Weitere Konkurrenten für Landrat Stefan Löwl

Landratswahl 2020: Wagner und Liebl wollen Landratsjob

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Achim Liebl (links) ließ sich herzlich gratulieren, Dagmar Wagner (rechts) bekam Blumen.

Stefan Löwl (CSU) hat zwei weitere Konkurrenten bekommen, die ihm seinen Posten als Landrat streitig machen. Achim Liebl (Grüne) und Dagmar Wager (Freie Wähler) sind nun nominiert.

VON INGRID KOCH
UND THOMAS ZIMMERLY

Landkreis – Nun sind es also schon drei Kandidaten, die Landrat Stefan Löwl bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 aus seinem schmucken Büro im Landratsamt vertreiben wollen. „Mit vollem Engagement“ strebt Achim Liebl für Bündnis 90/Die Grünen den Job als Hauptverwaltungsbeamter des Landkreises Dachau an. „Voller Energie“ probiert es Dagmar Wagner für die Freien Wähler. Nicht zu vergessen: Da ist noch Hubert Böck von der SPD, der wie von der Heimatzeitung berichtet schon im Juni „vollen Einsatz“ versprochen hatte, sollte er Chef der aktuell 580 Mitarbeiter in den Räumen am Weiherweg werden.

Achim Liebl (Grüne)

Die Grünen machten bei ihrer Nominierungsversammlung am Dienstagabend nicht viel Federlesen. Der Kreisverband wählte den 60-jährigen Kreisrat im Zieglerbräu nach kurzem, schriftlichem Wahlgang mit der überwältigenden Mehrheit von 21:0 Stimmen zu ihrem Löwl-Herausforderer. Liebl, der verheiratet ist und zwei erwachsene Töchter hat, ist „seit 2009 Grüner“, wie er sagt. Seit 2014 sitzt er im Kreistag. Der studierte Informatiker war zuletzt Manager einer Softwarefirma. „In meinem Job habe ich mich aber zunehmend zurückgenommen, weil ich mein Engagement politisch und bürgerschaftlich verstärken will“, so der Kandidat, der jetzt als Selbstständiger arbeitet.

In seiner Bewerbungsrede war Liebl auf seine politischen Ziele eingegangen. Grundsätzlich wolle er den Wachstumsdruck mit Nachhaltigkeit vereinen. Im Besonderen wolle er sich beispielsweise für bezahlbaren Wohnraum einsetzen. Hierbei gelte es, die Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises zu stärken. Oberstes Ziel beim Verkehr sei es, diesen zu vermeiden. Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, mehr Radwege, die Schaffung von Schnellradwegen sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur sind die Stichpunkte. Investitionen in neue Straßen werde es mit ihm nur in Ausnahmefällen geben, so Liebl, dem klar ist, dass das alles viel Geld kostet. „Ohne Schulden“, meinte er, „werden wir das nicht hinbekommen.“

Die Fraktionsvositzende der Grünen im Kreistag, Marese Hoffmann war höchst erfreut über Liebls Nominierung: „Ich arbeite jetzt schon so lange mit dem Achim zusammen, und ich sage: Er ist ein hervorragender Kollege. Er wäre ein sehr guter Landrat, und ich bin sehr froh, dass er für uns kandidiert.“

Die Aufstellungsversammlung der Kandidatenliste für den Kreistag erfolgt bei den Grünen am Mittwoch, 6. November, 19.30 Uhr, ebenfalls im Zieglerbräu.

Dagmar Wagner (FW)

Dagmar Wagner aus Kreuzholzhausen ist von Kreisverband und Kreisvereinigung der Freien Wähler im Landkreis Dachau als Landratskandidatin für die Kommunalwahlen nominiert worden. Die 28 Wahlberechtigten bei der Versammlung im Gasthaus Groß in Bergkirchen votierten geschlossen für die 49-Jährige.

Kreisvereinigung und Kreisverband streben überdies an, eine gemeinsame Liste aufzustellen, weil sie sich dadurch bessere Chancen erhoffen. Sie firmieren als „Freie Wähler Dachau e.V“. Der Beschluss erfolgte bei fünf Gegenstimmen.

„Wir heben uns von den anderen ab, denn wir schicken als einzige eine Frau ins Rennen“, so die Kreisvorsitzende Martina Purckhardt. Vor sechs Jahren war Michaela Steiner FW-Kandidatin gewesen. Die Aufstellung der Kreistagsliste ist für Mittwoch, 27. November, geplant. Bisher konnten erst 60 Kandidaten gefunden werden. Mehr als 70 sind erforderlich.

Dagmar Wagner wurde 2014 für die SPD in den Bergkirchner Gemeinderat gewählt. Nachdem sie aus Unzufriedenheit mit der Großen Koalition aus der Partei ausgetreten war, wurde sie 2015 Mitglied bei den Freien Wählern. Einen Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit sieht sie in der Förderung der Landwirtschaft. Die 49-jährige Diplom-Agraringenieurin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie stammt aus Marl/Westfalen und lebt seit 2003 in dem 220-Einwohner-Dorf Kreuzholzhausen.

Dort betreibt sie mit ihrem Mann den Berglbauernhof. Sie ist qualifizierte Erlebnisbäuerin, staatlich zertifizierte Waldpädagogin und setzt sich für nachhaltige Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung ein. „Als Landwirtin habe ich den schönsten Beruf“, sagt sie, obwohl es „kein einfacher Job“ sei, von dem die Öffentlichkeit oft ein falsches Bild zeichne.

Hauptberuflich arbeitet sie als Geschäftsführerin beim Bayerischen Bauernverband in München. „Verwalten und Gestalten“ seien ihre wesentlichen Aufgaben.

Trotz des Siedlungsdrucks sei maßvolles Wachstum anzustreben, bezahlbarer Wohnraum zu schaffen, etwa durch den Bau von Mehrgenerationenhäusern. Wagner fordert ein „tragbares Konzept“ für den Öffentlichen Nahverkehr, damit die Zahl der Pendler nicht noch mehr zunehme. „Ich möchte Landrätin werden, um das Leben im Landkreis lebens- und liebenswert zu gestalten“, so Wagner. Dabei sei sie sich der großen Herausforderung als Landrätin bewusst.

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