‘s ihm schmeckt.

Mit seinem alkoholfreien Hellen hat Augustiner einen regelrechten Hype ausgelöst, so scheint es. Getränkemärkte und Gastronomen aus dem Landkreis bestätigen diesen Bier-Trend.

Landkreis- Alkoholfreies Bier wird zunehmend beliebter – vor allem, seit Augustiner im Frühjahr sein bleifreies Helles vorgestellt hat. Von der gewaltigen Nachfrage schien die Brauerei selbst überrascht. „Augustiner Alkoholfrei hat einen Hype ausgelöst“, sagt Dieter Süssner, selbständiger Vertriebspartner vom Orterer Getränkemarkt in Ottobrunn. Da aufgrund des anstehenden Oktoberfests jedoch die Produktion heruntergefahren worden sei, litten die Getränkemärkte unter Nachschubproblemen. Dennoch beobachtet Dieter Süssner, dass der Kauf von alkoholfreiem Bier angestiegen ist. „Die Kunden steigen eben auf Alternativen anderer Marken um.“

Gaststätten berichten von einer ähnlichen Erfahrung. Vor allem alkoholfreies Weißbier kommt bei den Kunden gut an. In Ismaning im Gasthof Zur Mühle kommt alkoholfreies Weißbier von Paulaner und Hacker Pschorr zum Ausschank und findet immer mehr Fans. „Das geht querbeet durch alle Altersgruppen“, sagt Wirtin Sandra Seidl. Ein Stammtisch von den Bergfreunden Ismaning kehrt regelmäßig nach Radltouren auf ein Alkoholfreies im Mühlen-Biergarten ein. Und Wirtin Seidl sagt auf die Frage nach ihrem Lieblingsgetränk: „Alkoholfreies Weißbier; denn irgendwann kann man Apfelschorle nicht mehr sehen.“

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Landkreis-München-Newsletter.)

Alkoholfreies Bier im Trend: Höhere Nachfrage auch in Ismaning und Pullach

Ein Stück weiter, beim Gasthof-Hotel Neuwirt in Ismaning, hat Max Schmidramsl bei seinen Gästen einen Trend festgestellt: „Die älteren Menschen trinken bei warmem Wetter sehr gerne alkoholfrei.“ Alkoholfreies Bier schont bekanntermaßen den Kreislauf. Die Waldwirtschaft Großhesselohe in Pullach bestätigt ebenfalls die stärkere Nachfrage nach Alkoholfreiem.

Vor allem bei warmem Wetter schenkt Max Schmidramsl junior vom Gashof Neuwirt in Ismaning seinen Gästen alkoholfreies Bier aus. Es schone bekanntlich den Kreislauf.

Das Hachinger Wirtshaus am Sportpark Unterhaching verzeichnet ebenfalls einen Anstieg an alkoholfreien Getränken in der Gastronomie. Laut der Geschäftsleitung unter Josef Schwabl erfährt kühles alkoholfreies Weißbier einen enormen Aufschwung in den Verkaufszahlen. Besonders Senioren erfreuten sich an dieser alkoholfreien Abwechslung. Den Einfluss von Augustiner Alkoholfrei kann der Gastronomische Leiter Stefan Seliger nur als einen „Hype“ bezeichnen.

Bayerns beste Brauereien – Eine Reise durch die Bierkultur des Freistaats in 25 Bildern

Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee
Unsere Reise beginnt ganz im Süden Bayerns. Das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee existiert belegbar seit 1675, sieht sich aber als Nachfolger einer angeblich um das Jahr 1000 gegründeten Bauerei im Kloster. © Marc Müller/dpa
Bier vom Brauhaus Tegernsee auf einem Tisch
Bekannt ist das Tegernseer Brauhaus unter anderem für sein Tegernseer Hell (Symbolbild). © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Aus der Landeshauptstadt München stammt Bayerns größte Brauerei: Paulaner.
Weiter geht‘s nach München. Aus der Landeshauptstadt stammt Bayerns größte Brauerei: Paulaner. Gegründet wurde die Brauerei-Gruppe 1634 von Mönchen des Paulanerordens. © Matthias Balk/dpa
Glas mit Bier von Paulaner
Zu den Spezialitäten von Paulaner gehören unter anderem Weißbier, Münchner Biere und weitere Bierspezialitäten, wie etwa das Oktoberfestbier. © IMAGO / Depositphotos
Augustiner Bräu ist die älteste Brauerei Münchens.
Augustiner Bräu ist die älteste Brauerei Münchens. 1328 wurde sie von Augustiner-Mönchen gegründet und existiert bis heute. © IMAGO/Manfred Segerer
Bierausschank im Augustiner Biergarten
Auch in Sachen Biergärten hält Augustiner einen Münchner Rekord. Der Augustiner Biergarten in der Arnulfstraße gilt als der älteste in der bayerischen Landeshauptstadt.  © IMAGO/Heinz Genhardt
Erdinger Weißbräu ist nach eigenen Angaben die größte Weißbierbrauerei der Welt.
Mit einem jährlichen Ausstoß von 1,7 Millionen Hektolitern ist Erdinger Weißbräu nach eigenen Angaben die größte Weißbierbrauerei der Welt. Einziger Standort ist Erding. Von dort aus wird das Weißbier in mehr als 100 Länder weltweit exportiert. © IMAGO/xDenisMArtx
Erdinger Bier im Glas und in Flaschen
Mit dem Verkauf seiner Biere machte Erdinger eigenen Angaben zufolge 2022 mehr als 170 Millionen Euro Umsatz. © Roman Starchenko/Imago
Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan ist die älteste Brauerei der Welt.
„Als älteste noch bestehende Braustätte der Welt steht unsere Brauerei beinahe erhaben in Freising auf dem Weihenstephaner Berg“, schreibt die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan aus Freising über sich selbst. Gegründet wurde sie 1040. © IMAGO/Manfred Segerer
Weihenstephan bzw Weihenstephaner Bier
Neben traditionellen Biersorten, wie etwa Weißbier oder Pils bietet Weihenstephan auch ein Kellerbier an. (Symbolbild) © IMAGO/Manfred Segerer
Oettinger gehört zu den großen deutschen Brauereigruppen.
Oettinger gehört zu den großen deutschen Brauereigruppen. Das Familienunternehmen produziert seine eigene Marke Oettinger für Supermärkte und stammt aus dem bayerischen Schwabenland. © Peter Steffen/dpa
Zwei Bierflaschen der Brauerei Oettinger
Zwischen 2004 und 2013 war Oettinger auch das meistverkaufte Bier in Deutschland. © IMAGO / Herrmann Agenturfotografie
Das Brauhaus Riegele ist heute mit mehr 200.000 Hektolitern die größte Privatbrauerei Augsburgs.
Ebenfalls aus Schwaben stammt die Brauerei S. Riegele. Das Brauhaus ist heute mit mehr 200.000 Hektolitern die größte Privatbrauerei Augsburgs. © Michael Eichhammer/dpa
Das Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz ist nach eigenen Abgaben die größte Bio-Brauerei Deutschlands.
Das Neumarkter Lammsbräu aus der Oberpfalz ist nach eigenen Abgaben die größte Bio-Brauerei Deutschlands. Das Sortiment der Familienbrauerei umfasst neben Klassikern wie dem untergärigen Urstoff auch ausgefalleneres wie das Glutenfreie. © Armin Weigel/dpa
Glutenfreies Bier
Der Neumarkter Lammsbräu bietet auch glutenfreies Bier an. © Britta Pedersen/dpa
Aus Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg stammt das Schanzenbräu
Aus Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg stammt das Schanzenbräu, das neben Hellem auch die fränkische Spezialität Rotbier herstellt. © Daniel Karmann/dpa
Das Schlenkerla ist eine historische Brauereigaststätte im fränkischen Bamberg.
Das Schlenkerla ist eine historische Brauereigaststätte im fränkischen Bamberg. Sie wurde erstmals 1405 urkundlich erwähnt und ist die bekannteste Rauchbierbrauerei Deutschlands. © imago stock&people
Rauchbier von Schlenkerla
Den Namen „Schlenkerla“ verdankt die Brauerei der Legende nach dem einstigen Braumeister Andreas Graser. Dieser musste nach einem Unfall beim Gehen eine Verletzung mit dem Schlenkern seiner Arme ausgleichen. © IMAGO / Depositphotos
Die Brauerei Gebr. Maisel im oberfränkischen Bayreuth ist vor allem durch die Weizenbiermarke Maisel‘s Weisse bekannt.
Die Brauerei Gebr. Maisel im oberfränkischen Bayreuth ist vor allem durch die Weizenbiermarke Maisel‘s Weisse bekannt. © IMAGO / Manfred Segerer
Bierkastenpaletten vor der Zentrale Brauerei Gebrüder Maisel KG
Jährlich verkauft die Maisel-Brauerei über 800.000 Hektoliter Bier (Symbolbild). © Robert Schmiegelt/Imago
Das Bayreuther Hell ist ein typisches bayrisches Helles, wie es in den Biergärten zu Hause ist - süffig und mild, frisch und würzig.
Das Bayreuther Hell ist ein typisches bayrisches Helles, wie es in den Biergärten zu Hause ist - süffig und mild, frisch und würzig. © IMAGO / Manfred Segerer
Beim World Beer Award 2022 wurde die Kulmbacher Brauerei gleich drei Mal mit einer Medaille ausgezeichnet.
Beim World Beer Award 2022 wurde die Kulmbacher Brauerei gleich drei Mal mit einer Medaille ausgezeichnet. © David Ebener/dpa
Kulmbacher Brauerei
Die Geburtsstunde der Kulmbacher Brauerei geht auf Mitte des 19. Jahrhunderts zurück (Archivbild). © IMAGO / Depositphotos
Die Brauerei Schlappeseppel aus Aschaffenburg ist im Nordens Bayerns und auch im angrenzenden Hessen beliebt.
Die Region Unterfranken ist eigentlich mehr für ihren Wein als für ihr Bier bekannt. Doch die Brauerei Schlappeseppel aus Aschaffenburg ist im Nordens Bayerns und auch im angrenzenden Hessen beliebt.  © imago stock&people
Bier von Schlappeseppel
Das „Special“ von Schlappeseppel ist ein mildes, nicht hopfenbetontes Bier, gebraut nach alter Tradition aus hellem und mit einer kleinen Zugabe dunklem Malz Münchner Art. © IMAGO/Manfred Segerer

Alkoholfreies Bier: Volle Regale im Getränkemarkt

Grundsätzlich trinken wohl alle Altersgruppen weniger Alkohol. Auch abgesehen vom „Augustiner Hype“ steigt der alkoholfreie Konsum. Besonders junge Menschen und Pendler genießen immer vermehrt ein kühles Bier ohne Alkohol oder auch alkoholarme Alternativen wie Radler oder Russ.

Bei Annette Haußmann, Inhaberin von Getränke Haußmann in Feldkirchen, sind die Regale prall gefüllt mit alkoholfreien Sorten, welche vor einigen Jahren noch verschrien waren. „In den letzten fünf Jahren haben sich die alkoholfreien Biere deutlich verbessert“, sagt Haußmann. Zwar hat laut ihr die Entwicklung dieser Biere Zeit beansprucht, doch dies zahlt sich durch den Erfolg aus. Mittlerweile sind bei ihr 28 Sorten alkoholfreies Bier permanent im Sortiment und für den Kunden verfügbar.

Aber kein Grund zur Sorge für Freunde des Vollbiers. Trotz der Veränderungen bleibt das bayrische Bier nach dem Reinheitsgebot von 1516 uns noch immer bestehen. So können wir voller Vorfreude auf das anstehende 189. Oktoberfest in München blicken und eine kühle Mass genießen. Michel Schmidt

Kommentare