VonNora Linnerudschließen
Viktoria Probst ist Metzgerin. In der Berufsschule musste sie sich unter 18 Burschen erst behaupten. Ein Portrait zum Tag des Handwerks:
Lenggries – Für Laien ist es schon ein seltsames Gefühl, wenn da in einer neongelb beleuchteten Kühlkammer ein Dutzend toter Tiere von der Decke baumelt. Halbe Rinder, Kälber, Schweine: Wie sie da am Haken hängen, wirken sie seltsam abstrakt und irgendwie deutlich größer als auf der Weide. Das Leben ist den Wesen entwichen, doch ein bloßes Produkt sind sie nicht. Zwischen den Tieren steht Viktoria Probst. Die 20-Jährige hat soeben ihre Lehre als Metzgerin bei der Lenggrieser Metzgerei Weber abgeschlossen – und als Innungs-Beste absolviert.
Schlachten, ausbluten lassen, mit scharfer Klinge Fleisch von Sehnen und Knochen trennen: nicht gerade Bilder, die man klassischerweise mit Frauentätigkeiten in Verbindung bringt. Zwar stehen hinter den Theken der Metzgereien überwiegend Fachverkäuferinnen, doch das Töten der Tiere und das Verarbeiten des Fleischs übernehmen noch überwiegend Männer. In Probsts Berufsschulklasse in München kamen auf 18 Burschen nur drei Frauen, also nur 14,3 Prozent.
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Keine Berührungsängste mit Fleisch
Viele Mädchen hätten Berührungsängste mit Fleisch und Blut. Zudem sei das Metzgerwesen körperlich anstrengend, erklärt Probst das unausgewogene Verhältnis. Für die junge Frau spielen derlei Ängste keine Rolle. Denn: „Das ist das Leben – solange man dem Tier die Ruhe gibt zum Sterben, es gut behandelt und schaut, dass es nicht leidet“, sagt die Lenggrieserin, die als Zweitjüngste von sechs Geschwistern aufgewachsen ist.
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Anfangs waren alle ein bisschen skeptisch
In der Berufsschule musste sich Probst unter den Burschen erst einmal behaupten. „Das wurde besser, als die guten Noten kamen“, sagt die Metzger-Gesellin. Auch ihre Freunde mussten ihren Berufswunsch nach dem Realschulabschluss erst verdauen: „Anfangs waren alle ein bisschen skeptisch, mittlerweile akzeptieren sie meinen Beruf“, sagt Probst. Vielleicht auch, weil die junge Frau zu Grillabenden nun immer das beste Fleisch mitbringt.
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Ihr Großvater war Jäger
Probst wirkt zufrieden und voller Bedacht. Der Satz „das ist das Leben,“ klingt stark bei nur drei Jahren Berufserfahrung. Aber: Probsts Großvater war Jäger, von klein auf begleitete sie ihn. Er zeigte ihr die Natur, das Leben, das Sterben. Für Probst gehört alles zusammen. „Wer gegen diesen Kreislauf ist, hat Leben nicht richtig verstanden.“
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