- VonAnna Liebeltschließen
Bereits 321 Erste-Hilfe-Einsätze leistete die Kreiswassererwacht München heuer bereits. Wovor die Einsatzkräfte waren und was im Notfall zu tun ist, erfahren Sie hier:
Landkreis – Die Sonne scheint und das Thermometer klettert wieder auf über 30 Grad. Für die nötige Abkühlung sorgen da die unzähligen Badeseen im Münchner Speckgürtel. Doch so erfrischend der Sprung ins kalte Nass auch ist, so gefährlich kann er sein. Trotz diesjähriger Regenperioden im Mai und Juli hatte die Kreiswasserwacht München an den Landkreisgewässern bis dato einiges zu tun. Die Zwischenbilanz zeigt: 321 Erste-Hilfe-Maßnahmen leisteten die Einsatzkräfte im Landkreis bisher. Drei Mal kam jedoch jede Hilfe zu spät.
Regnerisches Wetter zog bisher weniger Besucher an die Landkreisgewässer als noch im vergangenen Jahr
„Ausschlaggebend war bisher das Wetter und das damit verbundene Besucheraufkommen“, erklärt Kevin Hartung, stellvertretender Jugendleiter der Kreiswasserwacht München. Das anhaltende Regenwetter habe nur eine geringe Anzahl an Badegästen an die Landkreisgewässer gezogen. Wo weniger Menschen sind, passiert in der Regel auch weniger.
Nur fünf Mal musste das Schnelleinsatzkommando der Wasserwacht bisher ausrücken. Im vergangen Jahr zählten die Einsatzkräfte noch rund 25 Alarme. Und es gibt weitere Rückgänge: 99 Boots- und 21 Taucheinsätze (Vorjahr 134 und 29) leisteten die Retter heuer, sieben Mal suchten die Einsatzkräfte nach vermissten Personen, zwei Mal konnten sie ein Leben retten.
Für drei Menschen kam jede Hilfe zu spät
Nicht mehr gerettet werden konnten allerdings drei Badegäste. Bereits Ende Mai ertrank ein 23-Jähriger vor den Augen seiner Familie am Unterschleißheimer See. Im Juni barg die Wasserwacht den leblosen Körper eines 82-jährigen Mannes aus dem Deininger Weiher, und Mitte Juli rückten die Einsatzkräfte zum Poschinger Weiher aus. Auch hier konnten sie den 76-jährigen Badegast nur noch tot aus dem Wasser ziehen. Einsätze, die womöglich hätten verhindert werden können, meint Kevin Hartung. „Die Missachtung der Baderegeln führt immer wieder zu Badeunfällen.“ Eindringlich appelliert er daher an die Badegäste, diese einzuhalten.
Etwa davon, alleine ins Wasser zu gehen, rät die Wasserwacht ab. „Egal, wie alt, jung oder fit man ist, ein körperliches Problem kann bei jedem auftreten“, sagt Daniela Haupt, Pressereferentin der Kreiswasserwacht. Damit meint sie vor allem typische Erschöpfungserscheinungen, wie Krämpfe oder Kreislaufprobleme. Auch Alkohol und Drogenkonsum am Wasser seien ein Tabu. Ein Augenmerk sollten Badegäste auch auf umherlaufende Kinder haben. „Ein Kind sollte niemals außerhalb der Reichweite der Eltern am Wasser sein. Kinder gehen sehr schnell unter“, warnt Haupt. Gerade Baggerseen mit einer tiefen Abbruchkante stellen ein hohes Risiko dar.
Achtsamkeit untereinander sorgt für weniger Unfälle
„Man sollte aber auch auf andere Badegäste schauen und auf Ungewöhnliches achten“, merkt Haupt an. Ein Badenachbar etwa, der seit zwei Stunden nicht mehr an seinen Platz zurückgekommen ist, sollte laut der Expertin skeptisch machen. „Lieber einmal zu viel Ausschau halten, als einmal zu wenig“, betont sie.
Experten erklären: So verhält man sich im Notfall richtig
Im Falle eines Notfalls, sollte sofort der Notruf abgesetzt werden. „Am besten mit dem Finger auf die Person zeigen, sodass die Rettungskräfte beim Eintreffen gleich an der richtigen Stelle suchen können“, erklärt Daniela Haupt, Pressereferentin der Kreiswasserwacht. Badegäste, die sich sicher genug fühlen, können dem in Not Geratenen auch zur Hilfe schwimmen. „Das liegt aber immer im eigenen Ermessen“, betont Haupt. In Seen sei das für konditionsstarke Schwimmer kein Problem, von Rettungsversuche in fließendem Gewässer, wie etwa der Isar, würde Haupt jedoch absehen. „Die Strömungen dort sind heimtückisch.“
Achtung vor panischen Personen im Wasser
Vorsicht ist ebenso bei einer in Panik geratenen Person geboten. „Nicht direkt anschwimmen“, rät die Expertin, „panische Menschen greifen alles, was in ihre Nähe kommt.“ Lieber, so Haupt, Abstand halten und vor der Person in Richtung Ufer schwimmen. „Der Betroffene wird einem nachschwimmen.“ Währenddessen könne zudem ruhig auf die Person eingeredet werden.
Was tun, wenn man selbst betroffen ist?
Gerät man hingegen selbst in eine Notlage, rät die Wasserwacht Ruhe zu bewahren. „Man sollte versuchen, sich auf dem Rücken treiben zu lassen und laut um Hilfe schreien“, so Kreiswasserwachtmitarbeiterin Daniela Haupt. Wenn möglich könne man auch versuchen das Problem, beispielsweise einen Krampf, selbst zu lösen. Ansonsten heißt es: Auf Hilfe warten.
