VonChristian Masengarbschließen
Auf dem Weg zu Leonhardi in Hundham ging einer Frau die Stute durch. Es folgten 16 Stunden der Angst, eine unglaubliche Suchaktion und eine Not-OP mitten in der Nacht.
Fischbachau - Für eine 36-Jährige (auf Wunsch der Frau nennen wir weder ihren Namen noch den des Pferdes) wurde der Ritt zur Leonhardifahrt in Hundham (Landkreis Miesbach) zum Drama. Eigentlich wollte sich die Bayrischzellerin zusammen mit ihrer siebenjährigen Haflinger-Stute bei Hundham mit der Kutsche treffen, die sie begleiten sollten. Doch auf dem Weg vom Gestüt in Fischbachau nach Hundham ging das Pferd auf dem Radweg Richtung Elbach plötzlich ohne ersichtlichen Grund durch und galoppierte in die angrenzende Wiese. Nach 20 Metern riss der Sattel. Die Reiterin stürzte ins Gras, blieb zum Glück aber unverletzt. Als sie wieder aufstand, war der Haflinger im Wald verschwunden.
Für die Reiterin begann eine Zeit der quälenden Ungewissheit. „Ich war wie gelähmt“, berichtete die 36-Jährige. Sie kannte Geschichten von Pferden, die sich im Wald Beine brachen und andere schwere Verletzungen erlitten. Ihr Pferd gehörte ihr zwar erst seit einem Monat, sie kennt und reitet es allerdings bereits seit zwei Jahren. Entsprechend lieb hatte sie die Stute gewonnen. „Man hofft einfach nur, dass alles gut ausgeht.“
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Unglaubliche Hilfe: Selbst aus München boten Tierfreunde Unterstützung an
Hoffen allein reichte der Bayrischzellerin aber nicht. Sie gab bei Whatsapp und Facebook Suchanzeigen auf, postete in Gruppen und schrieb Freunden. Von der Reaktion war sie überwältigt. Selbst aus München und Otterfing boten Menschen an, rauszufahren und beim Suchen zu helfen. Auch Freunde, Familie und Bekannte aus den umliegenden Reitställen durchkämmten den Wald nach dem entlaufenden Pferd. „Über 30 Autos waren unterwegs“, berichtet die Besitzerin. Die Feuerwehr half mit einer Wärmebildkamera. Auch die Polizei hatte die Bayrischzellerin informiert.
Es nützte alles nichts. „Wenn sich ein Pferd im Wald versteckt und nicht gefunden werden will, dann findet man es eben auch nicht“, sagt die Besitzerin. Für den nächsten Morgen hatte sie deswegen schon eine Hundestaffel angefordert.
Die musste dann doch nicht anrücken. Gegen halb zwei Uhr nachts klingelte bei der 36-Jährigen das Telefon. Zwei Wanderer hatten das Pferd beim Abstieg von der Tregler-Alm gefunden und die Polizei informiert. Die hatte der Besitzerin Bescheid gesagt. Diese fuhr sofort zum Fundort. 16 Stunden, nachdem er ausgerissen war, konnte sie ihren Haflinger dort endlich wieder begrüßen.
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Not-OP mitten in der Nacht: Stute hatte Blut an den Beinen
Ganz vorbei war das Drama damit allerdings nicht. An den Beinen des Pferds klebte getrocknetes Blut. Die Stute war wohl bereits kurz, nachdem sie weggelaufen war, in einen Stacheldrahtzaun gerannt. Noch in der Nacht nähte der Tierarzt die Wunden. „Das war ein riesen Schock“, erzählt die Besitzerin. „Jetzt muss man den Heilungsverlauf abwarten, ob sie sich wieder völlig erholt.“
Bis jetzt sehe es aber ganz gut aus. „Man kann einem Pferd leider nicht sagen, dass es still halten und keinen Dreck in die Wunde lassen soll“, sagt die Fischbachauerin. „Deswegen weiß man erst endgültig, ob alles gut geht, wenn es vorbei ist.“ Eigentlich sei die Stute aber ein liebes Pferd, das zum ersten Mal durchgegangen ist. Sie hofft deshalb das Beste. „Es scheint, als hätten wir Glück im Unglück.“
Leonhardi-Attacke: Zeugen haben Schläger von bewusstlosem Opfer weggezogen - Warum schweigen sie jetzt?
Bei einem Reit-Turnier in Neuenkirchen im Landkreis Osnabrück kam es zu einem tödlichen Unfall, wie nordbuzz.de* berichtet. Eine Siebenjährige wurde von ihrem Pferd begraben und starb an den Verletzungen.
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