Inzidenz steigt stark – Forderung nach Wiedereinführung der Maskenpflicht
Dachau – Die Koordinierungsgruppe Pandemie steckt derzeit mitten in den Vorbereitungen auf den nächsten Corona-Herbst.
Wie die Leiterin des Dachauer Gesundheitsamtes, Dr. Monika Baumgartner-Schneider, während der jüngsten Besprechung erklärte, liege die vom Robert-Koch-Institut berechnete Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei über 1000, Tendenz weiter steigend. Allerdings müsse man davon ausgehen, dass die wahre Inzidenz m Landkreis „mindestens doppelt, wenn nicht sogar dreifach so hoch ist sein könnte“ wie die zuletzt veröffentlichten 1000, so Baumgartner-Schneider.
Von den hohen Infektionen besonders betroffen ist nach den Worten der Gesundheitsamtsleiterin aktuell die Altersgruppe der 19- bis 59-Jährigen. Grund: Diese Gruppe ist aufgrund von Beruf und Freizeit viel unterwegs und hat daher auch viele Kontakte. „Durch den Wegfall nahezu aller Beschränkungen und Regelungen gibt es derzeit in den meisten Bereichen praktisch keine Schutzmaßnahmen mehr“, erläuterte Baumgartner-Schneider weiter.
Den derzeit hohen Personalausfall aufgrund von Erkrankungen – nicht nur Corona – im Rettungsdienst, in den Kliniken und im Gesundheitsamt thematisierte BRK-Kreisgeschäftsführer Dennis Behrendt: „Obwohl wir als BRK-Rettungsdienst im Landkreis Dachau grundsätzlich sehr stabil aufgestellt sind, arbeiten wir am Limit. Und das mit dem Wissen, dass das Geschehen im Herbst definitiv noch intensiver wird.“
Landrat Stefan Löwl machte dies wütend: „Der Rettungsdienst wird durch die Krankenkassen finanziert und steht seit Jahren unter hohem Kostendruck, obwohl die Belastung sehr hoch ist.“ Für ihn sei es unverständlich, dass „hier offenen Auges Personalengpässe generiert werden“. So könnte das BRK zum Beispiel acht Notfallsanitäter pro Jahr auszubilden, bekomme jedoch aktuell nur sechs Ausbildungsplätze von den Krankenkassen genehmigt.
Alexander von Freyburg, Leiter der Nothilfe im Klinikum Dachau, machte einen Vergleich zum Vorjahr: Habe im Juli 2021 ein Patient auf Normalstation und einer in der intensivmedizinischen Betreuung gelegen, seien es am 13. Juli 22 Patienten auf der Normalstation und zwei im Intensivmedizinischen Zentrum gewesen. Auch im Helios Amper-Klinikum sei seit gut zwei Wochen wieder ein Anstieg der Fallzahlen zu vermelden.
Besorgt sind auch die Hausärzte im Landkreis, denn im Vergleich zu den Vorjahren komme derzeit – neben den Corona-Patienten – eine für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Zahl an Patienten mit anderen Atemwegsinfektionen in die Praxen. „Unser körpereigener Schutz, unter anderem vor der Influenza oder anderen Erkrankungen, ist durch die Hygienemaßnahmen der vergangenen beiden Jahre zurückgegangen. Damit kann uns neben einer neuen Corona-Variante diesen Herbst auch die Grippe deutlich stärker als in den vergangenen Jahren zu schaffen machen“, erläuterte Dr. Stephan Herf. Alle Ärzte appellierten daher, die Impfangebote für Corona und Grippe wo immer möglich zu nutzen. Nach Meinung der Ärzte ist es in diesem Zusammenhang gerade auch für die älteren Mitbürger nicht ratsam, auf einen neuen, vermeintlich besseren Impfstoff im Herbst zu warten.
Alle Mitglieder der Koordinierungsgruppe Pandemie forderten außerdem, dass spätestens zum Herbst die Möglichkeit zur Anordnung einer Maskenpflicht in Innenräumen zurückkommt. „Aktuell können wir als Behörde nur appellieren, haben jedoch keinerlei rechtliche Reaktionsmöglichkeiten,“ so Landrat Löwl mit Blick auf das aktuelle Infektionsschutzgesetz. Versorgungsarzt Dr. Christian Günzel zeigt den Weg auf: „Wir müssen jetzt aktiv werden: Start der vierten Impfung, niederschwelliges und vor allem kostenloses Testen und Masken sind die Maßnahmen, welche es zu nutzen gilt.“
dn