Rund 7000 Zuschauer haben heuer die Leonhardifahrt in Benediktbeuern besucht. Abt Johannes Perkmann, einst Student im Klosterdorf, warb in seiner Predigt für Toleranz und Glaubensstärke.
Benediktbeuern – Um neun Uhr am Sonntag verkündete das Festgeläute der Basilika weithin hörbar den Beginn der 137. Benediktbeurer Leonhardifahrt. Die Vorreiter mit der Leonhardi-Standarte führten den Wallfahrtszug an. Dahinter folgten die beiden Kutschen mit der Pfarr- und Klostergeistlichkeit sowie Ehrengästen, danach die Wägen mit der Schützenkompanie und der örtlichen Musikkapelle. Insgesamt 50 Gespanne waren es heuer, die zu Ehren des heiligen Leonhard herausgeputzt und aufwendig geschmückt am Morgen in der Dorfstraße Aufstellung genommen hatten und sich dann auf den Weg zum Kloster machten.
Mit dem Wetter waren Teilnehmer und die insgesamt geschätzt 7000 Zuschauer durchaus zufrieden. Zwar blieb die Kulisse mehr oder weniger grau und die Sonne kam nicht zum Vorschein. Aber immerhin waren die Temperaturen angenehm und es blieb trocken – „was will man mehr“, so der Grundtenor.
Die „kleine Schwester“ der Tölzer Leonhardifahrt ist heute in Benediktbeuern - Die Bilderstrecke
Ohne Regenmäntel und -hauben konnten die schönen Trachten wie Miederg’wand, Schalk und Karsettl ebenso wie der dazugehörige Kopf- und Haarschmuck in Form von kostbaren Schnurhüten oder Kronen in ihrer ganzen Pracht bestaunt werden. Am Spalier der Gebirgsschützen vorbei gab es nach der Einfahrt in den Kloster-Innenhof den Segen für Mensch und Tier. Viele Besucher aus Nah und Fern pilgerten ebenfalls in den Klosterhof – die einen suchten die Basilika auf, um dort den Festgottesdienst mitzufeiern. Die anderen nahmen die Gelegenheit wahr, draußen Rösser und Wägen genauer zu inspizieren, mit Bekannten zu ratschen oder Wissenswertes über das Brauchtum zu erfragen.
Ins Loisachtal gekommen war beispielsweise auch eine Gruppe aus dem Raum Inchenhofen, wo die älteste Leonhardifahrt Bayerns stattfindet. Hier in Benediktbeuern gefiel ihnen die Aufstellung der Gespanne im Klostergeviert und die schmucke Kleidung der Teilnehmer besonders gut.
Der Gottesdienst in der vollbesetzen Klosterkirche wurde vom Basilikachor und Bläsern mit der anspruchsvollen „Benediktbeurer Messe“ umrahmt. Festprediger Abt Johannes Perkmann von der Abtei Michaelbeuern (Salzburg) drückte seine Freude darüber aus, an seinem Studiumsort die Festmesse zelebrieren zu können. Er appellierte an die Besucher, nach dem Vorbild des heiligen Leonhard Verantwortung für den Glauben zu übernehmen. „In der aktuellen Situation sollten wir nicht über Überfremdung jammern, wenn wir selbst so bröckeln. Es kommt auf unsere Glaubensstärke und -praxis an, wenn wir das Christentum wahren wollen.“
Nach der Rückfahrt löste sich der Wallfahrtszug in der Dorfmitte auf, um den Goaßlschnalzern Platz zu machen. Seitens der Polizei, die die hervorragende Zusammenarbeit mit der Feuerwehr betonte, gab es ein positives Resümee: „Keine besonderen Vorkommnisse.“