Riesen-Karotten und krasse Knollen - die Genossenschaft „Biotop Oberland“ hatte ein tolles erstes Jahr. Damit nicht genug: Das Projekt soll laut Vorstand sogar noch besser werden.
Lenggries – Die Karotten kann man kaum mit einer Hand umfassen, die Paprikaschoten sind so schwer, dass die Zweige Stützen brauchen, die Petersilie wuchert hoch wie Knöterich und die Sellerieknollen sind dick wie Ananas: Das „Biotop Oberland“ kann im ersten Jahr auf Lenggrieser Boden aus dem Vollen schöpfen.
250 Mitglieder bekommen wöchentlich eine Gemüsekiste
Wie mehrfach berichtet baut hier im Lenggrieser Norden, an der Steinbach-Grenze zu Gaißach, die genossenschaftlich organisierte Gärtnerei „Biotop Oberland“ rund 50 Gemüsesorten für etwa 250 Mitglieder an, die wöchentlich eine gut bestückte Gemüsekiste erhalten. Und die Mitglieder können mitreden, welches Gemüse angebaut werden soll. Auch im Winter werden die Abnehmer mit solchen Gemüsekisten versorgt: Anstelle von Tomaten, Gurken oder Paprika gibt es dann Sellerie, Lauch, Kohl, Pastinaken, Kürbis und Wurzelgemüse sowie Spinat, Asia-Salate, Winterportulak und Pak Choi.
Obwohl die Genossenschaft noch nicht bio-zertifiziert ist, wird streng nach Bioland-Standards gewirtschaftet: „Kein Kunstdünger und keine Pestizide“, sagen Sebastian Girmann und Nick Fischer. Die geschäftsführenden Vorstände setzen stattdessen auf Bio-Saatgut, sinnvolle Fruchtfolge, Grunddüngung mit Ackerbohnen, Kompost, Gesteinsmehl und organischen Horndünger.
Neugierig? Hier steht, was eine Mitgliedschaft bei „Biotop Oberland“ kostet.
Ökologische Maßstäbe beim Gemüse - faire Bezahlung der Mitarbeiter
Sehr zufrieden blicken Girmann und Fischer auf die geleistete Arbeit zurück: Auf das ökologische Konzept, den Bau der drei Gewächshäuser, den Ertrag aus dem mittelschweren Lehmboden und auf die Akzeptanz durch die Gemeinde und Nachbarn. „Das alles kann sich sehen lassen.“
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Das „Biotop Oberland“ setzt hier ökologische Maßstäbe: Bio-Gemüse für Abnehmer aus der Region, faire Bezahlung der fünf Mitarbeiter und echtes Miteinander mit der Natur: Dank biologischen Anbaus und Blühstreifen für Bienen und andere Insekten rückt das Ziel „Permakultur“ näher, also ein Konzept, das auf naturnahen Kreisläufen beruht. Insofern dienen die mit Buchweizen, Phacelia, Wicken und Kornblumen bebauten Flächen als Bienenweiden, ebenso wie die Zwischenstreifen voller „Unkraut“ und riesigen Sonnenblumen: Hiervon profitieren (Wild-)Bienen, alle Arten von Insekten, Vögel, Hasen und Wiesel, wobei letztgenannte den Mäusen nachstellen. Es gibt Nahrung für alle. Sogar Feldhasen wurden schon gesichtet – kein Wunder bei dem riesigen Angebot an Kohl und Möhren, sagen Girmann und Fischer.
Vorstand plant weitere Verbesserungen
Obwohl das bisherige Konzept ein erfolgreiches erstes Erntejahr gebracht hat, plant der Vorstand für die kommenden Jahre noch viele Verbesserungen: Sebastian Girmann nennt hier Nistkästen für Vögel und eventuell Fledermäuse, Anpflanzungen von Obstbäumen und Hecken, Wasserversorgung durch Zisternen und Verfeinerung der Anbautechniken. Nick Fischer ergänzt, dass im kommenden Jahr auch Flächen für den Kartoffelanbau, Himbeeren und Erdbeeren genutzt werden sollen. Die Kunst sei es, den Mitgliederzuwachs, die Anbauflächen und Investitionen in Einklang zu bringen.
Warum Lenggries der beste Standort für „Biotop Oberland“ ist, lesen Sie hier.
Renate Mayer
Alle Infos zur Mitgliedschaft: www.biotop-oberland.de
