„Unsere Wagen werden mit Böllern beschossen“

Nach Angriffen auf Einsatzkräfte: Das sagen Feuerwehr und Polizei zum möglichen Böllerverbot

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Hässliche Szenen: Chaoten haben in der Silvesternacht in Berlin Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei mit Böllern und Raketen attackiert.
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In der Silvesternacht haben Chaoten in Berlin Böller auf Einsatzkräfte geworfen. Nun wird ein Böllerverbot diskutiert. Was sagen Feuerwehr und Polizei im Landkreis München dazu?

Landkreis – In Berlin ist es in der Silvesternacht zu massiven Ausschreitungen gegen die Einsatzkräfte gekommen. Polizisten und Feuerwehrleute wurden beim Löschen eines brennenden Autos „massiv mit Böllern angegriffen“, twitterte die Polizei. Insgesamt wurden 19 Beamte verletzt. Die Übergriffe haben eine erneute Diskussion über ein Böllerverbot entfacht. Wie stehen Polizei, Feuerwehr und Sanitäter im Landkreis München dazu?

Die Polizei in Ottobrunn fürchtet einen Trend. „Die Ausschreitungen gegenüber unseren Einsatzkräften waren in der Silvesternacht nicht so hoch wie in anderen Bundesteilen“, sagt Armin Ganserer, Leiter der Ottobrunner Polizeiinspektion. „Wir stellen aber fest, dass die Leute aggressiver und respektloser uns gegenüber werden.“ Die Böller seien die nächste Eskalationsstufe. Ganserer ist daher für ein Böllerverbot. Neben dem Verletzungspotenzial spielt ihn auch ein anderer Aspekt eine Rolle. „Die Kollegen von der Feuerwehr helfen und retten freiwillig. Die Ehrenamtlichen überlegen sicherlich, ob sie den Job unter diesen Voraussetzungen weitermachen wollen.“

„Das Böllern artet immer weiter aus“

Markus Brandstetter, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterschleißheim, sieht das ähnlich. „Das Böllern artet immer weiter aus. Das hat nichts mehr mit einem Feuerwerk zu tun.“ Insgesamt sei Unterschleißheim bis auf drei kleinere Brände von größeren Einsätzen verschont geblieben. Es wurden keine Einsatzkräfte verletzt. Brandstetter ist trotzdem für ein Böllerverbot. Jedes Jahr ab Verkauf der Feuerwerkskörper bis einige Tage nach Silvester bereite sich die Feuerwehr auf Einsätze vor. „Es ist wie ein Lottospiel. Wir warten nur darauf, dass irgendwann etwas Größeres passiert und die Existenz von Menschen zerstört wird.“

An Silvester musste die Feuerwehr im Landkreis 40 Mal ausrücken. Insgesamt blieb man von größeren Bränden verschont. Die Einsatzkräfte wurden nicht gezielt angegriffen. Für Harald Stoiber, Kreisbrandrat und ranghöchster Feuerwehrmann im Landkreis, stellt sich die Frage nach einem Böllerverbot daher nicht. „Wir konnten ganz normal arbeiten. Warum soll die Bevölkerung unter den Taten einzelner übergriffiger Bürger leiden?“ Stoiber sieht keinen Trend von Übergriffen in der Region. Die Taten in Berlin sollten nicht mit dem Landkreis verglichen werden. „Wir sind nicht von diesen Ausschreitungen betroffen. Es macht keinen Sinn, die Übergriffe auf unseren Landkreis zu übertragen.“

Johanniter: Rettungswagen werden mit Böllern beschossen“

Allerdings gibt es die auch hier, berichtet Marcus Hiltermann vom Johanniter-Regionalverband München. Bis auf die Coronajahre komme es jedes Silvester zu Übergriffen auf die Sanitäter. Auch in diesem Jahr, das sei nichts Besonderes. „Unsere fahrenden Wagen werden mit Böllern beschossen“, sagt Hiltermann. „Wenn auf den Straßen geschossen wird, blockiert das die Fahrt.“ Das erschwere die Arbeit. „Wir wollen helfen. Aber bei solchen Aktionen fehlen mir die Worte.“ In der Silvesternacht stocken auch die Sanitäter die Einsatzkräfte auf. Hiltermann und seine Kollegen sprechen sich daher für ein Böllerverbot aus, nicht nur seit dem letzten Silvester.

Polizist Ganserer und Feuerwehrmann Brandstetter sind derweil für organisierte Feuerwerke: Eine Kommune richtet ein Feuerwerk im Ortskern aus, im Privaten ist das Böllern verboten. Vorreiter für ein kommunales Feuerwerk sind die Gemeinden Haar und Brunnthal (siehe unten). Am Haarer Anger veranstaltete die Gemeinde eine Feuershow mit Akrobaten und Musik. Die Feuerwehr Brunnthal hat zum professionellen Feuerwerk im Freizeitpark eingeladen.

Alternativen zum privaten Feuerwerk kommen gut an

Die Gemeinde Haar hat für die Bürger jahrelang ein Feuerwerk im Sportpark Eglfing ausgerichtet. Dieses Silvester hat sie zum ersten Mal am Haarer Anger eine Feuershow veranstaltet. Akrobaten bewegten sich zur Musik und zelebrierten Künste mit dem Feuer. Statt Feuerwerkskörper zu kaufen, können die Bürger das Geld für bedürftige Bürger spenden. Unter der Aktion „Haar hält zusammen“ erreicht die Spende in diesem Jahr Menschen, die die gestiegenen Lebenshaltungskosten in finanzielle Not bringen. Die Show war gut besucht und ist bei den Bürgern gut angekommen, heißt es aus dem Rathaus.

Auch die Freiwillige Feuerwehr Brunnthal hat zum Silvester-Feuerwerk eingeladen und vorab einen Spendenaufruf gestartet, um die Kosten zu decken. „Das Feuerwerk war ein voller Erfolg“, sagt Thomas Mayer, Vorsitzender der Feuerwehr Brunnthal. Gut 2500 Euro sind bei der Spendenaktion zusammengekommen. Sogar Bürger aus den umliegenden Orten sind kurz vor Mitternacht zum Freizeitpark der Gemeinde spaziert, um das Feuerwerk zu sehen. Zum ersten Mal veranstaltete die Feuerwehr das Feuerwerk vor der Pandemie. Im nächsten Jahr wird sie ihr 150-jähriges Bestehen mit dem Feuerwerk einläuten. ot

Lesen Sie auch: In Ottobrunn hat ein Trio mit einer Feuerwerksbatterie quer über einen Parkplatz geschossen - eine Frau fand gerade noch hinter ihrem Auto Deckung.

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