VonSebastian Tauchnitzschließen
In einer Serie zur Landtagswahl stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Weilheim vor. Heute: Gregor Schulze-Hädrich aus Weilheim von der Tierschutzpartei.
Landkreis – „Tiere haben ihren eigenen Willen“, sagt Gregor Schulze-Hädrich. Der Beweis dafür maunzt unter dem Gartenstuhl. Lucy, die rabenschwarze Familienkatze mit den grünen Augen, soll mit aufs Foto. Aber sie hat keine Lust. Einfach hochheben und rübertragen? „Da steht sie gar nicht drauf“, sagt der Landtagskandidat der Tierschutzpartei. Auf Leckerlis steht die schwarze Schönheit allerdings sehr: Kaum knistert die Verpackung, kommt sie ganz brav angelaufen.
„Wir hatten eigentlich immer Katzen zu Hause“, sagt Gregor Schulze-Hädrich. Dadurch habe er von Kindesbeinen an gelernt, „dass ein Tier mehr ist als sein Körper“. Da war der Weg zur Tierschutzpartei wohl vorgezeichnet. Drei Mitglieder hat sie im Landkreis Weilheim-Schongau. Schnell war klar, dass der 20-jährige Weilheimer bei den Landtagswahlen an den Start gehen soll. Auch wenn er nicht nur Direktkandidat ist, sondern auch auf Platz 3 der Landesliste steht – große Illusionen, dass er ab Herbst im Maximilianeum sitzt, macht sich Schulze-Hädrich nicht.
Denen eine Stimme geben, die keine haben
Aber darum geht es auch gar nicht, sagt er. „Wir wollen denen einen Stimme geben, die selbst keine haben.“ Tieren, Alleinerziehenden, Mitgliedern der LGBTQ-Bewegung, „allen marginalisierten Gruppen. Wenn ich gewählt werde, würde ich dafür sorgen, dass über die Themen geredet wird, die diesen Gruppen wichtig sind.“
Sicherheitshalber hat Schulze-Hädrich natürlich auch einen Plan B im Gepäck. Nach dem Abschluss der Montessori-Schule habe er sich ausprobiert, berichtet er. Hat im Corona-Testzentrum gearbeitet, eine Ausbildung im Fitnessstudio begonnen, jetzt jobbt er gerade als Fahrgastbefrager bei der Bahn. Zum Beginn des Wintersemesters will er an der LMU ein Studium aufnehmen – Politikwissenschaft und Soziologie.
Parteiprogramm ist „eine Idealvorstellung“
Beim Grundsatzprogramm der Tierschutzpartei ist er schon sattelfest und diskussionsbereit. Auf die Frage, ob es denn der richtige Ansatz sei, intensiv mit Verboten zu arbeiten – tierloser Landbau, vegane Lebensform, keine Tierversuche, keine Jagd, kein Angeln, keine Tiere in Zoos oder Zirkus – antwortet er: „Das Programm ist eine Idealvorstellung, die wir anstreben. Viel wichtiger ist es, sich endlich auf den Weg zu machen, um das Ziel zu erreichen.“ Die heutige Landwirtschaft lauge die Erde aus und sei in keinster Weise nachhaltig, die Tiere würden allzu oft ausgebeutet, erklärt er.
Die Agrarförderungen würden den Status quo zementieren, wer keine Tiere halte, dem drohe die Pleite. „Wir glauben, dass Tiere eine komplexe Wahrnehmung haben. Das zeigt sich unter anderem dadurch, dass sie Bindungen eingehen, ein Sozial- und Spielverhalten haben.“ Schweine beispielsweise seien „schlauer als Hunde. Und dennoch würden wir unsere Hunde nie so behandeln wie Schweine“.
Zu viele Nahrungsmittel wandern in den Müll
Wie sollen neue Medikamente entwickelt werden, wenn es keine Tierversuche mehr gibt? „Schon heute sind die allermeisten Tierversuche bei der Medikamentenentwicklung überflüssig. Technik und Wissenschaft entwickeln sich weiter.“
Der Kandidat kommt in Fahrt. Mit fester Stimme und ausladenden Gesten erklärt er seine Vorhaben: „In Weilheim gibt es keinerlei Food-sharing. Nahrungsmittel, die noch vollkommen in Ordnung sind, wandern in den Müll, während es bei den Tafeln Wartelisten gibt.“ Das müsse sich ändern.
Schulze-Hädrich ist also ganz offensichtlich inhaltlich bestens aufgestellt. Dennoch habe er noch nicht „das passende Mindset“ für den Wahlkampf gefunden, räumt er ein. Konkrete Planungen für Wahlkampfstände, Flyer oder Diskussionsrunden hat er nicht. „Es ist meine erste Kandidatur, da geht es auch darum, Erfahrungen zu sammeln“, sagt der Tierschützer.
Die schöne Lucy, die ist in diesem Moment schon längst wieder ihrem Willen gefolgt und streunt durch die benachbarten Gärten.
Sechs Fragen an Gregor Schulze-Hädrich
Verkehr: Wie kann der ÖPNV gestärkt werden?
Subventionen im Bereich des ÖPNV sind notwendig, dass wir ein bestehendes Netz ausbauen können – u.a. doppelgleisiger Ausbau, um Verspätungen zu verringern. Ebenso die Einführung von Ruf-Bussen, welche nur bei Notwendigkeit fahren. Auch die Abstimmung der Taktung des ÖPNV, sodass das Netz in sich Sinn ergibt, ist eine sinnvolle Maßnahme.
Wohnen: Was muss passieren, damit sich Normalverdiener noch eine Wohnung (gekauft oder gemietet) leisten können?
Insbesondere bei privatem und sozialem Wohnungsbau sollten Steuererleichterungen einen finanzierbareren Ausbau, vor allem jedoch mehr sozialen Wohnungsbau, ermöglichen. Weiterhin können Maßnahmen wie eine größere Transparenz der Mieten bzw. Mietspiegel einen Einfluss nehmen. Ebenso sollten Mieter vor der Umlegung von Wohnungsmodernisierungen zu höherer Miete bewahrt werden. Wir als Partei fordern ebenso eine Art Mietendeckel.
Migration: Was ist in Bayern und vor Ort für die Integration von Flüchtlingen zu tun?
Definitiv können sich Veranstaltungen, die den Fokus auf interkulturellen Austausch haben und sich somit für mehr Eingliederung in die Gesellschaft einsetzen, genauso wie Programme zur Integration in den Arbeitsmarkt unter anderem mit Hilfe bzw. Trainingsangeboten positiv auf die Integration auswirken. Im Allgemeinen ist außerdem (Rechts-)Beratung und die Weiterführung und Ausweitung von Deutschkursen sinnvoll. Auch die De-Bürokratisierung z.B. einfache Antragsstellung online (Digitalisierung) hilfreich.
Umwelt: Wind, Solar, Wasser: Was wäre der beste Weg, damit der Landkreis bis 2035 klimaneutral ist?
Damit der Landkreis klimaneutral wird, sind auf jeden Fall Subventionen notwendig. Bei der Windkraft ist definitiv eine Abkehr der Landesregierung von der 10H-Regel federführend. Der Netzausbau insbesondere der speichernden Infrastruktur, wie auch von intelligenten Verteilersystemen wird benötigt. Der (öffentliche) Nah-Verkehr sollte durch ökologisierte Systeme Einfluss nehmen. Auch Foodsharing sollte als Maßnahme zur Minimierung des CO2-Abdrucks wie auch Energieverschwendung umgesetzt werden.
Erziehung: Wie kann die Betreuung in Kitas und Schulen angesichts des Personalmangels gewährleistet werden?
Mehreinbindung von alternativen pädagogischen Konzepten, die Wert auf selbstgesteuertes Lernen legen, welches eine zeitweise niedrigere Präsenz benötigt . Eine größere Einbindung von Eltern und Freiwilligen für z.B. administrative Aufgaben, diese sollten ebenso unterstützt werden durch Quereinsteigerprogramme für den Lehrerberuf, als auch für andere pädagogische Positionen. Auch das Ermöglichen von mehr Flexibilität wie Teilzeitmodellen kann helfen. Auch anderweitig müssen solche Stellen attraktiver gemacht werden.
Gesundheitsversorgung: Wie schaut die Krankenhaus-Landschaft in zehn Jahren im Landkreis aus?
Ich denke, dass insbesondere durch den Mangel an Gesundheitsfachpersonal auf dem Land es nur mit dem Zentralkrankenhaus in Weilheim ein funktionierendes System geben kann. Dort sollte unter anderem auch Wert auf die Ausbildung neuen Personals, in Form einer Art Ausbildungszentrum, als auch auf die Notfallmedizin gelegt werden. Um auf dem ländlichen Kommunalbereich Aushilfe zu verschaffen, sollte außerdem Telemedizin/E-Health angeboten werden.
