VonChristina Jachert-Maierschließen
Am Oedberg tummeln sich die Skifahrer, aber Geschäftsführer Georg Reisberger denkt an den Sommer. Im Blick hat er die Wohnmobilisten, die er mit viel Komfort glücklich machen will.
Gmund – Ein paar Unentwegte kommen auch im Winter. Wohnmobilisten, die zufrieden sind, wenn sie eine Stromsäule vorfinden. Die gibt’s am Oedberg seit vergangenem Herbst. Wie berichtet, hat Georg Reisberger, Geschäftsführer der Oedberg GmbH, 24 Wohnmobil-Stellpätze anlegen lassen. Damals war längst klar: Das ist nur der Anfang.
Was er sich für die Zukunft vorstellt, hatte Reisberger dem Gmunder Gemeinderat im Sommer 2017 präsentiert. Das zehn Hektar große Freizeitsondergebiet Oedberg soll zum Dorado für Wohnmobilisten werden. Wer kein Haus auf Reifen hat, kann sich auch eines mieten. Feste Unterkünfte im Stil von Tiny Houses, die Räder haben, aber auf dem Platz bleiben. Es soll Duschen und Toiletten geben, dazu ei
ne Radlstation, damit Biker mit dem gewarteten Rad weiterfahren können. Im Visier hat Reisberger die Radtouristen auf der überregionalen Königsee-Bodensee-Route. Und eben die Wohnmobilisten. Mit dem Gefährt auf Reisen zu gehen, das sei der Trend, sagt Reisberger. „Nur ist der bisher an uns vorbei gegangen. Da sind wir das Tal der Schläfer.“
Reisberger schläft nicht. Er war in den vergangenen Monaten viel auf Messen unterwegs, zuletzt zwei Tage auf dem „Stellplatz-Gipfel“ CMT in Stuttgart. Anregungen hat er sich auch beim Besuch im der preisgekrönten Ferienanlage Natterer See nahe Innsbruck geholt. Ist sie voll belegt, nächtigen dort 1200 Menschen. Eine Zahl, die Reisberger nicht anstrebt: „Das ist für uns zu groß.“
Aber zulegen soll das Angebot am Oedberg schon. Und vom Wetter unabhängig werden. „Sonst gibt’s den Oedberg auf Dauer nicht mehr“, macht Reisberger klar. Ob Lift, Kletterwald, Sommerrodelbahn oder Streichelzoo: Das Geschäft floriert nur bei schönem Wetter. „Meine Gäste schlafen zu 95 Prozent im eigenen Bett. Wenn morgens die Webcams keine idealen Bedingungen zeigen, bleiben sie zuhause“, schildert Reisberger. Sein Unternehmen brauche „einen sicheren Geschäftsbereich“, eine Basis-Auslastung.
Das Freizeitparadies Oedberg soll langsam wachsen. Der nächste Schritt wird der Ausbau eines Stadels sein, in dem Duschen und Toiletten entstehen. Auch ein Radl-Shop soll dort einziehen. Der Gmunder Ortsplanungsausschuss hatte den Umbau im September 2018 befürwortet. Auf die Genehmigung des Landratsamts wartet Reisberger noch. Dabei hätte er mit dem Umbau gern im Januar angefangen. „Das sollte unsere Winterarbeit sein.“ Reisberger hofft, dass der Bescheid im Februar eintrifft. Sonst könnte es zu knapp werden, um den Ausbau heuer noch durchzuführen. Im Sommer sollen keine Bauarbeiten stattfinden. „Wenn der Bagger rumfährt, machen wir uns das eigene Geschäft kaputt“, erklärt Reisberger. Dann verschiebe er lieber um ein Jahr.
Dass er für den Stadel-Umbau grünes Licht bekommen wird, steht außer Frage. Anders sieht es mit seiner Absicht aus, auch die an den Parkplatz grenzende grüne Wiese einzubeziehen. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans läuft noch. „Momentan wissen wir nicht, was wir auf der Wiese machen dürfen“, erklärt Reisberger.
Er will eine naturverträgliche Anlage schaffen, aber auch eine großzügige. Bislang sind 47 Wohnmobilstellplätze genehmigt. „Aber dafür rechnet sich die Infrastruktur nicht“, macht Reisberger deutlich. Wie viel Plätze es denn werden sollen, lässt er offen.
An der Nachfrage dürfte es nicht fehlen. Auch jetzt fahren jeden Tag Wohnmobilisten am Oedberg vor. Dabei steht nur Strom zur Verfügung, die Entsorgungsstation ruht unter den Schneemassen. Es ist noch ein weiter Weg zum Caravan-Paradies, aber Reisberger weiß, wie es aussehen muss.
Stellplätze, auf denen sich die Urlauber nur wie „der Aff’ am Stecken“ bewegen können, seien nicht gefragt. Er wolle Parzellen mit 100 bis 200 Quadratmetern schaffen, in denen auch große Wohnmobile gut Platz finden. Reisberger will auch einen See anlegen: „Ein Sommerurlaubskonzept ohne Wasser funktioniert nicht.“
In welchem Umfang und wie zügig er sein Konzept umsetzen kann, ist derzeit noch offen. Vom Ausgang des laufenden Verfahrens hängt viel ab, wie Reisberger durchblicken lässt: „In einem halben Jahr sehen wir klarer.“
