VonVeronika Machtschließen
Nothilfefonds aus Spendengeldern für bedürftige Familien im Landkreis.
Erding – Manchmal geht es nur um zwei, drei Euro. Wenn die Geldsorgen der Eltern an allen Ecken und Enden drücken, dann merken das auch die Kinder. Selbst, wenn Mama und Papa alles versuchen, damit die Kleinen davon nichts mitbekommen. „Kinder spüren das einfach“, sagt Matthias Gallenberger. „Manchmal geht es zum Beispiel in der Schule nur um wenige Euro, wenn ein Theater im Unterricht gezeigt wird. Oft trauen sich die Kinder nicht mal, das daheim zu sagen, weil sie wissen, dass selbst kleine Beträge einfach nicht drin sind.“
Gallenberger ist Sozialpädagoge und arbeitet seit 2013 für die Brücke Erding – als Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule Isen und als Jugendpfleger in der Gemeinde, die ihn dafür bezahlt. In seiner Arbeit stößt er immer wieder auf Fälle, „bei denen nicht im ersten Moment ersichtlich ist, dass es finanzielle Probleme gibt. Darüber redet man eben nicht gern.“
Skilager, Schullandheim, Abschlussfahrt: Es gibt viele zusätzliche Belastungen im Laufe der Schulzeit. „Irgendwann merkt man, dass es finanziell vielleicht Probleme gibt“ – weil das Kind zum Beispiel das Theatergeld öfter vergisst oder die Eltern quasi auf Raten zahlen wollen. Meistens dauere es, bis sie Hilfe bei ihm suchen, sagt Gallenberger. „Aber irgendwann kommen sie dann doch und erzählen von ihren Problemen. Dass es mit Arbeit schlecht ausschaut, Unterhalt nicht gezahlt wird oder der Kühlschrank kaputt ist.“
Genau so ein Fall ist Gallenberger kürzlich begegnet. Der Vater einer Familie mit fünf Kindern ist chronisch krank, kann nur ab und zu arbeiten. Die Mama kämpft sich durch, muss jeden Euro dreimal umdrehen. Hilfe will sie eigentlich gar nicht annehmen. „Nein, das schaffen wir schon“, sagt die Frau. Jetzt wurde die finanzielle Belastung doch zu viel. „Sie kam zu mir und sagte, dass sie nicht wisse, wie sie das alles schultern soll“, sagt Gallenberger. Die Klassenfahrt ihrer Tochter zum Beispiel, oder die kaputte Waschmaschine, und Weihnachten mit fünf Kindern steht vor der Tür. „Man will ja was Schönes kochen, einen Christbaum und Geschenke kaufen. Das summiert sich“, sagt der Sozialpädagoge.
Lesen Sie dazu: Am Nikolaustag 2018 klagt Familienvater Carsten Steinleitner plötzlich über starke Schmerzen - am nächsten Tag ist er tot. Die Familie trauert - doch dank des Leserhilfwerks „Licht in die Herzen“ gibt es nun wenigstens finanzielle Entlastung.
Für solche Fälle hat die Brücke im vorigen Jahr erstmals einen Nothilfefonds eingerichtet, berichtet Brücke-Geschäftsführerin Barbara Huber. Gefüllt mit Geld aus dem Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“, konnte die Brücke so das ganze Jahr über schnell helfen. „Denn tragische Sachen passieren ja nicht immer nur kurz vor Weihnachten“, sagt Huber und berichtet von einem Buben, dem man unkompliziert habe helfen können: Das Kind hat Tastaturschreiben als Schulfach und muss seine Hausaufgaben ausgedruckt mit in die Schule bringen. Als der Drucker der Familie kaputt ging, sprang die Brücke ein.
Das tut sie auch im Bereich ambulante Erziehungshilfe. Sozialpädagogin Martina Schmitt betreut hier im Auftrag des Jugendamts mehrere Familien im Landkreis, darunter ein Ehepaar mit zwei Kindern, das große Geldsorgen hat. Der Papa arbeitet im Niedriglohnsektor, die Mama hat eine kleine Putzstelle, die Familie muss immer wieder aufstocken.
„Der achtjährige Sohn hat eine Behinderung, durch die er kein Schlafbedürfnis hat“, erzählt Schmitt. Er ist aber nicht nur die halbe Nacht lang wach, sondern macht in dieser Zeit auch noch gefährliche Dinge, schaltet den Herd ein oder geht auf den Balkon. Inzwischen ist alles gesichert, die Küche abgeschlossen, die Balkontür hat ein Schloss. „Trotzdem ist bei den Eltern immer der Stress da, nicht zu wissen, was ihr Sohn tut.“
Die Eltern schlafen kaum, sind am Limit. „Wenn du nervlich am Ende bist und dann auch noch Geldsorgen dazukommen, ist das doppelt schlimm“, sagt Schmitt. Denn inzwischen haben sich bei der Familie Schulden angehäuft. Ihr Auto ist alt und kaputt, hat keinen TÜV mehr. Ein fahrbarer Untersatz ist aber nötig, um mit dem Buben zur Therapie zu fahren – etwa nach Großhadern oder in die auf seine Behinderung spezialisierte Uniklinik in Ulm.
Öffentliche Verkehrsmittel sind keine Option. „Aufgrund seiner Behinderung ist da ein erheblicher Widerstand. Der Bub will nicht gehen, setzt sich einfach hin und steht nicht mehr auf“, berichtet Schmitt. Für die Familie wäre es deshalb sehr wichtig, das Auto reparieren zu lassen oder einen gebrauchten Wagen kaufen zu können.
Licht in die Herzen
Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt unverschuldet in Not geratene Bürger im Landkreis. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern.
IBAN:
DE54 7005 1995 0000 0171 11.
Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.
