VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Der Umbau des ehemaligen Gasthofs Post ist eines der größten Projekte, das die Gemeinde Lenggries in den vergangenen Jahren in Angriff genommen hat. Langsam geht es auf die Zielgerade.
Lenggries – Seit etwa einem Jahr läuft der Umbau des ehemaligen Posthotels an der Lenggrieser Marktstraße. Aus der ehemaligen Wirtschaft und den Gästezimmern in den oberen Stockwerken werden Stück für Stück ein zweigruppiger Kindergarten, Mehrzwecksaal, Büros und zwei Wohnungen. Die Corona-Pandemie habe eigentlich keinen Einfluss auf die Arbeiten gehabt, sagt Karl Ertl vom Technischen Bauamt. Auf der Baustelle ging alles ganz normal weiter. „Deshalb sind wir auch im Zeitplan“, sagt Ertl. „Eventuelle Verzögerungen beispielsweise durch Lieferschwierigkeiten kann ich natürlich nicht ausschließen.“
Aktuell laufen die Arbeiten am Dach. „Das werden wir übernächste Woche eindecken.“ Danach verschwinden ein Teil des Baugerüsts und der Kran. Im Inneren hat sich in den vergangenen Wochen viel getan. Die meisten Wände im Parterre und den beiden Obergeschossen sind verputzt, die Fenster erneuert. Im Erdgeschoss – dort wird der Kindergarten einziehen – warten die historischen Decken darauf, abgehängt zu werden. Die Installationen in den Sanitärräumen sind vorbereitet. Ist dann noch der Holzboden verlegt, kann im Prinzip mit dem Einrichten begonnen werden, während draußen die Arbeiten am Freigelände beginnen. Spielturm, Rutsche, Schaukeln, Holzterrasse – all das wird im ehemaligen Biergarten Platz finden.
Im September muss alles bezugsfertig sein
Im rückwärtigen Bereich entsteht der Parkplatz mit 26 Stellplätzen, Fahrradunterstand und Kinderwagengarage. Im September muss alles bezugsfertig sein. „Wir haben Anmeldungen für zwei Gruppen“, sagt Bürgermeister Werner Weindl. Eine davon werde etwas kleiner, weil es sich um eine Integrationsgruppe handle. Über die neue Kindergartenleiterin wird der Gemeinderat am Montag entscheiden. „Sie soll dann auch den Namen für die Einrichtung aussuchen“, sagt Weindl. „Wichtig ist jetzt erst einmal, dass es fertig wird“, ergänzt Weindls Nachfolger Markus Landthaler.
Im ersten Stock sind die Arbeiten am Mehrzwecksaal weit fortgeschritten. „Ein Schmuckstück“, findet Ertl. Mitarbeiter der Firma Wiegerling sind gerade noch dabei, die Decke fertig zu restaurieren. Das alte Bühnenhaus am Kopfende wartet auf den Einbau der Bühne. Dann kommt noch der Boden: „Eichenparkett im Fischgrätmuster“, verrät Ertl. Vielleicht kann im Mai dort schon die konstituierende Sitzung des Gemeinderats abgehalten werden. Allerdings müsse man schauen, ob die wegen Corona geltenden Abstandsregeln eingehalten werden können, sagt Weindl. In den Toiletten im ersten Stock hat der Fliesenleger bereits mit seiner Arbeit begonnen. Die schwarz-weißen Fliesen im Retro-Stil passen gut ins Gebäude.
Im zweiten Stock warten die Büros auf die abschließenden Installationen und den Boden. „Eine bis vier Einheiten sind hier möglich“, sagt Weindl über die flexible Raumaufteilung. Anfragen von potenziellen Mietern habe es einige gegeben. „Wir haben aber noch keine konkreten Gespräche geführt.“
Im Dachgeschoss geht es ebenfalls voran. Dort entstehen zwei Wohnungen. Der Aufzug, der das ganze Gebäude barrierefrei zugänglich macht, ist schon eingebaut. Auch neue Fenster und eine neue Dachgaube hat das Dachgeschoss jetzt. Beide Wohnungen werden einmal einen herrlichen Blick über die Dächer von Lenggries haben – auf der einen Seite Richtung Schlegldorf, auf der anderen Seite Richtung Geierstein.
Unvorhergesehene Maßnahme lässt Kosten steigen
Mit sieben Millionen Euro an Kosten hatte die Gemeinde anfangs gerechnet. Am Ende wird es vermutlich eine gute halbe Million mehr sein. Genau sagen könne man das aber natürlich erst, wenn die letzte Rechnung vorliege, sagt Ertl. Im Laufe der Arbeiten an dem denkmalgeschützten Gebäude kamen einige unvorhergesehene Maßnahmen dazu. Beispielsweise brauchte die Tenne inklusive Bühnenhaus ein neues Dach. Auch die Dacherneuerung des kompletten Gebäudes war anfangs nicht geplant. Und nicht zuletzt baut die Gemeinde den Kindergarten nun selbst in dem Bereich, in dem anfangs eine Gastronomie mit den entsprechenden Investitionen des Pächters vorgesehen war. Weindl rechnet mit Zuschüssen in Höhe von 3 bis 3,5 Millionen Euro. Aus drei verschiedenen Fördertöpfen gibt es Zuwendungen für den Kindergarten, den Mehrzwecksaal, den Mehraufwand durch den Denkmalschutz und für die Wohnungen. „Ich bin immer noch davon überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war, dass die Gemeinde das Haus gekauft hat“, sagt er. So habe die Kommune die Entwicklung selbst in der Hand. „Es war eine einmalige Chance“, gibt ihm Landthaler Recht. Vor dem Verkauf an die Gemeinde hatte der damalige Eigentümer einen Antrag für ein Haus mit 19 Wohneinheiten vorgelegt. Für Weindl wäre das eine klare Fehlentwicklung gewesen. „Das hätte eine Initialzündung für andere Eigentümer sein können. Und dann wäre unsere Einkaufsstraße plötzlich keine mehr gewesen.“
Die Kritik an der Lage des Kindergartens direkt an der Marktstraße kann der scheidende Rathauschef nicht nachvollziehen. Für ihn gehöre eine derartige Einrichtung mitten ins Dorf. „Und der Kindergarten wird ein Frequenzbringer für die Geschäfte hier sein.“ Zudem kehre die „Post“ zu ihrer ursprünglichen Bestimmung zurück. Denn schon einmal bevölkerten Kinder das Gebäude – im 17. Jahrhundert, als es als Waisenhaus diente.
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