VonChristina Jachert-Maierschließen
Das Geisterhotel öffnet die Tür: Immer sonntags von 14 bis 17 Uhr ist Räumungsverkauf im Lederer. Betten, Tische, Lampen und Küchengerätschaften sind zu haben. Wann der Abriss beginnt, ist offen.
Bad Wiessee – Die letzten Gäste sind im November 2009 abgereist. Aber die Betten sind noch da, ebenso Tische, Stühle, Kissen, Lampen, Küchen-Utensilien und vieles mehr. All das, was nach der Pfändung übrig geblieben ist. Jetzt steht das Inventar des Hotels Lederer zum Verkauf, wie dem Kleinanzeigen-Portal von Ebay zu entnehmen ist. Am kommenden Sonntag ist der erste Verkaufsnachmittag. Von 14 bis 17 Uhr können Schnäppchensucher durch die Räume streifen. Bezahlt wird bar und bei Abholung, die Preise sind Verhandlungssache. Das Motto: Alles muss raus. Um das zu schaffen, wird nun jeden Sonntag verkauft.
Geisterhotel am Tegernsee: Ex-Hotelier hat lange gekämpft
Damit ist der letzte Akt eines Dramas eingeläutet. Wie berichtet, hat Ex-Hotelier Josef Lederer (79) lange und vergeblich um sein Lebenswerk gekämpft. Noch im Mai dieses Jahres gab’s einen Ortstermin des Verwaltungsgerichts. Lederer, der seine Wohnung in einem Nebengebäude des Hotels bis jetzt nicht geräumt hat, klagte gegen eine 2007 versagte Genehmigung zum Bau von Appartements. Sein Ziel: Schadenersatz. Schon bei diesem Termin war Lederer so schwer krank, dass er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Sein Gesundheitszustand hat sich weiter verschlechtert, längere Zeit war er im Krankenhaus. Zu sprechen ist er nicht. Ein naher Angehöriger hatte Lederer bei jenem Gerichtstermin juristisch vertreten. Seit Montag ist nun der Verkauf des Inventars auf Ebay angezeigt – von privat.
Die Familie Strüngmann, inzwischen Eigentümerin des Komplexes an der Seepromenade, habe mit dem Verkauf nichts zu tun, erklärt Andreas Göbel, Sprecher des Strüngmann-Büros Athos. „Das ist die Privatsache von Lederer.“
Der Abriss des Hotels ist längst beschlossen. Aber was auf dem Gelände entstehen wird, daran tüftelt Athos noch immer. Wie berichtet, hat Strüngmann einen im Juli 2017 vom Gemeinderat abgesegneten Entwurf wieder verworfen. Er sah ein Hotel in Zickzack-Form mit 120 bis 140 Zimmern vor sowie fünf Wohn- und Geschäftshäuser. Ob von diesem Ansatz überhaupt etwas übrig bleibt, scheint offen. „Es wird komplett neu gedacht“, sagt Göbel. Inzwischen lägen unterschiedliche Entwürfe vor. Konkret sei noch nichts.
„Lederer“ am Tegernsee: Geisterhotel verfällt immer mehr
Stellvertretender Bürgermeister Robert Huber (SPD) hätte sich zwar eine schnellere Entwicklung gewünscht, zeigt sich aber gelassen. Athos möge sich die Zeit nehmen, die nötig sei, um das Filet-Grundstück der Gemeinde zu entwickeln. „Herr Strüngmann und Athos werden sicher etwas Schönes entstehen lassen“, meint Huber.
Zu tun gibt es viel. Neben dem Lederer und seinen Nebengebäuden gehören auch das frühere Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach zu dem Areal. Insgesamt sind 30 000 Quadratmeter in Bestlage neu zu entwickeln. „Wir wollen den Altbestand nicht lange vor sich hingammeln lassen“, versichert Göbel.
Kummer bereitet in erster Linie der Zustand des markanten Lederer-Haupthauses direkt am Ufer. „Darauf werden wir ständig angesprochen“, berichtet Huber. Das Lederer, einst erstes Haus am Platz, verfällt immer mehr. Die Fassade ist desolat, Rollläden hängen herunter. Dagegen sieht das Haus des Gastes trotz Leerstand ordentlich aus. Das Hotel Wittelsbach macht keine Sorgen: Es ist noch in Betrieb.
Einen Zeitplan für den Abriss will Athos in den nächsten Wochen festzurren. Nach Möglichkeit sollen die Arbeiten im Herbst beginnen. Es wird sich um einen Teil-Abriss handeln – und das Lederer-Haupthaus kommt nicht zuerst. Detaillierteres kann Göbel derzeit nicht sagen. Sicher ist: Wenn die Pläne fertig sind, muss sich der Gemeinderat erneut damit befassen. Bislang ist alles offen – sowohl was das Hotel betrifft, als auch die Zahl der Wohnungen, Läden und Büros, die flankierend entstehen.
