Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Maibaum und Hühnerstall am Fursty-Bunker

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Der Bunker der 1. Staffel diente der Truppe als Rückzugsort im Angriffsfall. In vielen Übungen mussten die Piloten dort hinein, wie sich der frühere Staffelchef Harald Meyer erinnert.

Gebäude und Shelter gibt es auf dem Fliegerhorst unzählige. Doch in der Bevölkerung sind nur die bedeutenden ein Begriff. Dabei haben auch die unbekannteren Stätten Geschichten zu erzählen – wie der Bunker der 1. Staffel, inklusive eigenem Hühnerstall.

Fürstenfeldbruck – Der fortschreitende Kalte Krieg machte es ab 1981 erforderlich, die Flugzeuge, die früher auf der großen Platte im östlichen Teil des Fliegerhorstes zentralisiert waren, mehr auf dem Gelände zu verteilen. Damit sollten größere Verluste durch gezielte Bombardierungen möglicher Angreifer vermieden werden.

Weitere Flugzeughangars wurden gebaut und über die sogenannte Shelterschleife miteinander verbunden. Darüber hinaus trennte sich die 1. von der 2. Jagdbomberstaffel. Beide Luftwaffen-Staffeln erhielten baugleich eine Gebäudekombination aus Bunkerbau mit Sozialräumen. Während sich Staffelchef, Piloten, Fluglehrer und -schüler im Routine-Dienstbetrieb in letzteren Räumen und Büros aufhielten, rückten sie zu Übungszwecken und im Alarmfall in den extra gehärteten und mit dicken Stahltüren verschließbaren Bunker ein.

„Das war nicht lustig, vor allem weil stets die Gasmaske zu tragen war“, erinnert sich Luftwaffenoffizier Harald Meyer. Als Chef der 2. Staffel musste er den Betrieb auch während der jährlichen, mehrere Tage dauernden, taktischen Überprüfung (TacEval) unter erschwerten Bedingungen aufrecht erhalten. Die NATO testete damit regelmäßig die Einsatzbereitschaft aller unterstellten Verbände.

Das rückwärtige Freigelände war quasi der Garten, in dem sich die Soldaten gerne aufhielten. Dementsprechend gab es in diesem Bereich auch Terrassen mit Biertischen und -bänken, Sonnenschirmen und Grill, sogar ein Zierteich wurde angelegt. Etwas auffälliger in dem mit einem Wall sonst uneinsehbar gemachten Bereich war der Maibaum, den die Angehörigen der 1. Staffel traditionell Anfang Mai aufstellten. Statt der üblichen Zunftzeichen waren die Namen der Piloten, genauer gesagt deren fliegerischer Rufnahme (Callsign) und ein entsprechendes Symbol angebracht.

Callsign Chicken

Neben dem Schild von Hauptmann Harald Meyer (Flyer) fand sich an dem weißblau lackierten Baum auch jenes von Major Werner Huhn. Unschwer zu erraten war dessen Callsign: Chicken. Damit nicht genug: „Anlässlich einer der fröhlichen Geburtstagsfeiern des mittlerweile verstorbenen Kameraden erhielt er passenderweise auch zwei lebende Hühner geschenkt“, erinnert sich Meyer (dessen Callsign war „the Flyer“).

Was vielleicht als Beitrag für den Grill gedacht war, stellte den Beginn einer für einen militärischen Einsatzverband ziemlich undenkbaren Nebenbeschäftigung dar: die Hühnerhaltung der 1. Staffel im Brucker Fliegerhorst. „Zu Spitzenzeiten waren es fast ein Dutzend Hühner, die die 1. Staffel in einem eigens gebauten Stall hinter dem Bunker hielt“, erzählt der damalige Fluglehrer Meyer. Für den Kasernenkommandant wäre das natürlich nicht genehmigungsfähig gewesen, deshalb habe man das Projekt so gut es ging geheim gehalten, für den Stall einen nicht einsehbaren Ort gewählt und auf einen krähenden Gockel verzichtet. (mjk)

Die Serie

Alte Tower, Fliegerhorstkirche, Kilometerbau: Diese Orte auf dem Fliegerhorst kennen die meisten. Doch dort befinden sich viele weitere, kaum bekannte Gebäude, die im Kalten Krieg eine besondere Rolle gespielt haben. Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Fursty stellt sie bei einem Spaziergang vor. Mit ehemaligen Kameraden betreibt er eine private Lehrgeschichtliche Sammlung auf Fursty und bietet rund zweieinhalbstündige Führungen an. Anfragen per E-Mail an meyerffb@arcor.de.

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