Haus der Bayerischen Geschichte

Letzte Ruhestätte für Hindenburg-Büste aus Dietramszell gefunden

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Hindenburg-Büste ist Geschichte: (v. li.) Der Historiker Dr. Michael Holzmann, Dietramszells Bürgermeister Josef Hauser, Gemeinderat Karl März und Dr. Timo Nüßlein vom Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.
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Ein Aktionskünstler hatte das Abbild des umstrittenen Reichspräsidenten 2014 von der Klostermauer in Dietramszell abmontiert. Jetzt wurde die Hindenburg-Büste nach Regensburg transportiert.

Dietramszell – Die Bronzebüste von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg hat ihre mutmaßlich letzte Ruhestätte gefunden: Dietramszells Bürgermeister Josef Hauser hat die Büste kürzlich nebst Sockel und Platte dem Haus der Bayerischen Geschichte in Regenburg übergeben. Dr. Timo Nüßlein, im Haus der Geschichte für die Museumssammlung zuständiger wissenschaftlicher Mitarbeiter, nahm die Gegenstände entgegen. Die Büste soll in die Museumssammlung aufgenommen und „bei passender Gelegenheit in die Ausstellung aufgenommen werden“, teilt die Gemeinde in einer kurzen Pressemitteilung mit.

Letzte Ruhestätte für Hindenburg-Büste aus Dietramszell gefunden

Wie berichtet lag das Abbild des 1934 verstorbenen Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten rund acht Jahre im Keller der Familie von Schilcher. Hindenburg verbrachte regelmäßig seinen Jagdurlaub in Dietramszell und genoss bei diesen Gelegenheiten die Gastfreundschaft der von Schilchers. 1939, kurz vor dem Überfall von Nazi-Deutschland auf das Nachbarland Polen, wurde seine Büste in einem feierlichen Akt an der Mauer des Dietramszeller Klosters angebracht.

Viele Jahrzehnte später, im Sommer 2014, geriet sie ins Visier des Münchner Aktionskünstlers Wolfram Kastner. Der demontierte die rund 40 Kilogramm schwere Bronzebüste in einer Aufsehen erregenden Aktion und legte sie in den Garten der Familie von Schilcher. An die Klostermauer hängten Kastner und seine zwei Mitstreiter Friedrich Niepmann und Martin Stiefe ein Plakat: „Kein Platz für Nazi-Steigbügelhalter.“ Das Trio protestierte auf diese Weise gegen die Verharmlosung Hindenburgs – des Mannes, der Adolf Hitler den Weg an die Macht ebnete.

Ordensschwestern und damalige Bürgermeisterin waren sich schnell einig

Das Presseecho war bayernweit groß, die durch die Aktion ausgelöste Debatte im Klosterdorf hochemotional. Historikern wie Dr. Wolfgang Pyta und Dr. Michael Holzmann, Mitglied im eigens in der Gemeinde gegründeten Arbeitskreis Geschichte, gelang es in der Folge, die Wogen zu glätten.

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Nachdem sich die Ordensschwestern des Klosters und die damalige Bürgermeisterin Leni Gröbmaier schnell einig waren, dass es keine Option sei, das umstrittene Abbild wieder an der Klostermauer anzubringen, suchte die Gemeinde nach einem Ort, an dem das Denkmal verbleiben kann. Schon früh gab es Überlegungen, die Büste dem Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu überlassen. Im Frühjahr dieses Jahres kündigte Rathauschef Hauser an, das Thema „proaktiv“ noch einmal angehen zu wollen. „Es gibt vielversprechende und relativ konkrete Pläne, die Büste dem Museum dauerhaft zu überlassen“, verriet Hauser unserer Zeitung.

Nationalsozialist Josef Thorak schuf Hindenburg-Büste

Nun meldet das Rathaus Vollzug: Die Hindenburg-Büste, geschaffen vom österreichischen Bildhauer und bekennenden Nationalsozialiste Josef Thorak, der auch Büsten von Hitler und „Propagandaminister“ Joseph Goebbels schuf, ist in Regensburg angekommen. Das Haus der Bayerischen Geschichte ist in den Augen des Bürgermeisters eine Institution, die die Zusammenhänge so darstellt, wie sie den historischen Tatsachen entsprechen.

Damit schließt sich ein Kapitel Ortsgeschichte, das sehr viel Staub aufwirbelte. Oder, um mit Bürgermeister Hauser zu sprechen: „Ich wäre sehr glücklich, wenn wir diese Geschichte so zu einem vernünftigen Ende bringen können.“ (cce)

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