Serie zur Wahl: 30 Minuten mit ...

Auf ein Eis mit den Genossinnen

+
Der Einladung in die Eiswerkstatt folgte unter anderem die SPD-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Leni Breymaier (4.v.r.). Dort sprach Landtagskandidatin Christiane Kern (3.v.l.) mit Genossinnen über Gleichstellung.
  • schließen

Wir begleiten die Landtagskandidaten unseres Stimmkreises bei ihrem Wahlkampf – eine halbe Stunde lang, die Aktion schlägt der Politiker vor. Heute: Christiane Kern (SPD) bei einem Eis mit Genossinnen.

Starnberg – 25 Besucher warten vor der vollen Eiswerkstatt, um sich anstellen zu können. Wer sich durch die Menge kämpft, erspäht hinten in dem Eiscafé am Starnberger Kirchplatz einen achtköpfigen Sitzkreis. Tiefe Sessel, gemütliches Licht, wie ein Kaffeekränzchen im heimischen Wohnzimmer. Landtagskandidatin Christiane Kern (SPD) hat Genossinen eingeladen, um über Gleichstellung zu sprechen.

Polizei-Kolleginnen in Ost-Deutschland lachen: „Ihr Bayern...“

„Das Thema interessiert leider nur wenige“, warnt Kern. Sie ging auf Nummer sicher und hat Menschen eingeladen, die sich definitiv für den Titel („Frauen leben länger – aber wovon?“) interessieren. Die 45-Jährige selbst sieht aus wie eine Überzeugungstäterin: Weste in SPD-Rot, auf ihrem T-Shirt steht „Make feminism great again“. Es ist praktisch, dass alle um den dunkelbraunen Tisch der gleichen Meinung sind: Es muss mehr für die Gleichstellung von Frauen und Männern getan werden. „Die ist in Bayern im Schneckentempo vorangekommen“, sagt Kern in die Runde. Die Kriminalhauptkommissarin berichtet von eigenen Erfahrungen: Im Polizeidienst gebe es nur 20 Prozent Frauen. Männer würden ohnehin bessere Beurteilungen bekommen und die Karriereleiter hinaufsteigen.

Seit über 20 Jahren setze sie sich in der Gewerkschaft ein. „Wir haben keinen Ausschuss im Landtag, in dem es um Frauen geht“, moniert Kern. „Der Gleichstellungsfaktor ist nirgends drin. Kolleginnen aus den Ost-Ländern lachen mich aus und sagen: Ihr Bayern...“ Von der CSU habe sie in der Sache nur die Rückmeldung bekommen, dass doch alles passe. „Wenn die Männer unser Problem hätten, hätten sie es schon gelöst.“ Den weiteren Dialog moderiert die Münchnerin dann eher, lässt die Genossinnen zu Wort kommen und kann sich zwischendurch ihrem Erdbeereis widmen. Die Frauen schlagen in eine ähnliche Kerbe: Starnbergs SPD-Stadträtin Christiane Falk fordert kostenlose Kindergärten, Bezirkstagskandidatin Sissi Fuchsenberger aus Berg lobt Männer in Elternzeit („Sollte eine Selbstverständlichkeit sein“). Es müsse sich mehr tun, der Meinung sind in der Eiswerkstatt alle. So richtig wütend klingt Kern dann nicht, als sie sagt: „Mich regt es maßlos auf – unser Gleichstellungsgesetz ist ein zahnloser Tiger.“

Kern: „Wir lassen uns nicht entmutigen“

Etwas emotionaler wird es, als Leni Breymaier darüber spricht, wie Frauen 1918 für das Frauenwahlrecht demonstrierten und dabei bespuckt wurden. Heute sei es viel leichter, zu demonstrieren, betont die Vorsitzende der SPD in Baden-Württemberg. „Den Frauen von damals sind wir es schuldig, mutiger zu sein.“ Mit ihrem schwäbischen Dialekt „schwätzt“ sie minutenlang über die Rente (Pflege- und Erziehungszeit wird mittlerweile angerechnet), Kern und Fuchsenberger notieren synchron mit. Am Ende sagt Breymaier: „Es isch hinzukriegen.“

Den Ansatz kann Christiane Kern für die Landtagswahl gut gebrauchen. „Ein gutes Ergebnis für den Landkreis Starnberg wird nicht einfach – aber wir lassen uns nicht entmutigen“, sagt sie. Mit dem Thema Gleichstellung möchte die Münchnerin punkten. „Es gibt viele Sachen, die die SPD und die SPD-Frauen erreicht haben, man muss sie nur in Erinnerung rufen.“ Dazu gehöre eben auch das Frauenwahlrecht. Aktuelle Themen in der Gleichstellung hat Kern für den Landtag schon mal im Kopf.

Kommentare