Interview mit Sandra Meissner

Kampf um den Posten des Landrats: „Die Kür macht den Unterschied“

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Sandra Meissner (50) möchte Landrätin für die Freien Wähler werden.
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Sieben Kandidaten bewerben sich im Landkreis Fürstenfeldbruck um das Amt des Landrats. Darunter der Amtierende selbst. Das Tagblatt hat allen Kandidaten Fragen zu ihrem Programm gestellt. Heute: Sandra Meissner (FW).

Frau Meissner, Sie haben im Wahlkampf einige Male angedeutet, einiges anders als der Amtsinhaber machen zu wollen. Was meinen Sie damit konkret?

Das Amt der Landrätin oder des Landrats bietet über den Tellerrand hinaus große Möglichkeiten, neue Perspektiven für den Landkreis zu schaffen. Es bleibt der jeweiligen Amtsinhaberin oder dem Amtsinhaber unbenommen sich immer auch überörtlich für die Belange des Landkreises einzusetzen, wie etwa für den viergleisigen Ausbau der S4 bis Fürstenfeldbruck. Hier treffen die Auswirkungen eines unzureichenden Ausbaus alle Landkreisbürgerinnen und- bürger täglich. Sich hier allein auf Moderation bei übergreifenden Themen zurückzuziehen halte ich grundsätzlich für zu schwach. Die Pflichtaufgaben des Amts sind gesetzlich definiert und müssen selbstverständlich erledigt werden. Die Kür aber macht erst den Unterschied aus.

Eines Ihrer Leitbilder ist Bürgernähe. Wie möchten Sie das als Landrätin umsetzen?

Bürgernähe ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich setze auf den ständigen Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Ehrenamt auf Augenhöhe. Aus diesem Grund halte ich es für notwendig, dass eine Landrätin oder ein Landrat mindestens einmal im Jahr in jeder Landkreiskommune vor Ort ist. Hierzu möchte ich eine Bürgersprechstunde mit der jeweiligen Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister etablieren, um unkompliziert Gelegenheit zum Austausch zu geben. Bürgernähe bedeutet aber für mich auch Bürgerbeteiligung an regelmäßigen runden Tischen mit Ehrenamtlichen und sogar auch finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten etwa an landkreiseigenen Anlagen zur Gewinnung von regenerativer Energie in genossenschaftlicher Form.

Wie die Grünen nennen auch Sie den Klimaschutz als eines Ihrer Ziele. Was unterscheidet Sie von der Ökopartei?

Als Erste Bürgermeisterin von Kottgeisering habe ich hier immer einen pragmatischen Ansatz gewählt. Als Juristin kenne ich die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen, zum Beispiel für die Umstellung von landkreiseigenen Liegenschaften auf die Nutzung von regenerativen Energien. Ich kenne die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Bau von Windkraftanlagen genauso wie für Photovoltaik in der Freifläche. Ich erhebe nicht den grünen Zeigefinger mit Verboten, und baue auch keine Wolkenschlösser, sondern setze konsequent um, was tatsächlich machbar ist. Klimaschutz hat für mich höchste Priorität. Nicht die Ziele machen den Unterschied, sondern die durchdachte und fundierte Umsetzung des wirklich im Landkreis Machbaren.

Sie fordern, den Ausbau der S 4 bis Fürstenfeldbruck kompromisslos durchzusetzen. Was könnten Sie als Landrätin hierbei leisten?

Fürstenfeldbruck ist einer der bevölkerungsreichsten Landkreise in Oberbayern. Wenn hier die Kräfte richtig und zielführend gebündelt werden, erhält die Stimme einer Landrätin oder eines Landrats auch angemessen Gehör im zuständigen Ministerium und im Landtag. Zu diesem Zweck müssen alle am besten parteiübergreifend an einem Strang ziehen. Hierzu ist es notwendig, dass alle Bürgermeister der beteiligten Kommunen, die Landtagsabgeordneten und die Interessensverbände so schnell als möglich ein Positionspapier verfassen, um damit Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben. Einzelaktionen von Bürgermeisterkollegen sollten gebündelt werden, um künftig Erfolge zu erzielen.

Als eines Ihrer Ziele nennen Sie eine „neue Willkommenskultur für Unternehmer“. Wie soll diese Willkommenskultur aussehen?

Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat jetzt schon seit Jahren die höchste Auspendlerquote im Ballungsraum München. Fachkräfte verlassen jeden Tag den Landkreis, um zur Arbeit zu fahren. Die Unternehmen benötigen Fachkräfte. Hierfür muss dringend auch der Arbeitsmarkt für Ausländer und Flüchtlinge stärker geöffnet werden. Die Schaffung von liberalen Möglichkeiten zur Fachkräfteintegration, flexible Betreuungsangebote für Schulkinder auf landkreiseigenen Schulen oder bessere Ausstattung von Berufsschulen sind hier notwendige Bausteine. Wichtig für Unternehmen ist eine unkompliziert funktionierende Verwaltung, zum Beispiel durch Ausweitung digitaler Angebote für Unternehmen. Im Landkreis Fürstenfeldbruck muss dringend an der allgemeinen Infrastruktur gearbeitet werden. Konsequenter Ausbau des ÖPNV, des Glasfasernetzes und gezielte Beratungsangebote für Unternehmen sind hierzu unabdingbar.

Bei der Schaffung sozialen Wohnraums setzen Sie auch auf die Wohnbaugesellschaft des Landkreises. Wie konkret sind hierbei Ihre Vorstellungen?

Grundsätzlich liegt die Aufgabe, Wohnraum zu schaffen bei den Kommunen. Durch die Schaffung der interkommunalen Wohnungsbaugesellschaft hat sich hier für den Landkreis ein Fenster geöffnet, um aktiv gemeinsam mit den Kommunen sozialen Wohnungsbau zu betreiben. Die neu gegründete Gesellschaft hat zum einen die Aufgabe, Liegenschaften zu verwalten und zum anderen Wohnungen zu bauen. Hier werde ich darauf drängen, dass bei Neubauten 30 Prozent für sozial Benachteiligte zur Verfügung gestellt werden. Und ich möchte auch den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit geben, sich finanziell, zum Beispiel im Genossenschaftsmodell, aktiv zu beteiligen.

Im Kreistag haben die Freien Wähler zuletzt sehr häufig zusammen mit der CSU votiert. Was unterscheidet Sie eigentlich von den Christsozialen?

Die Freien Wähler unterscheiden sich in einem Punkt ganz erheblich von allen anderen Parteien. Wir versuchen, nicht von oben nach unten Gesetze auf die Bürgerinnen und Bürger aufzusetzen. Wir Freien Wähler nehmen vor Ort in den Kommunen und im Kreistag durch unsere Mandatsträgerinnen und -träger die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auf, und bringen diese in das Gesetzgebungsverfahren zum Wohle aller ein. Mit dieser Vorgehensweise können wir sicher sein, nicht an den tatsächlichen Bedürfnissen unserer Bürgerinnen und Bürgern vorbei zu agieren.

Wenn Sie Landrätin werden: Wie sähe Ihr erster Arbeitstag aus?

Das Wichtigste in einer Behörde sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nur in einem guten und offenen Betriebsklima werden innovative Ideen nicht im Ansatz erstickt und neue Wege mutig vorgeschlagen. Aus diesem Grund werde ich die Gelegenheit nutzen, um mit möglichst vielen meiner neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv ins Gespräch zu kommen.

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