Videos illustrieren Aphorismen

„LyrikTrick“: Den Ickinger Wolfgang Ramadan gibt es jetzt als Zeichentrickfigur

+
Künstler im Kasten: „Wolfi“ ist die Hauptfigur der Trickfilmreihe „LyrikTrick“. Der Ickinger Wolfgang Ramadan (re.) entwickelt sein erstes digitales Projekt mit Animations-Student Arne Hain aus Seeshaupt.
  • schließen

Bislang gab es die Aphorismen-Sammlung „Real Bairisch“ vom Ickinger Wolfgang Ramadan nur in gedruckter Form. Seit Kurzem kann man sie auch anschauen.

Icking – Mühsam versucht „Wolfi“, das Fass den steilen Berg hinaufzurollen. Plötzlich rutscht er ab, das Fass reißt „Wolfi“ mit sich den Hang hinunter – und der Schwung katapultiert ihn auf den Gipfel daneben. In krakeligen Buchstaben kann der Zuschauer lesen: „Abwärts ist nur Anlauf für bergauf.“

„Wolfi“ ist eine Trickfilmfigur, sozusagen das digitale Alter Ego des in Icking lebenden Künstlers Wolfgang Ramadan. Stilecht mit Hut, Brille und Lederhose ist die Schwarz-Weiß-Figur der Protagonist von Ramadans aktuellem Projekt. „LyrikTrick“ heißt die Reihe, die aus mehreren 20-sekündigen Trickfilmen besteht. Alle zwei Wochen veröffentlicht der 58-Jährige einen neuen Clip auf seiner Facebook-Seite und bei Youtube. „Lange war ich im Netz so gut wie gar nicht vertreten, jetzt ist es an der Zeit“, sagt der 58-Jährige.

Die analoge Grundlage für die animierten Clips ist Ramadans Aphorismen-Sammlung „Real Bairisch“. Der Rest passiert in der digitalen Welt. Hier kommt Arne Hain ins Spiel. Der 23-Jährige aus Seeshaupt studiert Animation an der Filmakademie Baden-Württemberg. Über Regisseur Walter Steffen, der unter anderem für den Flößerfilm „Fahr ma obi am Wasser“ verantwortlich zeichnet, lernten sich die Männer vor knapp drei Jahren kennen.

Lesen Sie auch: Brotzeit & Spiele: Wolfgang Ramadan lädt zur Abo-Reihe nach Dorfen ein – Vorverkauf läuft

Hain hilft Ramadan, sich zu den Sinnsprüchen kurze Geschichten auszudenken und diese in Trickfilme zu verwandeln. „Etwa 20 Videos haben wir schon gemacht. Das ist gerade noch die Testphase“, sagt Ramadan. Zuletzt arbeitete das Duo an einem Clip für Weihnachten. „Die staade Zeit ist die lauteste“ heißt der Spruch dazu. „Wir treffen uns regelmäßig, etwa einmal im Monat, um zu überlegen, wie das Ganze visuell umgesetzt werden soll“, erklärt Hain. Dann zeichnet er am Computer eine Skizze, ein sogenanntes Animatic. „Per Mail tauschen wir uns solange aus, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden sind“, sagt Ramadan.

Dazwischen liegen zahlreiche Stunden, in denen Hain mit Photoshop, einem Schnittprogramm und einer Animations-Software Kurzfilme bastelt. Jede Bewegung, die Trickfigur „Wolfi“ macht, ist ein eigenes Bild. Auf 20 Sekunden kommen also 200 bis 300 Einzelbilder. Das Animieren selbst ist zeitaufwendig, aber nicht der schwierigste Teil. „Unseren Stil zu finden, war ein sehr langer Prozess“, sagt der 23-Jährige. Mittlerweile ist klar: Die Filme haben – passend zum weiß-blauen Bayern – einen hellblauen Hintergrund, Hauptfigur „Wolfi“ – die Hain übrigens von Hand gezeichnet und dann eingescannt hat – soll für Wiedererkennungswert sorgen. „Ich orientiere mich immer ein bisschen an Karl Valentin und Monty Python. Die zwei sind meine Gurus“, sagt Ramadan und lacht. Die Videos spielen mit den Effekten, sie sind bewusst im Stil alter Trickfilme gehalten, als die Bilder tatsächlich noch von Hand gezeichnet wurden. Mit der glatten 3D-Animationstechnik kann Ramadan nur wenig anfangen. „Das bin ich nicht“, sagt der Künstler.

„Hubert ohne Staller“: Was in der Kult-Krimiserie jetzt alles anders wird

Arne Hain findet beides spannend. Erst kürzlich war der Student für zwei Monate in Berkeley in den USA. Dort, in der Nähe von San Francisco, lebt Phil Tippett. Der US-Amerikaner hat sich auf visuelle Effekte spezialisiert und ist vor allem für seine mit zwei Oscars prämierte Arbeit in den „Star-Wars“-Filmen und der Reihe „Jurassic Park“ bekannt. Hain arbeitete mit Tippett an dessen Lebenswerk „Mad God“, einem experimentellen Film mit Puppentrick-Animationen.

Bei dem Projekt mit Ramadan liegt der Fokus zwar weniger auf facettenreicher Animation. „Aber hier lerne ich Geschichten so komprimiert wie möglich zu erzählen“, sagt Hain. Spaß macht es beiden. Der nächste Schritt ist schon geplant: Die „LyrikTrick“-Reihe soll einmal einen ganzen Abend füllen. Damit der „Wolfi“ nicht nur auf digitalem Weg, sondern auch in der realen Welt ein Publikum begeistert.

mh

Kommentare