Wolfratshausen – Nach zwei Stunden war alles vorbei: Kolpingfamilie und Feuerwehr Wolfratshausen haben den Maibaum an der alten Floßlände umgesägt und abtransportiert.
„Wir wollten dem TÜV zuvorkommen“, sagt Anderl Huber, Maibaumbeauftragter bei der Kolpingfamilie.
Bayerns Maibäume werden regelmäßig geprüft. Alle drei Jahre steht ein Experte des TÜV vor der Tür. Die meisten Bäume haben nach einer gewissen Zeit das gleiche Problem: Pilzbefall, Standfestigkeit in Gefahr. Durch die Schwindrisse dringt Feuchtigkeit in den Stamm, Pilze breiten sich aus und machen das Holz morsch. „Viel machen kann man dagegen nicht“, berichtet TÜV-Süd-Maibaum-Prüfer Georg Wagner aus München. Imprägnierend sei eine Möglichkeit – wenn auch eine wenig praktikable. „So große Wannen gibt es eigentlich nicht, das funktioniert nur bedingt.“ Außerdem sei es günstiger, einen neuen Maibaum aufzustellen.
Das dachten sich auch die Wolfratshauser Kolperer. „Wir wussten, dass der Pilz am Baum ist“, sagt Anderl Huber im Gespräch mit unserer Zeitung. „Da dachten wir uns: Bevor der TÜV den Daumen senkt oder im Winter etwas passiert, schaffen wir lieber gleich Fakten.“
Gesagt, getan: Am Samstagmittag schraubten Mitglieder von Kolping und Feuerwehr erst die Zunftzeichen ab. Dann sägten sie die 41 Meter lange Fichte mit Hilfe der Gärtnerei Holzer in Weidach in einem Stück erst um und dann auseinander. Das gute Stück, oder das, was davon übrig ist, lagert jetzt im Garten des alten Pfarrheims. Was damit geschieht, steht noch nicht fest. „Vielleicht versteigern wir ihn ja“, sagt Anderl Huber.
Der Baum wurde im Jahr 2011 aufgestellt. Größeres Aufsehen erregte er im Januar 2012. Sturmtief Andrea hatte so sehr gewütet, dass die Kolping-Mitglieder zum Arbeitseinsatz ran mussten. Der Baum war, wie sich das gehört, mit einbetonierten Stahlschienen fixiert und – damit er auch wirklich gerade steht – mit Holzkeilen ausgerichtet. Einen davon hatte Sturm Andrea gelöst, der Baum stand schief.
Dass der TÜV in Sachen Maibaum ziemlich rigoros sein kann, bekamen im Sommer die Geltinger zu spüren. Wegen eines Schwammerls am Stamm musste ihr weiß-blaues Stangerl gefällt werden. Für die Burschen Grund genug, kreativ zu werden: Sie versteigerten den Baum stückweise und stellten, was davon übrig blieb, wieder auf. Schön bemalt und mit einem Schild davor: „Bin auf Reha bis 2015.“ Frederik Lang