VonMagnus Reitingerschließen
Wenn in Weilheim von Neubauprojekten die Rede ist, geht es fast immer um maximale Verdichtung. Anders die ersten Ideen zur Neubebauung eines ehemaligen Bauernhofs im Paradeis: In diesem Fall sind den Entscheidern die Bauwünsche fast zu klein.
Weilheim – Private Neubauvorhaben aller Art – und vor allem im größeren Stil – sind Alltag für den Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates. Doch die Pläne, die dem Gremium nun für ein früheres landwirtschaftliches Anwesen am Rande des Wohngebiets „Im Paradeis“ vorgelegt wurden, sorgten für eine gewisse Verwunderung. „Das ist mal ein ganz anderer Fall als sonst“, konstatierte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek: „keine Maximalausnutzung“. Genau das bedeutet an dieser Stelle aber einigen Gesprächsbedarf, wie es in der jüngsten Sitzung hieß.
Keine Gegenliebe im Bauausschuss gefunden
Es geht um das Grundstück Schießstattweg 19, das am Nordende dieser Straße direkt am Ammerdamm liegt. Beantragt ist, den 59 Jahre alten Bebauungsplan „Im Paradeis“ so zu ändern, dass auf dem einstigen Hof-Areal „ein neues Wohnhaus mit fünf Wohneinheiten und Carportgebäude“ errichtet werden kann. Der bisherige Wohnteil des Anwesens im Ostteil solle „zunächst erhalten bleiben“. Wegen der Nähe zur Ammer ist keine Unterkellerung des Neubaus geplant. Zudem wurde laut Stadtbauamt angefragt, „ob im nordöstlichen Bereich des Grundstückes eine zusätzliche Bebauung mit drei bis vier Tiny-Häusern vorstellbar wäre“.
Letzteres stieß im Bauausschuss kaum auf Gegenliebe. Zwar finde man solche Minihäuser grundsätzlich gut, wie mehrere Mitglieder betonten. Doch ob sie an dieser Stelle richtig wären, wurde allgemein bezweifelt. Stadtbauamt-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer verwies auf Planungen, auf einem städtischen Areal auf der anderen Seite der Ammer – zwischen der Straße „Eichtweide“ und dem „Pumpenhäuserl“ am Fluss – eine kleine Siedlung mit Tiny-Häusern zu ermöglichen (wir berichteten). Dort böte sich das an, wie es hieß.
Gerne Minihäuser – aber anderswo
Auf kleineren Grundstücken, auch als kleine Siedlung, seien solche Minihäuser denkbar, sagte Stadtbaumeisterin Katrin Fischer. Aber auf besagtem Anwesen am Schießstattweg würde angesichts der benachbarten Wohnblocks an der Merckstraße eher dichtere Bebauung passen. Fischer stellte dabei „die Frage, ob man alles gleich abreißen muss“: Der Kopfbau des dortigen Hauptgebäudes sei durchaus erhaltenswert. „Das ist ein besonderer Bau, ein Zeitzeuge“, befand auch Horst Martin (SPD): „Es wäre super, wenn das Bestandsgebäude erhalten werden könnte.“
Gesamtkonzept gefordert
Insgesamt gebe das Anwesen „viel Baumasse her“, sagte Rupert Pentenrieder (BfW). „Man muss schon gut überlegen, ob man ein Grundstück, das so viel Platz hat, für Tiny-Häuser freigeben soll“, fügte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder hinzu. Er finde „Nachverdichtung gut an der Stelle“, erklärte auch Gerd Ratter (ÖDP). Zugleich finde er „grundsätzlich auch Tiny-Häuser gut“; man dürfe diese „nicht aus optischen Gründen ablehnen“.
So oder so: Bezüglich der Neubebauung des früheren landwirtschaftlichen Anwesens besteht noch viel Besprechungsbedarf. Es brauche dafür „ein Gesamtkonzept“, betonte Pentenrieder. Wenn dort nämlich weitere Bebauung geplant sei, wäre auch eine Tiefgarage zu fordern – was „auch hochwassertechnisch machbar“ sei. Das Areal „gehört überplant“, fasste Bürgermeister Markus Loth (BfW) zusammen. Doch vorerst sei das Ganze „nur eine Kenntnisnahme“ für den Bauausschuss. Vor einer Entscheidung brauche es weitere Gespräche mit den Eigentümern.
