Lenggries: Es ist eine traurige Nachricht auch für den Isarwinkel: Die Ursulinen, die früher die Hohenburger Schulen geleitet haben, ziehen sich nun auch von ihrem Hauptstandort Landshut zurück und gehen geschlossen in ein Seniorenheim.
„Wir haben leider keinen Nachwuchs“, nennt Oberin Sr. Andrea Wohlfarter auf Nachfrage den schlichten Grund, warum das Kloster St. Joseph in Landshut im nächsten Sommer nach fast 350 Jahren von den Ursulinen aufgegeben wird. Bei einer Pressekonferenz zusammen mit Vertretern des Ordinariats hatte sie vor Kurzem erklärt, dass sich die 14 verbliebenen Schwestern nach vielen Gesprächen und „vielen Gebeten“ dazu entschieden hätten, gemeinsam in ein katholisches Seniorenheim der Caritas in München zu gehen. „Wir wollten zusammenbleiben“, sagt die 68-jährige Sr. Andrea, die die Zweitjüngste des Konvents ist. Die Jüngste ist 67 Jahre alt. Sieben Ordensfrauen hingegen sind älter als 80. Man habe sich für diesen „schmerzlichen Weg“ entschieden, „solange wir noch selber entscheiden können und nicht über uns entschieden wird“. Eine Alternative hat es laut Sr. Andrea nicht gegeben. Eine Fusion mit einem der anderen 27-Ursulinen-Klöster – jedes ist autonom – hätte das Problem ihren Worten zufolge nur verschoben. Zwei der Standorte sind bereits „ausgestorben“, von den verbleibenden Klöstern mit insgesamt 230 Ordensschwestern war der Landshuter Konvent der drittgrößte. Sr. Andrea, die aus Bad Heilbrunn stammt, bedauert den Rückzug natürlich und fühlt sich an den Herbst 2002 zurückerinnert, als die Ursulinen von Lenggries weggingen. Auch damals seien die Wogen hochgekocht. Ein Gebetskreis habe Unterschriften sammeln wollen. Was aber, sagt Sr. Andrea, nichts am Nachwuchsmangel geändert hätte. Die große Zeit der Ordensgemeinschaften sei offenbar vorbei. Es gebe heutzutage viele andere Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren. Von den zehn Schwestern aus Lenggries sind heute noch fünf am Leben: Sr. Placida, Sr. Theresita, Sr. Lucia, Sr. Valeria und Sr. Andrea, berichtet die Oberin. Man habe über all die Jahre immer guten Kontakt zu Hohenburg gehalten und sich – im Internet über den Tölzer Kurier – über die Ereignisse im Isarwinkel auf dem Laufenden gehalten. Zuletzt war Sr. Andrea bei der Verabschiedung von Rektor Heinz Gascha für die Öffentlichkeit präsent. Vor einigen Wochen, so berichtet sie, seien auch die fünften Klassen aus Hohenburg zu Gast in Landshut gewesen, um sich über das Klosterleben zu informieren. Was geschieht nun mit den Klostergebäuden und den über Jahrhunderte angesammelten Kunstwerken und -schätzen des Konvents? Da sei man in Verhandlungen mit der Erzdiözese, berichtet Sr. Andrea und stehe vor „einer guten Lösung“. Die Erzdiözese ist bereits Träger der Landshuter Ordensschulen und wird auch die Gebäude in der Innenstadt übernehmen. Generalvikar Peter Beer sicherte bei der Pressekonferenz ausdrücklich zu, dass man nicht nur das reiche pädagogische Erbe der Ursulinen bewahren wolle, sondern auch ihr und alle anderen aufgelassenen Klöster als „Orte verdichteter Kirchlichkeit und verdichteten Glaubenslebens erhalten“ wolle.
Christoph Schnitzer