VonThomas Steinhardtschließen
Der Restmüll der Landkreis-Bürger wird bei einer Inhaltsanalyse genau unter die Lupe genommen. Hintergrund ist vor allem der Wunsch, mehr Biomüll, beziehungsweise Grüngut zu sammeln – aber es gibt auch andere Fragen.
Fürstenfeldbruck – Die Analyse des Restmülls aus den graunen Tonnen soll ergeben, was die Bürger alles darin entsorgen – und was damit am Trennsystem vorbeigeht. Kurz gesagt: Landen im Restmüll auch Dinge, die eigentlich gar nicht rein gehören, sondern extra entsorgt werden sollen? Zum Beispiel Plastikbehälter. Wie groß ist der Anteil an Küchenabfällen, wie viele Gartenreste (Laub, Äste, Gras) landen in den grauen Tonnen, anstatt im Kompost oder im Biomüllsack? Sind gar Batterien oder Papier unterm Restmüll?
Dabei muss aber niemand Angst haben, dass quasi personen- oder haushaltscharf genau die Tonne vor der eigenen Haustüre durchleuchtet, und er als Müllsünder entlarvt wird, erklärt Sabine Schulz-Hammerl, die Leiterin des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB), auf Nachfrage. Aufgeteilt wird aber trotzdem. Einmal danach, ob der Müll aus einer eher ländlich oder städtisch geprägten Gegend stammt und zum anderen nach jahreszeitlichen Abläufen. Denn ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist, dürfte gerade den Eintrag von Grüngut in den Restmüll erheblich beeinflussen.
Der zu analysierende Müll wird womöglich auf dem Gelände der GfA in Olching, ausgekippt, gesiebt und händisch von Mitarbeitern untersucht. Auf diese Weise könne man Erkenntnisse über weitere Notwendigkeiten gewinnen, sagte Schulz-Hammerl – andere Landkreise haben solche Analysen schon gemacht.
So werde klar werden, wie viele (energetisch interessante) Küchenabfälle wirklich im Restmüll landen, oder auch, ob in Sachen Mülltrennung ganz allgemein neue Info-Kampagnen nötig sind. Die Analyse soll auch die Zeitpunkte vor und nach dem Wegfall des Eigenkompostiertbonus berücksichtigen. Daran wird sich ablesen lassen, inwieweit sich der Wegfall der Preisprivilegierung von Selbst-Kompostierern auf den Müll auswirkt.
Grüne lehnen Bürgerbefragung ab
Der Werkausschuss des Kreistags billigte jetzt dieses Vorgehen. Er nahm außerdem den Bericht eines externen Gutachters (Bifa-Umweltinstitut) zur Kenntnis. Demnach ist die Art, wie der Landkreis derzeit Grüngut und Küchenabfälle sammelt, wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll. Das Bringsystem für Grüngut und das Holsystem mit Biosack samt optionalem Anti-Zefledder-Tönnchen gilt bei Experten also weiterhin als gut. Das bestehende System solle daher noch optimiert, aber nicht gänzlich verändert werden, so der Tenor. Die von der UBV und den Grünen geforderte flächendeckende Biotonne samt Bau einer Vergärungsanlage wird es damit auf absehbare Zeit nicht geben, wobei die Restmüllanalyse auch hier neue Erkenntnisse bringen könnte. Ingrid Jaschke (Grüne) und Jakob Drexler (UBV) freilich zogen die dargelegten Studien-Ergebnisse und die darin enthaltenen Zahlen immer wieder in Zweifel. Drexler geht etwa davon aus, dass wegen des bestehenden Systems große Mengen vergärbaren Materials nicht für die Energiegewinnung zur Verfügung stehen. Er beharrt auf der Einführung einer Biotonne für alle.
Gestrichen indes wurde auf Drängen namentlich Ingrid Jaschkes die vom AWB gewünschte Bürgerbefragung. Sie sollte die Zufriedenheit der Leute mit dem existierenden Abfallwirtschaftskonzept untersuchen. Jaschke aber hatte Zweifel an der Sinnhaftigkeit telefonischer Befragungen, deren Ergebnisse doch nur von der Fragestellung abhängen würden und setzte sich damit im Ausschuss (wohl auch aufgrund eines zu diesem Zeitpunkt allgemeinen Interesses an Konfliktvermeidung) durch. AWB-Chefin Sabine Schulz-Hammerl bedauerte das tags darauf im Gespräch mit dem Tagblatt allerdings ein wenig. Es gebe normierte Befragungen, die sehr wohl belastbare Ergebnisse hervorbrächten, sagte sie. „Ich hätte gern bürgerorientiert gearbeitet.“
