VonFranziska Konradschließen
Ausbleibender Schnee und steigende Preise bleiben auch für die Skiclubs im Landkreis nicht ohne Folgen. Die Lösungsansätze sind jedoch unterschiedlich.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Wintersportler dürften sich beim Blick auf den aktuellen Wetterbericht freuen: Nicht nur im Landkreis ist für diese Woche wieder Schnee angekündigt. Trotzdem lassen die weißen Flocken mittlerweile immer länger auf sich warten. Für die hiesigen Ski-Clubs bleibt das nicht ohne Folgen.
Zu wenig Schnee in den Weihnachtsferien: Skifahrer müssen in höher gelegene Skigebiete ausweichen
Normalerweise trainieren die 40 jungen Skirennfahrer vom TSV Wolfratshausen in den Weihnachtsferien am Achensee. „Letztes Jahr lag allerdings so wenig Schnee, dass wir in höher gelegene Skigebiete fahren mussten“, berichtet Ski-Abteilungsleiter Robert Schilwat. Verbunden ist das für den Verein mit größerem organisatorischen Aufwand und höheren Kosten. Schilwat: „Irgendwann kommt dann natürlich die Frage auf, ob das alles noch praktizierbar ist.“
Stichwort praktizieren: Bis auf den ein oder anderen Erwachsenen fährt von der Skiabteilung des Sportvereins Eurasburg-Beuerberg kein Mitglied mehr bei internationalen Rennen mit. „Training auf einem Gletscher ist für uns deshalb keine Option“, stellt Ski-Abteilungsleiter Patrick Ullrich klar. An Nachwuchs mangelt es den Wintersportlern trotzdem nicht: Gut 40 Kinder treffen sich von Dezember bis Mitte März wöchentlich zum Rennsport-Training am Achensee.
„Jedes Jahr kommen ein paar Neue dazu.“ Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, besitzen die Mitglieder nur eine Saisonkarte für besagtes Skigebiet. „Liegt wenig Schnee, haben wir Pech. Dann fällt das Training aus.“ Und noch eines ist für Ullrich klar: „In Sachen Skifahren tut sich einiges.“ So gebe es im Ausland bereits Pisten, die mit Gleitmatten aus Kunststoff ausstaffiert werden. „Trotzdem hoffe ich natürlich, dass wir noch möglichst lange im Schnee fahren können.“
Skiclubs vor Herausforderungen: Trainingsbeginn um vier Wochen nach hinten verschieben
Weniger problematisch sieht Rudi Utzinger, Vorsitzender des Skiclubs (SC) Geretsried, die Lage: „In der gesamten Branche findet eine Saisonverschiebung statt.“ Auch die Wintersportler aus Geretsried versuchen, ihren Trainingsbeginn um etwa vier Wochen nach hinten zu verschieben, von Oktober auf November. Mit dem Training startet der Verein, „sobald das bei uns in der Region und im Zillertal funktioniert“. Optimistisch stimmt SC-Boss Utzinger nicht zuletzt die Wetterprognose: „Wenn ich mir die anschaue, glaube ich nicht, dass es heuer mit Skifahren schwierig wird.“
In der gesamten Branche findet eine Saisonverschiebung statt.
Auch den Klimaschutz behält der Skiclub bei der Teilnahme an internationalen Rennen im Blick. „Wir schauen, dass die Wettbewerbe relativ nah sind, zum Beispiel in Garmisch oder im Zillertal.“ Abgesehen davon, seien die Skirennfahrer in vollen Bussen unterwegs, „nicht jeder im eigenen Auto“.
Einen ähnlichen Tenor gab es kürzlich beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Tölzer Skiclubs. Landrat und Clubmitglied Josef Niedermaier bezeichnete dort den Skisport als „nachhaltig“. Er bezog das auch auf die zwei Skiberge Blomberg und Brauneck („alle anderen Berge im Tölzer Land sind ursprüngliche Natur“) und das Prinzip der ortsnahen kurzen Anfahrt.
Klimawandel und Skifahren: „Eigentliche Belastung für Umwelt sind die Anfahrten“
„Nicht Bergbahnen, Pisten und Kunstschnee: Die eigentliche Belastung für die Umwelt sind die Anfahrten.“ Sebastian Wörle, stellvertretender Vorsitzender, leitete aus all dem die Aufgabe ab, dass sich der Skiclub „wandlungsfähig weiterentwickeln“ müsse.
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Beim Wintersportverein Isartal-Icking war eine große Weiterentwicklung bislang nicht notwendig. „Wir haben ein riesen Glück und können noch so fahren, wir vor 20 oder 30 Jahren“, sagt Vorsitzender Thomas Scheifl im Gespräch mit unserer Zeitung. „Einmal geht’s schon im Oktober, ein anderes Mal nicht.“
Aber das sei im Jahr 1989 auch schon so vorgekommen. Im Zillertal besitzt der Verein eine Hütte. Bis es dort Naturschnee gibt, trainieren die 20 Kinder und acht Erwachsenen auf Gletschern. Problem an der Sache: Skipässe werden immer teuerer. Am Fahren gehindert hat das bislang niemanden. Scheifl: „Klar ist die Klimaerwärmung inzwischen da. Aber bis jetzt können wir alles noch bewerkstelligen.“
Eins striktes Programm gibt es für die jungen Skirennfahrer vom Skiclub Lenggries. Sobald es die Temperaturen zulassen, trainieren 80 Mädchen und Jungen dreimal unter der Woche auf dem Weltcuphang am Brauneck. Am Wochenende geht es zu Wettbewerben. Vorteil für den Verein: Der Hang kann mit Maschinenschnee bescheint werden und hat eine Flutlichtanlage. „So können die Kinder optimal nach der Schule trainieren“, sagt Vorsitzender Thomas Murböck.
„Denn unser Credo lautet: So wenige Fahrten wie möglich.“ Ob der Skiclub all das in der Zukunft weiter leisten kann, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Energiepreise ab. Murböck: „Wenn das so weitergeht, können wir die hohen Preise ja nicht komplett aus unserer Vereinskasse bezahlen, bis wir irgendwann pleite sind.“ kof
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Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand



