Im Herbst wird der bayerische Landtag neu gewählt. Die Dachauer Nachrichten stellen die Direktkandidaten der Parteien, die im Landtag vertreten sind, in lockerer Reihenfolge vor. Heute: Bernhard Seidenath (CSU).
Bernhard Seidenath (CSU) ist Jurist und seit 2008 Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Dachau. Der 54-Jährige ist Vorsitzender des Landtags-Ausschusses für Gesundheit und Pflege. Der CSU gehört Seidenath seit 1989 an, Kreisrat ist er seit 2008, CSU-Kreisvorsitzender seit 2011, Gemeinderat in Haimhausen war er zwischen 2002 und 2020. Bernhard Seidenath ist verheiratet und lebt in Hilgertshausen-Tandern.
Was zu erreichen wäre Ihr wichtigstes Ziel im Landtag?
In meinem Bereich der Gesundheits- und Pflegepolitik brauchen wir weitere Akzente gegen den Fachkräftemangel, etwa noch mehr Medizinstudienplätze. Im Übrigen möchte ich dazu beitragen, dass Bayern gut regiert bleibt: insbesondere mit hoher Innerer Sicherheit, einer starken Wirtschaft, intakter Umwelt und niedriger Staatsverschuldung.
Die große soziale Frage dieser Zeit ist das Wohnen. In Zeiten von Wohnungsnot und steigender Mieten: Welche Lösungen schlagen Sie vor, um erschwinglichen Wohnraum zu fördern?
Vor einigen Jahren habe ich genau aus diesem Grund die Genossenschaft „Habt ein Herz für soziale Berufe“ gegründet (www.habteinherz.de), die – insbesondere die 1800 leerstehenden – Wohnungen im Landkreis anmietet und an Angehörige sozialer Berufe – insbesondere Erzieherinnen oder Pflegekräfte – weitervermietet. Insgesamt muss mehr gebaut werden. Mit dem Baukindergeld, zinsverbilligten Bayern-Darlehen und der Förderung von staatlichem und sozialem Wohnungsbau hat Bayern hier bereits viel getan.
Für die Zukunft müssen die Freibeträge bei der Erbschaftssteuer deutlich erhöht werden. Die Umnutzung von Büros zu Wohnraum möchte ich ebenso erleichtern wie Dachaufstockungen. Wir brauchen Planungssicherheit statt Heizungsverboten.
Im Landkreis Dachau gibt es bei der Windenergie erheblichen Aufholbedarf. Ist das Ziel des Landkreises, bis 2027 1,6 Prozent seiner Fläche für den Bau von Windkraftanlagen zu reservieren, realistisch?
Das ist zwar ambitioniert, aber wichtig, damit wir die Energiewende schaffen. Klimaschutz ist ein wichtiges politisches Ziel. Bayern ist beim Zubau der erneuerbaren Energien zwar jetzt schon Spitzenreiter in Deutschland, wir müssen auf diesem Weg aber konsequent weiter gehen. Gerade der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt, dass wir bei der Energieversorgung unsere Abhängigkeiten von Anderen verringern müssen!
Viele Bürger scheinen das Vertrauen in den Staat und die Politik verloren zu haben. Was sind die Gründe? Und wie müsste die Politik sich ändern, um wieder Vertrauen zurückzugewinnen?
Die Politik muss die Sorgen und Nöte der Menschen ernst nehmen und die drängenden Probleme lösen. Da geht es um die Verlässlichkeit der Rente ebenso wie um die Sicherheit des Arbeitsplatzes oder – obwohl die Politik hierfür direkt gar nichts kann – die Pünktlichkeit der Bahn.
Vor allem muss sich Leistung lohnen. Grundsätzlich muss der, der mehr leistet, davon auch profitieren. Ich halte es mit Trigema-Chef Wolfgang Grupp: „Wir können nicht sagen: Die, die mehr Leistung bringen, sollen immer mehr Steuern bezahlen und dafür dürfen andere, die keine Leistung bringen, eben alles benutzen. Man muss schon ein bisschen gerecht sein.“
Welche Pläne haben Sie, um die Wirtschaft anzukurbeln, die Ausbildung und Bindung von Fachkräften in unserer Region zu stärken?
Sehr froh bin ich darüber, dass wir heuer das Gründwerk Dachau eröffnen konnten, mit dem Start-Ups und innovative Geschäftsideen gefördert werden. Max Kaiser und sein Team leisten hier hervorragende Arbeit. Über den Staatshaushalt 2023 habe ich die gesamte Innenausstattung für das Gründwerk – mit einer sechsstelligen Summe – beisteuern können.
Ansonsten bleibt die Entlastung von Bürokratie eine entscheidende Aufgabe – und der Fachkräftemangel der größte Hemmschuh: Aus Überzeugung bin ich deshalb alljährlich Schirmherr der „Job“ als Dachauer Berufsorientierungsmesse.
Die Frage der Migration und wie sich dadurch das Leben und die Gesellschaft im Landkreis Dachau verändern könnten, beschäftigt derzeit viele Menschen. Sie auch?
Selbstverständlich. Wenn Gefahr droht, dass Turnhallen belegt werden müssen, läuten alle Alarmglocken. Die unkontrollierte Zuwanderung muss begrenzt werden. Statt dessen brauchen wir eine gezielte Zuwanderung von Arbeitskräften. Leider brauchen die deutschen Botschaften sehr lange für Visa-Erteilungen an Fachkräfte. Das muss die Bundesregierung rasch verbessern!
Immer mehr Ärzte schließen ihre Praxen. Wie kann die Gesundheitsvorsorge noch gewährleistet werden – gerade im ländlichen Raum mit zu wenig Anbindung?
Dieser Fachkräftemangel ist hausgemacht: Wir brauchen mehr Medizinstudienplätze. Bayern ist in Augsburg, Bayreuth und Niederbayern mit gutem Beispiel vorangegangen. Nun müssen auch die anderen Bundesländer nachziehen.
In Bayern haben wir seit zwei Jahren eine „Landarztquote“: jedes Jahr werden 114 Ärztinnen und Ärzte gerade für die Regionen als Hausärzte ausgebildet, die von Unterversorgung bedroht sind. Für den Landkreis Dachau beschäftigt sich die von mir angestoßene „Genossenschaft zur Stärkung der gesundheitlichen Versorgung im Landkreis Dachau“ mit genau diesen Fragen.
Was machen Sie am liebsten, wenn Sie gerade nicht für die Politik unterwegs sind?
Ich radle gerne durchs wunderbare Dachauer Land – am besten mit einer Eisdiele auf der Route. Auch spiele ich sehr gerne (Fußball genauso wie Brettspiele), aber aus Zeitgründen leider viel zu selten…