VonGerti Reichlschließen
Der Lückenweg in Gmund ist deutschlandweit zur Lachnummer geworden. Jetzt sieht es so aus, als müssten sich die Gmunder an den Anblick des lückenhaften Geh- und Radwegs zwischen Dürnbach und Finsterwald gewöhnen.
Gmund - Der Weg hatte deutschlandweit für Aufsehen gesorgt, seit sogar das ZDF über den lückenhaften Geh- und Radweg zwischen Dürnbach und Finsterwald berichtete. Es ist einfach zu kurios: Die Gemeinde begann im März mit dem Bau des Geh- und Radwegs, obwohl sie zwei Unterschriften noch nicht unter Dach und Fach hatte.
Es geht um zwei Wiesenstreifen, der eine 100 Meter lang, der andere 30 Meter. Zwei Landwirte wollen die Streifen partout nicht verkaufen. Der Finsterwalder Familie Holzer, Besitzerin des 100-Meter-Stücks, geht es um die Umgehungsstraße, die seit 2014 im Gespräch ist, und die – im Falle einer Realisierung – direkt an deren Hof vorbeiführen soll. Die Holzers benutzen die Verweigerungshaltung als Druckmittel gegen die Umgehungsstraßen-Pläne.
Sie habe schon die Tölzer Straße vor ihrer Nase, sagte Bäuerin Regina Holzer, da brauche sie nicht auch noch eine Umgehungsstraße, „nur damit die Münchner schöner rausfahren können“.
„Wir wissen nach wie vor nichts“, sagt Regina Holzer. Aus der Zeitung habe sie wenigstens im Mai erfahren, dass das Staatliche Bauamt Rosenheim 2018 in die konkrete Planung für die Straße einsteigen wolle. Ein Korridor ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde bereits eingezeichnet, der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) räumt der Umfahrung des Gmunder Zentrums sogar höchste Priorität ein. Die Straße würde am Salzstadel in Moosrain von der Bundesstraße abzweigen und über die Felder nach Finsterwald verlaufen.
Während in Sachen Umgehungsstraße noch alles offen ist, macht die Gemeinde den „Lückenweg“ offenbar zur Dauereinrichtung: Die bereits angelegten Streifen wurden vor Kurzem asphaltiert. „Wir lassen jetzt alles so herrichten, dass der Weg für Fußgänger und Radfahrer benutzbar ist und auch Landwirte ihre dahinter liegenden Wiesen wieder anfahren können“, sagt Bürgermeister Georg von Preysing. Ein Großteil der insgesamt 700 Meter sei ja geschafft. „Es ist halt so, wie es ist“, sagt Preysing. Natürlich solle der lückenhafte Weg kein Dauerzustand bleiben. Er werde das Gespräch mit den beiden Landwirten suchen.
Bisher sei das aber noch nicht der Fall gewesen, meint Regina Holzer. „Ich hab das Gefühl, es herrscht Funkstille.“ Mit dem Bürgermeister selbst habe sie kein Problem, man grüße sich freundlich und wechsle ein paar Worte, wenn man sich im Ort sehe. Mehr auch nicht.
Die Regierung von Oberbayern, die den Weg bezuschusst, ist über die Probleme informiert. „Wir beantragen jetzt die Teilauszahlung“, sagt Preysing. Insgesamt 242.000 Euro waren für den Weg angesetzt, mit 80.000 Euro an Staatszuschüssen wurde geplant. Dieser Zuschuss wurde im Vorfeld auch als Grund angegeben, warum man mit dem Bau begonnen habe. „Er wäre sonst verfallen“, hatte Preysing noch im Frühjahr betont. Ein lückenhafter Geh- und Radweg – Gmund muss sich an diesen Anblick wohl gewöhnen.
gr
