In Bayern endet am Mittwoch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zur Erhaltung der Artenvielfalt. Die Mammendorfer Landwirte kamen dabei auf die Idee, wie die Petitionsunterschreiber tatsächlich zu aktiven Bienenrettern werden können:
Mammendorf – Sie bieten jedem Bürger mit Wohnsitz in Mammendorf Wiesenpatenschaften an. Einer der ersten, der ein Zertifikat für so eine erwarb, war der CSU-Landtagsabgeordnete Benjamin Miskowitsch („Eine super Aktion der Landwirte“).
Pate werden
Nicht nur die Mammendorfer Bauern fühlen sich durch das Volksbegehren in eine „diskriminierende Ecke“ gedrängt. Denn eigentlich hätten gerade sie in der Vergangenheit Blühwiesenstreifen beispielsweise entlang von Maisfeldern angelegt. „Wir alle brauchen die Bienen und Insekten, erst recht wir Bauern“, sagt Martin Neheider. Der Gemeinderat hat sich zusammen mit Josef Robeller und Sebastian Mayr und Bürgermeister Josef Heckl mit 15 Landwirten aus der Gemeinde getroffen und die Aktion „Rettet mit uns die Bienen – werden Sie Pate“ beschlossen. Dazu stellen die Bauern knapp 15 Hektar Blühwiesen auf ihren Flächen entlang von Gewässern, Feldrändern oder Ackerflächen zur Verfügung. Die Bürger können 200 Quadratmeter große Parzellen zu jeweils 50 Euro jährlich erwerben. Im Gegenzug sichern die Landwirte zu, eine Blühmischung für vier Jahre anzusäen und dabei auf Düngung und chemischen Pflanzenschutz zu verzichten. „Sollten die Flächen nicht reichen, sind wir bereit, auch mehr zur Verfügung zu stellen“, so Robeller.
Keine Einnahmequelle
Die Landwirte übernehmen selbst Patenschaften. Neheider: „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir die Aktion als Einnahmequelle sehen.“ Aus den knapp 15 Hektar Blühwiesenflächen lassen sich rund 725 Parzellen machen. Freuen würden sich die Mammendorfer Landwirte, wenn ihre Aktion ähnliche Projekte auch von den Nachbargemeinden initiieren würde.
Eintragen in die Patenschaftsliste können sich Interessierte im Hofladen der Familie Mayer an der Bahnhofstraße 17 ab sofort bis zum 28. Februar. Zudem steht für weitere Informationen ab sofort die E-Mail-Adresse bienenwiese-mammendorf@web.de zur Verfügung. Die Landwirte werden danach zu einem Info-Abend ins Bürgerhaus einladen. Dort werden sie über die Flächen und darauf ausgeführten Maßnahmen informieren und die Formalitäten abwickeln. Neheider: „Die Eintragung in die Liste entspricht keinem Kauf oder Pacht der Fläche, sondern beinhaltet lediglich eine Patenschaft über vier Jahre.“
Gegenwind vom Aktionsbündnis
Kaum haben Mammendorfs Landwirte - und wohl auch andere Bauern in Bayern – die Blühwiesen-Idee in die Welt gesetzt, kommt schon Gegenwind von den Befürwortern des Bienen-Begehrens. Eigentlich sei die Idee spannend und auch gewitzt, heißt es da. Denn die Bürger würden dazu aufgerufen, nicht nur zu unterschreiben, sondern auch selbst etwas zu tun. Allerdings fragen sich die Aktivisten des Begehrens, ob das Angebot wirklich ernst gemeint ist oder ob es nur eine schnelle Retourkutsche sei, um die Befürworter des Volksbegehrens als Maulhelden zu diffamieren. Bis ein intensiv genutzter Acker zur wertvollen Wiese werde, dauere es mehrere Jahre, so eines der Argumente. Befürworter des Aktionsbündnisses fragen sich: Wird der Bauer solange durchhalten oder schnell den Versuch im Sand verlaufen lassen, wenn Schwierigkeiten auftauchen.
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