VonSebastian Tauchnitzschließen
In einer Serie zur Landtagswahl stellen wir alle Direktkandidaten aus dem Stimmkreis Weilheim vor. Heute: Harald Kühn von der CSU.
Landkreis – Er ist früh dran, der Harald Kühn. Bereits eine Viertelstunde vor dem Gesprächstermin steht er vor dem Ballenhaus in Schongau und unterhält sich mit den Leuten. Sie kennen ihn. Kein Wunder, vertritt Kühn doch seit mittlerweile zehn Jahren den Landkreis für die CSU im Landtag des Freistaats.
Vorher war Kühn, der in wenigen Tagen 60 wird, Bürgermeister von Murnau, später dann Landrat in Garmisch-Partenkirchen. Also ein CSU-Berufspolitiker wie aus dem Lehrbuch. Doch die Bezeichnung „Berufspolitiker“, die mag Kühn gar nicht: „Es ist kein Beruf. Es ist ein Amt, eine Aufgabe, die einem für eine bestimmte Zeit verliehen wird“, sagt er.
Seit zwei Amtszeiten sitzt Kühn im Landtag und mag gern noch eine dritte Periode dranhängen. Vermutungen, er könne in irgendeiner Form amtsmüde sein, weist er weit von sich: „Fad war mir in den vergangenen Jahrzehnten zu keiner Stunde.“
„Die CSU muss Volkspartei bleiben“
Schaut man sich die Kette an Krisen der vergangenen zehn Jahre an, glaubt man ihm das. Alles, was für die Ewigkeit schien, steht auf dem Prüfstand, muss sich neu erfinden. Auch die CSU. Die Zeiten, in denen mit Selbstverständlichkeit davon ausgegangen wurde, dass man ein Abonnement auf die absolute Mehrheit im Landtag hat, sind wohl vorbei.
Doch für einen Schwanengesang auf die Union sei es noch zu früh. „Die CSU ist stabil. Wichtig ist, dass die bürgerliche Regierung aus Union und Freien Wählern auch nach dem 8. Oktober fortgesetzt wird“, so Kühn.
Ein Thema liegt ihm da besonders am Herzen: „Die CSU muss Volkspartei bleiben.“ Wie früher, als von liberal bis stockkonservativ jeder seine politische Heimat in der CSU finden konnte. „Das war es, was mich damals auch angezogen hat. Der Gedanke, dass der Mensch im Mittelpunkt einer Entscheidung steht.“
Geht das, wenn man mit den Freien Wählern regiert, deren Chef Hubert Aiwanger ganz öffentlich davon fabuliert, man müsse sich „die Demokratie zurückholen“? „Wenn man sich die vergangenen fünf Jahre anschaut, dann haben wir – gerade auch im Vergleich zur Ampel in Berlin – gut und erfolgreich zusammengearbeitet“, sagt Kühn. Und definiert doch Leitplanken: „Das System der parlamentarischen Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft halte ich für ein außerordentlich gutes.“ Die Probleme unserer Zeit ließen sich nur mit Partnern lösen. Auch den Partnern innerhalb der EU.
Eines der drängendsten Probleme, sagt er, sei der Arbeitskräftemangel. Um dem zu begegnen, müsse man Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen intensiv fördern. Und ja, man brauche auch Zuwanderung: „Aber selektiv, nach unserem Bedarf.“ Dafür brauche es zudem auch weiter ein weltoffenes, tolerantes Bayern. Ein Land, in das man gern kommt.
Egal, bei welchem Thema: Kühn präsentiert sich trittsicher und entspannt
Eine klare Abgrenzung gegen die AfD und jedwede Form von Populismus: „Die Welt ist halt nicht einfach. Da bringt es gar nichts, einfach nur alles zu kritisieren, aber keine Vorschläge zu machen, wie man es besser gestalten könnte.“
Ein Beispiel: Immer wieder wird die überbordende Bürokratie beklagt. Kein Porträt von Kühn kommt ohne den Hinweis aus, er sei ein „Aktenfresser“. Das sei einfach die Folge davon, dass „wir in einer hochtechnisierten Gesellschaft leben“, keine bösartige Erfindung von Beamten oder Politiker, sagt Kühn. Läuft etwas schief, wird immer gefragt, wer verantwortlich sei, wer haftbar.
„Viele international tätige Unternehmen aus der Region klagen zwar über die Bürokratie in Deutschland, räumen aber auch die Vorteile ein, die eine extrem hohe Rechtssicherheit hier mit sich bringt.“ Es könne nicht darum gehen, Normen abzuschaffen. Sondern darum, sie besser zu machen, verständlicher, nachvollziehbarer.
Egal, welches Thema man streift – Wohnungsbau („Wir brauchen eine massive Unterstützung für Investitionen im privaten Bereich“), Mobilität „Autonomes Fahren wird alles verändern“) oder Energieversorgung („Das Thema wird nach der Wahl ordentlich Schubkraft entwickeln, da gibt es einen Riesendruck aus der Wirtschaft“) – Kühn präsentiert sich überall trittsicher und entspannt.
So, wie er auch ist, wenn er mal frei hat. Dann geht es raus in die Natur, in die Berge. Kühn schwärmt von Rad- und Bergtouren, kleinen Spaziergängen und großen Wanderungen. „Oben am Gipfel, da ist der Kopf frei.“
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